Ulrike und Helmut Schreiner spenden 500.000 € für die Erhaltung des Oberschleißheimer Hallenbades
Dass das Ehepaar Ulrike und Helmut Schreiner es gut mit Oberschleißheim meint, zeigt sich schon daran, dass der Stammsitz des mittelständischen Familienunternehmens “Schreiner Group”, unverändert “schon seit dem 14. Februar 1993, einem Valentinstag”, wie uns Ulrike Schreiner erzählt, in Oberschleißheim angesiedelt ist. Dass sie aber diesen Ort und seine Menschen lieben und als Heimat verinnerlicht haben, demonstrierten die beiden mit einer überaus großzügigen Geste am Dienstagabend im Oberschleißheimer Bürgersaal: Dort nämlich hatten sie zur Rettung des von der Schließung bedrohten Hallenbades eine halbe Million Euro an die Gemeinde Oberschleißheim gespendet, weil sie finden, dass Kinder schwimmen lernen müssen, und die DLRG ihre Trainingsstätte braucht.
“Ich bin stolz darauf, dass mich niemand gefragt hat, denn ich bin ganz alleine darauf gekommen, dass ich hier helfen kann”, freute sich Prof. h.c.mult. Dr. h.c. Ing. Helmut Schreiner bei der symbolischen Übergabe der Spende vor mehr als 300 total überraschten Anwesenden.
“Helfen zu können, ist eine Gnade”, sagt der mittlerweile 85-jährige Geschäftsmann, “aber es dann auch wirklich zu tun, erfüllt einen mit unbändiger Freude!”
Die Gemeinderäte, die drei Bürgermeister, die Verwaltung und die vielen Zuschauerinnen und Zuschauer, die alle gekommen waren, um die mit Spannung erwartete Diskussion des Gemeinderates zum Hallenbad mitzuverfolgen, honorierten diesen sensationellen Paukenschlag mit “Bravo”-Rufen und minutenlangen Standing Ovations.



vlnr. 1. Vorsitzender DLRG, Lucas Marchlewitz, Trainer und Vorstandsmitglied Bernd Scheziat und Katharina Junglen (DLRG Landesverband). Vorne, Ulrike und Helmut Schreiner.
Die Diskussion des Gemeinderates bei der Sondersitzung zum Thema Hallenbad
Auf zunehmenden Druck der Öffentlichkeit (Unterschriftensammlungen, Petitionen, Besuche von Schulklassen im Rathaus) hatte 1. Bürgermeister Markus Böck zu einer von den Grünen per Eilantrag geforderten Sondersitzung am Dienstagabend, den 10. Februar 2026, in den Bürgersaal eingeladen. Anfang Februar hatte er zugunsten der Sondersitzung die Finanzberatungen abgesagt und verschoben.


Auf die Sondersitzung nun hatte sich der 1. Bürgermeister zusammen mit der Verwaltung gut vorbereitet: Mit Zahlen und Fakten in einer Powerpoint-Präsentation machte er, wie er sagte, das Hallenbad “gläsern”. Das Hallenbad sei seit jeher ein Defizitbetrieb, den die Oberschleißheimer Bürgerinnen und Bürger mit ihren Steuergeldern subventionieren müssten. Die Defizitbeträge der Jahre 2022, 2023, 2024 und vorläufig 2025 ergäben in der Summe 2.260.492, 42 Millionen €, die man aus dem Gemeindehaushalt hatte zuschießen müssen, um das Hallenbad am Laufen zu halten. “Das muss allen Bürgerinnen und Bürgern klar sein”, mahnte er in seinem Vortrag. Auch sei die Technik zum täglichen Betrieb des Bades so veraltet, dass man immer mit einem Ausfall rechnen müsse. Diese Schäden zu reparieren, oder gar komplett zu sanieren, würde sehr große Summen verschlingen, die der Gemeindehaushalt im Augenblick nicht hergäbe. Auch stünde bei jeder baulichen Veränderung eine Überprüfung des Brandschutzes ins Haus und damit hohe Sanierungskosten. Vor all diesen Dingen dürfe man die Augen nicht verschließen. Trotzdem setze er alles daran, das Bad so lange wie möglich weiterlaufen zu lassen.
Dass das Bad seine besten Tage bereits gesehen hat, wusste auch 3. Bürgermeister Dr. Casimir Katz, FDP. In einer Rückschau zeigte er die Vorhaben des Gemeiderates in Sachen Hallenbad auf und stellte die Schere zwischen “Wollen” und “Können” dar. “Eigentlich wollten wir ja ein neues Sportbad bauen, wir haben fertige Pläne dafür. Diese alte Anlage müsste man gut pflegen, dass sie noch eine Weile hält”.
Hier setzte die stellvertretende Fraktionssprecherin der Grünen, Ingrid Lindbüchl an: Aktuell habe man einen Betriebsleiter, der die Anlage höchst sorgfältig pflege und nach seiner Aussage “laufe die Betriebsanlage gut, es gäbe keinen Grund zur Beanstandung. Alle geforderten Parameter zur Wasserhygiene würden eingehalten und regelmäßig vom Gesundheitsamt geprüft.” Dass die alte Technik noch so gut funktioniere, sei maßgeblich ihm zu verdanken. Auch müsse man nicht immer gleich erneuern, sondern könne auch reparieren. Das baujahrgleiche Karlsfelder Hallenbad würde demnächst abgerissen. Wie der Oberschleißheimer Betriebsleiter von seinem Kollegen aus Karlsfeld weiß, könne man sich gegebenenfalls noch funktionierende Ersatzteile vor dem Abbruch sichern. Diese Möglichkeit sei zu prüfen.
Stefan Vohburger sprach sich für die Freien Wählern auch für den Weiterbetrieb des Hallenbades, so lange wie möglich aus. Als weiterführende Perspektive schlug er den Neubau eines Sportbades vor, im Zweckverband mit den Nachbarkommunen, die das Bad nutzen. Dem von den Grünen vorgeschlagenen “Förderverein Hallenbad” könnten sich die Freien Wähler anschließen.
Wenig zimperlich fiel die Kritik an dem Vorgehen des Bürgermeisters in dieser Sache und seiner grundsätzlichen Haushaltsführung von Seiten der SPD aus. Von selbstverschuldeter Finanzmisere, über Greensillpleite bis hin zur Verdoppelung der Baukosten beim gemeindeeigenen Wohnhaus mit 11 Wohnungen — SPD-Gemeinderat Erich Elsner nahm kein Blatt vor den Mund. Er kritisierte, dass die Verwaltung in puncto Hallenbad nicht schon viel früher in die Gänge gekomen sei und zitierte den ehemaligen Fraktionsvorsitzenden Florian Spirkl aus Protokollunterlagen früherer Sitzungen. Hier hatte Spirkl schon vor Jahren Maßnahmen zur Ausgabenreduzierung und Einnahmesteigerung im Hallenbad gefordert. Diese deckten sich so ziemlich genau mit den vom Arbeitskreis Hallenbad erarbeiteten Vorschlägen. “Hätten wir diese damals schon umgesetzt, wäre das Defizit nicht so groß.”
Auch für die SPD sei das Ziel, das Bad so lange wie möglich weiterlaufen zu lassen. Die beiden demnächst anberaumten Finanzausschusssitzungen böten die Möglichkeit noch weitere finanzielle Mittel zu generieren:“Kein Haushalt geht so raus wie er reingekommen ist”, schloss Elsner.
Gemeinderat Sebastian Riedelbauch (ÖDP) bedankte sich bei Bürgermeister Böck “für die tolle Show”. Er kritisierte, dass der Bürgermeister die Information über die Spende schon seit Donnerstagabend als Herrschaftswissen für sich behalten und die Information wieder nicht an die Gemeinderäte weiter gegeben hätte. “Mit der Spende sichern wir lediglich den Betrieb ab, wenn es zu größeren Reparaturen kommt, werden wir das Hallenbad trotzdem schließen müssen”, mahnte er.
Abstimmung des Gemeinderates über kurzfristige Maßnahmen zur Ausgabensenkung und Einkommensteigerung
Folgende Sofortmaßnahmen wurden zum Ende der Sitzung einstimmig beschlossen:
- Erhöhung der Eintrittspreise von 4,00 € auf 6,00 €, Kinder ermäßigt
- Schwimmbahnkosten für Vertragspartner werden von 60,00 € auf 90,00 € erhöht
- Bahnen werden auch ungenutzt in Rechnung gestellt
- Schul- und Sportschwimmen an mindestens drei festen Tagen
- Wassertemperatur bedarfsgerecht reduzieren, mindestens aber auf 27 Grad
- der Arbeitskreis Hallenbad soll verstetigt und gegebenenfalls erweitert werden.
Im Finanzausschuss und Gemeiderat sollen weitere Querfinazierungsvorschläge diskutiert werden. Dazu zähle im Besonderen die Erarbeitung eines Vorschlags für Nutzungsgebühren für den Bürgersaal und die beiden Konferenzräume im Bürgerhaus. “Das ist alles im Entstehen”, sagte der Bürgermeister. Auch kündigte er die Einrichtung einer eigenen gemeindlichen E‑Mail Adresse zur Sammlung von Ideen aus der Bürgerschaft an.
Ingrid Lindbüchl





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