Kein Makel für die Ortsmitte

Die große Enttäuschung im Gemeinderat und Gewerbeverband über den Rückzug von „Rewe“ aus der geplanten Ortsmitte und den Ersatz durch einen „Penny“-Discounter ist für den Einzelhandelsgutachter der Gemeinde völlig unangebracht. Die Ansiedlung von „Penny“ sei „nicht als klare Abwertung zu sehen“, betonte Gutachter Ralf Popien im Gemeinderat.

Auch mit diesem Einkaufsangebot ergebe sich „keine Verringerung der Lebensqualität für die umliegende Bevölkerung“. Der „Rewe“ mit Vollsortiment und 1400 Quadratmeter Verkaufsfläche sollte am künftigen Marktplatz des neuen Ortszentrums der Magnet zur Belebung und für die Chancen von Geschäften im Ladengebäude nebenan sein.

Mit 800 Quadratmetern werde der jetzt stattdessen geplante „Penny“ immerhin deutlich größer als der „Rewe“, der dort seit den 1960er Jahren die Nahversorgung auf 600 Quadratmetern bedient, erinnerte Popien. „Penny“ biete „ein umfassendes Angebot ohne Sortimentslücken“, sagte er.

Zudem ermögliche die kleinere Gebäudegröße mehr oberirdische Stellplätze, was den Läden gut tun werde. Entscheidendes Puzzleteil für die Belebung des Platzes werde nun, ob eine attraktive Bäckerei plus Tagescafé angesiedelt werden könne.

Als fatal für die Ortsmitte bezeichnete der Gutachter allerdings die Erweiterungspläne der beiden Einkaufsmärkte an der Sonnenstraße. „Aldi“ klagt gerade gegen die Ablehnung einer Erweiterung, „Lidl“ bereite nach Darstellung Popiens diese Erweiterung ebenfalls vor.

Er empfahl dem Gemeinderat, „das Risiko nicht einzugehen, dass ‚Penny‘ auf dieser Basis eine neue Rentabilitätsberechnung macht“. Ein Vergrößerung der Märkte an der Sonnenstraße wäre „auf jeden Fall schädlich für ‚Penny‘“.

Am Stutenanger sei nach dem Ausfall des Ladenzentrums um den maroden „Rewe“-Markt der Laden von Jenny Heckenstaller „ein wichtiges Rückgrat der Nahversorgung“ geworden, so das Gurchaten. Gestartet als Schreibwarengeschäft, hat sich die findige Inhaberin längst auch mit einem Backshop plus kleinem Tagescafé ausgestattet.

Problematisch werde allerdings die Übergangszeit bis zur Eröffnung des „Penny“. Aktuell sei „die Grundversorgung in Oberschleißheim gesichert“, bilanziert das Gutachten, „aber das gilt ab Februar nicht mehr.“ Zum 31. Januar schließt der „Rewe“ am Stutenanger.

Im Gemeinderat wird bereits überlegt, eine Übergangslösung anzubieten, etwa über einen „Bonus“-Markt wie im IAZ Unterschleißheim. Popien empfahl den Räten, nicht darauf zu setzen, überall am Ort Einkaufsmöglichkeiten zu erhalten oder vorzusehen, was nur in minimalem Maße planbar sei. Vielmehr könne man intelligente Systeme kreieren, die Leute zu den bestehenden Märkten zu bringen. Dies sei die lohnendere kommunalpolitische Aufgabe.

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