Gleich zum heutigen Schwimmunterricht brachten die Oberschleißheimer Grundschulen diese "Danke-Herzchen" mit ins Hallenbad. Fotos alle privat

Hallenbad Ober­schleiß­heim ist vorerst gerettet!

11.02.2026 | Kommunalwahl 2026, Aktuelles, Rathaus | 0 Kommentare

Ulrike und Helmut Schreiner spenden 500.000 € für die Erhal­tung des Ober­schleiß­heimer Hallen­bades

Dass das Ehepaar Ulrike und Helmut Schreiner es gut mit Ober­schleiß­heim meint, zeigt sich schon daran, dass der Stamm­sitz des mittel­stän­di­schen Fami­li­en­un­ter­neh­mens “Schreiner Group”, unver­än­dert “schon seit dem 14. Februar 1993, einem Valen­tinstag”, wie uns Ulrike Schreiner erzählt, in Ober­schleiß­heim ange­sie­delt ist. Dass sie aber diesen Ort und seine Menschen lieben und als Heimat verin­ner­licht haben, demons­trierten die beiden mit einer überaus groß­zü­gigen Geste am Diens­tag­abend im Ober­schleiß­heimer Bürger­saal: Dort nämlich hatten sie zur Rettung des von der Schlie­ßung bedrohten Hallen­bades eine halbe Million Euro an die Gemeinde Ober­schleiß­heim gespendet, weil sie finden, dass Kinder schwimmen lernen müssen, und die DLRG ihre Trai­nings­stätte braucht.

“Ich bin stolz darauf, dass mich niemand gefragt hat, denn ich bin ganz alleine darauf gekommen, dass ich hier helfen kann”, freute sich Prof. h.c.mult. Dr. h.c. Ing. Helmut Schreiner bei der symbo­li­schen Über­gabe der Spende vor mehr als 300 total über­raschten Anwe­senden.

“Helfen zu können, ist eine Gnade”, sagt der mitt­ler­weile 85-jährige Geschäfts­mann, “aber es dann auch wirk­lich zu tun, erfüllt einen mit unbän­diger Freude!”

Die Gemein­de­räte, die drei Bürger­meister, die Verwal­tung und die vielen Zuschaue­rinnen und Zuschauer, die alle gekommen waren, um die mit Span­nung erwar­tete Diskus­sion des Gemein­de­rates zum Hallenbad mitzu­ver­folgen, hono­rierten diesen sensa­tio­nellen Pauken­schlag mit “Bravo”-Rufen und minu­ten­langen Stan­ding Ovations.

Prof. h.c.mult. Dr. h.c. Ing. Helmut F. Schreiner ist Senior Gesell­schafter und Beirat der Schreiner Group, Geschäfts­führer der Schreiner Inno­va­tion GmbH & Co. KG sowie der Schreiner Immo­bi­lien-Betei­li­gungs GmbH. Am Diens­tag­abend verkün­dete er vor dem voll­be­setzten Bürger­saal, dass er und seine Frau Ulrike mit ihrer Spende dem Hallenbad in die Verlän­ge­rung helfen wollen.
So etwas hat Ober­schleiß­heim noch nie erlebt: Diese uner­er­war­tete, sensa­tio­nelle Nach­richt riss alle von den Stühlen. Es folgte minu­ten­langer stehender Applaus mit “Bravo”-Rufen.
Unend­lich dankbar und glück­lich” zeigte sich die DLRG Ober­schleiß­heim. Diese war unifor­miert zum Sitzungs­termin mit mehr als 30 Mitglie­dern ange­rückt. Die Schlie­ßung des Hallen­bades hätte den Lebens­ret­tungs­verein seiner Übungs-und Sport­stätte beraubt. Dies wollte das Ehepaar Schreiner mit seiner Spende verhin­dern.
vlnr. 1. Vorsit­zender DLRG, Lucas March­le­witz, Trainer und Vorstands­mit­glied Bernd Sche­ziat und Katha­rina Junglen (DLRG Landes­ver­band). Vorne, Ulrike und Helmut Schreiner.

Die Diskus­sion des Gemein­de­rates bei der Sonder­sit­zung zum Thema Hallenbad

Auf zuneh­menden Druck der Öffent­lich­keit (Unter­schrif­ten­samm­lungen, Peti­tionen, Besuche von Schul­klassen im Rathaus) hatte 1. Bürger­meister Markus Böck zu einer von den Grünen per Eilan­trag gefor­derten Sonder­sit­zung am Diens­tag­abend, den 10. Februar 2026, in den Bürger­saal einge­laden. Anfang Februar hatte er zugunsten der Sonder­sit­zung die Finanz­be­ra­tungen abge­sagt und verschoben.

Bei der Gemein­de­rats­sit­zung mit größt­mög­li­cher Öffent­lich­keit wurde das Hallenbad von Bürger­meister Böck “gläsern” präsen­tiert
Das Thema inters­sierte die Menschen in Ober­schleiß­heim und darüber hinaus bren­nend. Mehr als 300 Menschen waren gekommen

Auf die Sonder­sit­zung nun hatte sich der 1. Bürger­meister zusammen mit der Verwal­tung gut vorbe­reitet: Mit Zahlen und Fakten in einer Power­point-Präsen­ta­tion machte er, wie er sagte, das Hallenbad “gläsern”. Das Hallenbad sei seit jeher ein Defi­zit­be­trieb, den die Ober­schleiß­heimer Bürge­rinnen und Bürger mit ihren Steu­er­gel­dern subven­tio­nieren müssten. Die Defi­zit­be­träge der Jahre 2022, 2023, 2024 und vorläufig 2025 ergäben in der Summe 2.260.492, 42 Millionen €, die man aus dem Gemein­de­haus­halt hatte zuschießen müssen, um das Hallenbad am Laufen zu halten. “Das muss allen Bürge­rinnen und Bürgern klar sein”, mahnte er in seinem Vortrag. Auch sei die Technik zum tägli­chen Betrieb des Bades so veraltet, dass man immer mit einem Ausfall rechnen müsse. Diese Schäden zu repa­rieren, oder gar komplett zu sanieren, würde sehr große Summen verschlingen, die der Gemein­de­haus­halt im Augen­blick nicht hergäbe. Auch stünde bei jeder bauli­chen Verän­de­rung eine Über­prü­fung des Brand­schutzes ins Haus und damit hohe Sanie­rungs­kosten. Vor all diesen Dingen dürfe man die Augen nicht verschließen. Trotzdem setze er alles daran, das Bad so lange wie möglich weiter­laufen zu lassen.

Dass das Bad seine besten Tage bereits gesehen hat, wusste auch 3. Bürger­meister Dr. Casimir Katz, FDP. In einer Rück­schau zeigte er die Vorhaben des Gemei­de­rates in Sachen Hallenbad auf und stellte die Schere zwischen “Wollen” und “Können” dar. “Eigent­lich wollten wir ja ein neues Sportbad bauen, wir haben fertige Pläne dafür. Diese alte Anlage müsste man gut pflegen, dass sie noch eine Weile hält”.

Hier setzte die stell­ver­tre­tende Frak­ti­ons­spre­cherin der Grünen, Ingrid Lind­büchl an: Aktuell habe man einen Betriebs­leiter, der die Anlage höchst sorg­fältig pflege und nach seiner Aussage “laufe die Betriebs­an­lage gut, es gäbe keinen Grund zur Bean­stan­dung. Alle gefor­derten Para­meter zur Wasser­hy­giene würden einge­halten und regel­mäßig vom Gesund­heitsamt geprüft.” Dass die alte Technik noch so gut funk­tio­niere, sei maßgeb­lich ihm zu verdanken. Auch müsse man nicht immer gleich erneuern, sondern könne auch repa­rieren. Das baujahr­gleiche Karls­felder Hallenbad würde demnächst abge­rissen. Wie der Ober­schleiß­heimer Betriebs­leiter von seinem Kollegen aus Karls­feld weiß, könne man sich gege­be­nen­falls noch funk­tio­nie­rende Ersatz­teile vor dem Abbruch sichern. Diese Möglich­keit sei zu prüfen.

Stefan Vohburger sprach sich für die Freien Wählern auch für den Weiter­be­trieb des Hallen­bades, so lange wie möglich aus. Als weiter­füh­rende Perspek­tive schlug er den Neubau eines Sport­bades vor, im Zweck­ver­band mit den Nach­bar­kom­munen, die das Bad nutzen. Dem von den Grünen vorge­schla­genen “Förder­verein Hallenbad” könnten sich die Freien Wähler anschließen.

Wenig zimper­lich fiel die Kritik an dem Vorgehen des Bürger­meis­ters in dieser Sache und seiner grund­sätz­li­chen Haus­halts­füh­rung von Seiten der SPD aus. Von selbst­ver­schul­deter Finanz­mi­sere, über Greens­ill­p­leite bis hin zur Verdop­pe­lung der Baukosten beim gemein­de­ei­genen Wohn­haus mit 11 Wohnungen — SPD-Gemein­derat Erich Elsner nahm kein Blatt vor den Mund. Er kriti­sierte, dass die Verwal­tung in puncto Hallenbad nicht schon viel früher in die Gänge gekomen sei und zitierte den ehema­ligen Frak­ti­ons­vor­sit­zenden Florian Spirkl aus Proto­koll­un­ter­lagen früherer Sitzungen. Hier hatte Spirkl schon vor Jahren Maßnahmen zur Ausga­ben­re­du­zie­rung und Einnah­me­stei­ge­rung im Hallenbad gefor­dert. Diese deckten sich so ziem­lich genau mit den vom Arbeits­kreis Hallenbad erar­bei­teten Vorschlägen. “Hätten wir diese damals schon umge­setzt, wäre das Defizit nicht so groß.”

Auch für die SPD sei das Ziel, das Bad so lange wie möglich weiter­laufen zu lassen. Die beiden demnächst anbe­raumten Finanz­aus­schuss­sit­zungen böten die Möglich­keit noch weitere finan­zi­elle Mittel zu generieren:“Kein Haus­halt geht so raus wie er rein­ge­kommen ist”, schloss Elsner.

Gemein­derat Sebas­tian Riedel­bauch (ÖDP) bedankte sich bei Bürger­meister Böck “für die tolle Show”. Er kriti­sierte, dass der Bürger­meister die Infor­ma­tion über die Spende schon seit Donners­tag­abend als Herr­schafts­wissen für sich behalten und die Infor­ma­tion wieder nicht an die Gemein­de­räte weiter gegeben hätte. “Mit der Spende sichern wir ledig­lich den Betrieb ab, wenn es zu größeren Repa­ra­turen kommt, werden wir das Hallenbad trotzdem schließen müssen”, mahnte er.

Abstim­mung des Gemein­de­rates über kurz­fris­tige Maßnahmen zur Ausga­ben­sen­kung und Einkom­men­stei­ge­rung

Folgende Sofort­maß­nahmen wurden zum Ende der Sitzung einstimmig beschlossen:

  • Erhö­hung der Eintritts­preise von 4,00 € auf 6,00 €, Kinder ermä­ßigt
  • Schwimm­bahn­kosten für Vertrags­partner werden von 60,00 € auf 90,00 € erhöht
  • Bahnen werden auch unge­nutzt in Rech­nung gestellt
  • Schul- und Sport­schwimmen an mindes­tens drei festen Tagen
  • Wasser­tem­pe­ratur bedarfs­ge­recht redu­zieren, mindes­tens aber auf 27 Grad
  • der Arbeits­kreis Hallenbad soll verste­tigt und gege­be­nen­falls erwei­tert werden.

Im Finanz­aus­schuss und Gemei­derat sollen weitere Quer­fi­na­zie­rungs­vor­schläge disku­tiert werden. Dazu zähle im Beson­deren die Erar­bei­tung eines Vorschlags für Nutzungs­ge­bühren für den Bürger­saal und die beiden Konfe­renz­räume im Bürger­haus. “Das ist alles im Entstehen”, sagte der Bürger­meister. Auch kündigte er die Einrich­tung einer eigenen gemeind­li­chen E‑Mail Adresse zur Samm­lung von Ideen aus der Bürger­schaft an.

Ingrid Lind­büchl

Plakat aus der Bava­rian Inter­na­tional School Haim­hausen

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