Hoffnungsvolle Sanierungs-Szenarien stellte ZAE Bayern-Projektleiter Micha Pinnekamp (zweiter von links) zusammen mit Architekt Herwig Strobl vom Oberschleißheimer Bauamt (ganz links im Bild) dem Gemeinderat Oberschleißheim vor. Rechts außen 1. Bürgermeister Markus Böck und in der Mitte Bauamtsleiterin Christiane Kmoch

Hoff­nung fürs Ober­schleiß­heimer Hallenbad

03.10.2026 | Aktuelles, Rathaus, Lokale Initiativen | 0 Kommentare

Nach­hal­tiges Sanie­rungs­kon­zept vorge­stellt –Ener­gie­ver­brauch und Betriebs­kosten sollen deut­lich sinken

In der Gemein­de­rats­sit­zung am Dienstag, 29. September 2026, wurde ein umfas­sendes Konzept für die nach­hal­tige und kosten­ef­fi­zi­ente Moder­ni­sie­rung des gemeind­li­chen Hallen­bades vorge­stellt. Das Inter­esse war groß. Neben Gemein­derat und Presse waren zahl­reiche Bürge­rinnen und Bürger erschienen, darunter Prof. Helmut Schreiner, Altbür­ger­meis­terin Elisa­beth Ziegler (SPD), der ehema­lige 2. Bürger­meister Harald Müller (SPD) und die Vorsit­zende des Ober­schleiß­heimer Gewer­be­ver­bands, Gönke Klar.

Kein Wunder: Die Zukunft des Hallen­bades bewegt die Menschen im Ort seit Monaten.

Noch zu Beginn des Jahres schien das Ende des Hallen­bades besie­gelt. Aus wirt­schaft­li­chen Gründen hielt die Gemein­de­ver­wal­tung einen Weiter­be­trieb in der augen­blick­li­chen finan­zi­ellen Situa­tion der Gemeinde für nicht mehr tragbar, ein Schlie­ßungs­termin war bereits fest­ge­legt.

Vereine, Schulen, Kinder­gärten, Bürge­rinnen und Bürger setzten sich daraufhin vehe­ment für den Erhalt des Bades ein. Die entschei­dende Wende brachte schließ­lich eine groß­zü­gige Spende des Unter­neh­mer­ehe­paars Ulrike und Helmut Schreiner, die den vorläu­figen Weiter­be­trieb ermög­lichte. Damit war Zeit gewonnen – das eigent­liche Problem aber blieb: Die hohen Betriebs­kosten mussten deut­lich sinken.

Wissen­schaft bringt neuen Rücken­wind

Unter­stüt­zung kam vom Baye­ri­schen Zentrum für Ange­wandte Ener­gie­for­schung (ZAE Bayern). Aus dem Kontakt entwi­ckelte sich ein Forschungs­pro­jekt im Rahmen des vom Bund initi­ierten Inno­va­ti­ons­wett­be­werbs „Urban­Wave“. Das Projekt wird mindes­tens ein Jahr lang voll­ständig geför­dert und gehört zu fünf bundes­weiten Projekten des Wett­be­werbs. Projekt­leiter Micha Pinne­kamp vom ZAE Bayern stellte gemeinsam mit Archi­tekt Herwig Strobl aus dem Bauamt das Sanie­rungs­kon­zept vor. Die Bestands­auf­nahme brachte dabei eine wich­tige Erkenntnis: Das Hallenbad hat deut­li­chen Sanie­rungs­be­darf, die Bausub­stanz ist jedoch grund­sätz­lich in Ordnung.

Über einen Zeit­raum von vier Jahren sollen nun Schritt für Schritt zentrale Bereiche moder­ni­siert und ener­ge­tisch opti­miert werden. Vorge­sehen sind unter anderem Verbes­se­rungen bei Warm­was­ser­ver­sor­gung, Duschen und Lüftung, die Moder­ni­sie­rung der Becken­technik sowie eine neue Wärme­ver­sor­gung. Im Gespräch ist insbe­son­dere eine Grund­was­ser­wär­me­pumpe. Auch eine Photo­vol­ta­ik­an­lage ist geplant. Später sollen Fassade, Dach und Trag­werk folgen.

Die Maßnahmen sollen weit­ge­hend während der regu­lären sommer­li­chen Schließ­zeiten umge­setzt werden, damit der Bade­be­trieb möglichst wenig beein­träch­tigt wird und der Bestands­schutz erhalten bleibt.

Großes Einspar­po­ten­zial

Beson­ders beein­dru­ckend sind die errech­neten Einspar­po­ten­ziale: Die Ausgaben für Energie und Wasser könnten nach den vorge­stellten Berech­nungen um mehr als 70 Prozent, die gesamten Betriebs­kosten um fast 60 Prozent sinken. Gleich­zeitig soll der CO₂-Ausstoß um mehr als 80 Prozent redu­ziert werden. Auch die Finan­zie­rung der Sanie­rung wurde thema­ti­siert. Die Gesamt­kos­ten­werden derzeit auf rund 4,48 Millionen Euro geschätzt. Durch die Kombi­na­tion verschie­dener Förder­pro­gramme soll ein erheb­li­cher Teil davon abge­deckt werden. Der Eigen­an­teil der Gemeinde könnte nach derzei­tiger Kalku­la­tion zwischen 1,28 und 1,66 Millionen Euro liegen. Eine wich­tige Rolle spielt dabei die Schul­nut­zung: 134 Klassen nutzen das Hallenbad derzeit für den Schwimm­un­ter­richt. Damit ist das Bad nicht nur für Sport und Frei­zeit, sondern auch für die Bildungs­in­fra­struktur von großer Bedeu­tung.

Vom Sorgen­kind zum mögli­chen Leucht­turm­pro­jekt

Die Finan­zie­rung bleibt für die Gemeinde eine große Heraus­for­de­rung. Dennoch hat sich die Perspek­tive inner­halb weniger Monate grund­le­gend verän­dert: Aus einem Hallenbad, dessen Schlie­ßung bereits beschlossen schien, ist ein wissen­schaft­lich beglei­tetes Sanie­rungs­pro­jekt mit erheb­li­chen Einspar­po­ten­zialen geworden.

Bürger­meister Markus Böck bezeich­nete das Vorhaben als „Leucht­turm­pro­jekt“, das weit über Ober­schleiß­heim hinaus­strahlen könne. Der einge­schla­gene Weg könnte dabei auch als Beispiel für die Moder­ni­sie­rung anderer in die Jahre gekom­mener Hallen­bäder dienen. Der Abend im Gemein­derat machte vor allem eines deut­lich: Das Hallenbad Ober­schleiß­heim hat viele Unter­stüt­ze­rinnen und Unter­stützer. Wissen­schaft und Kommu­nal­po­litik, Gemeinde und Hallen­bad­team, Vereine und Schulen sowie enga­gierte Bürge­rinnen und Bürger ziehen gemeinsam an einem Strang. Auch Frei­staat und Bund leisten mit ihren Förder­mög­lich­keiten einen wich­tigen Beitrag.

Das Ober­schleiß­heimer Hallenbad ist damit mehr als ein Sanie­rungs­pro­jekt: Es ist ein Beispiel dafür, was durch Zusam­men­ar­beit, Enga­ge­ment und neue Ideen möglich werden kann. Ein Leucht­turm­pro­jekt mit Strahl­kraft.

Daniela Gragert

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