Nachhaltiges Sanierungskonzept vorgestellt –Energieverbrauch und Betriebskosten sollen deutlich sinken
In der Gemeinderatssitzung am Dienstag, 29. September 2026, wurde ein umfassendes Konzept für die nachhaltige und kosteneffiziente Modernisierung des gemeindlichen Hallenbades vorgestellt. Das Interesse war groß. Neben Gemeinderat und Presse waren zahlreiche Bürgerinnen und Bürger erschienen, darunter Prof. Helmut Schreiner, Altbürgermeisterin Elisabeth Ziegler (SPD), der ehemalige 2. Bürgermeister Harald Müller (SPD) und die Vorsitzende des Oberschleißheimer Gewerbeverbands, Gönke Klar.
Kein Wunder: Die Zukunft des Hallenbades bewegt die Menschen im Ort seit Monaten.
Noch zu Beginn des Jahres schien das Ende des Hallenbades besiegelt. Aus wirtschaftlichen Gründen hielt die Gemeindeverwaltung einen Weiterbetrieb in der augenblicklichen finanziellen Situation der Gemeinde für nicht mehr tragbar, ein Schließungstermin war bereits festgelegt.
Vereine, Schulen, Kindergärten, Bürgerinnen und Bürger setzten sich daraufhin vehement für den Erhalt des Bades ein. Die entscheidende Wende brachte schließlich eine großzügige Spende des Unternehmerehepaars Ulrike und Helmut Schreiner, die den vorläufigen Weiterbetrieb ermöglichte. Damit war Zeit gewonnen – das eigentliche Problem aber blieb: Die hohen Betriebskosten mussten deutlich sinken.
Wissenschaft bringt neuen Rückenwind
Unterstützung kam vom Bayerischen Zentrum für Angewandte Energieforschung (ZAE Bayern). Aus dem Kontakt entwickelte sich ein Forschungsprojekt im Rahmen des vom Bund initiierten Innovationswettbewerbs „UrbanWave“. Das Projekt wird mindestens ein Jahr lang vollständig gefördert und gehört zu fünf bundesweiten Projekten des Wettbewerbs. Projektleiter Micha Pinnekamp vom ZAE Bayern stellte gemeinsam mit Architekt Herwig Strobl aus dem Bauamt das Sanierungskonzept vor. Die Bestandsaufnahme brachte dabei eine wichtige Erkenntnis: Das Hallenbad hat deutlichen Sanierungsbedarf, die Bausubstanz ist jedoch grundsätzlich in Ordnung.
Über einen Zeitraum von vier Jahren sollen nun Schritt für Schritt zentrale Bereiche modernisiert und energetisch optimiert werden. Vorgesehen sind unter anderem Verbesserungen bei Warmwasserversorgung, Duschen und Lüftung, die Modernisierung der Beckentechnik sowie eine neue Wärmeversorgung. Im Gespräch ist insbesondere eine Grundwasserwärmepumpe. Auch eine Photovoltaikanlage ist geplant. Später sollen Fassade, Dach und Tragwerk folgen.
Die Maßnahmen sollen weitgehend während der regulären sommerlichen Schließzeiten umgesetzt werden, damit der Badebetrieb möglichst wenig beeinträchtigt wird und der Bestandsschutz erhalten bleibt.
Großes Einsparpotenzial
Besonders beeindruckend sind die errechneten Einsparpotenziale: Die Ausgaben für Energie und Wasser könnten nach den vorgestellten Berechnungen um mehr als 70 Prozent, die gesamten Betriebskosten um fast 60 Prozent sinken. Gleichzeitig soll der CO₂-Ausstoß um mehr als 80 Prozent reduziert werden. Auch die Finanzierung der Sanierung wurde thematisiert. Die Gesamtkostenwerden derzeit auf rund 4,48 Millionen Euro geschätzt. Durch die Kombination verschiedener Förderprogramme soll ein erheblicher Teil davon abgedeckt werden. Der Eigenanteil der Gemeinde könnte nach derzeitiger Kalkulation zwischen 1,28 und 1,66 Millionen Euro liegen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Schulnutzung: 134 Klassen nutzen das Hallenbad derzeit für den Schwimmunterricht. Damit ist das Bad nicht nur für Sport und Freizeit, sondern auch für die Bildungsinfrastruktur von großer Bedeutung.
Vom Sorgenkind zum möglichen Leuchtturmprojekt
Die Finanzierung bleibt für die Gemeinde eine große Herausforderung. Dennoch hat sich die Perspektive innerhalb weniger Monate grundlegend verändert: Aus einem Hallenbad, dessen Schließung bereits beschlossen schien, ist ein wissenschaftlich begleitetes Sanierungsprojekt mit erheblichen Einsparpotenzialen geworden.
Bürgermeister Markus Böck bezeichnete das Vorhaben als „Leuchtturmprojekt“, das weit über Oberschleißheim hinausstrahlen könne. Der eingeschlagene Weg könnte dabei auch als Beispiel für die Modernisierung anderer in die Jahre gekommener Hallenbäder dienen. Der Abend im Gemeinderat machte vor allem eines deutlich: Das Hallenbad Oberschleißheim hat viele Unterstützerinnen und Unterstützer. Wissenschaft und Kommunalpolitik, Gemeinde und Hallenbadteam, Vereine und Schulen sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger ziehen gemeinsam an einem Strang. Auch Freistaat und Bund leisten mit ihren Fördermöglichkeiten einen wichtigen Beitrag.
Das Oberschleißheimer Hallenbad ist damit mehr als ein Sanierungsprojekt: Es ist ein Beispiel dafür, was durch Zusammenarbeit, Engagement und neue Ideen möglich werden kann. Ein Leuchtturmprojekt mit Strahlkraft.
Daniela Gragert




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