Großer Aufwand, wenig Wirkung

Weitere mobile Luftfilter Schulen und Kindertagesstätten wird es nicht geben. Mit 17:8 Stimmen haben CSU, Grüne, FDP und drei Räte der FW gegen die SPD und drei FW-Räte einen Antrag der SPD abgelehnt, alle Räume mit mobilen Luftreinigern auszustatten.

Die SPD hatte die Beteiligung am einschlägigen Förderprogramm der Staatsregierung gefordert, „um die Schüler bestmöglich zu schützen“. Nach der langwierigen Diskussion im Herbst, bei der größere Investitionen aufgeschoben worden waren, müsse man nun „endlich Nägel mit Köpfen machen“, sagte ihr Sprecher Florian Spirkl.

Für die Gemeindeverwaltung hatte Dritter Bürgermeister Casimir Katz (FDP) die Effekte analysiert und bilanzierte, dass mobile Luftfilter „den schlechtesten Nutzen zum größten Geld“ brächten. Die lüftungstechnisch bedenklichen Räume seien bereits ausgerüstet und bei allen anderen gebe es mit Schutzmasken und effektiver Lüftung bessere Schutzmethoden.

Die SPD konterte, zum optimalen Schutz sei „ein Maßnahmenbündel notwendig“, zu dem auch die Luftfilter gehörten. Bürgermeister Markus Böck (CSU) tat das staatliche Förderprogramm, auf das die SPD aufspringen wollte, als „Alibimaßnahme“ ab: „Das bringt gar nichts.“

Für die CSU sagte Stefanie Haslbeck, sie erwarte nicht, „dass die Filter einen Mehrwert brächten“. Grünen-Sprecher Fritz-Gerrit Kropp nannte die mobilen Luftfilter „nur eine ganz magere Krücke“.

Überpüft werden soll aber der mögliche Einbau neuer Raumlufttechnik. Dabei teilte der Bürgermeister schon mal mit, dass an der Grundschule in der Parksiedlung, die gerade für Millionenaufwand saniert wird, an ein neues Belüftungssystem nach Erkenntnissen aus der Pandemie nicht gedacht sei.

„Das geht gar nicht“, wetterte FW-Sprecher Stefan Vohburger. Eine derartige Entscheidung hätte in der aktuellen Situation vom Gemeinderat getroffen werden müssen, nicht auf dem Verwaltungsweg auf der Baustelle.

Auch Spirkl wunderte sich, dass bei der Debatte vor Jahresfrist eine Prüfung lüftungstechnischer Installation zugesagt worden sei und jetzt werde berichtet, es gehe schon nicht mehr.

4 Lesermails

  1. Selbstverständlich sind politische Entscheidungen keine Wahrheiten, aber sie sollten sich schon an Fakten orientieren. Der Gemeinderat hat von mir umfangreiche Quellen und Statistiken (im RIS verlinkt) zur Verfügung gestellt bekommen und in der vertieften Diskussion sind auch noch weitere Informationen von den Gemeinderäten eingeflossen. Welche „fundierten“ Erkenntnisse der bayrischen Staatsregierung zugrunde lagen, ist mir nicht bekannt, weil nicht veröffentlicht. In Baden-Württemberg sieht das anders aus.

    Wenn ich meinen persönlichen Weg zur Entscheidung kurz begründen darf (nicht alle Argumente wurden ja im Artikel zitiert):

    Es darf in diesem Winter kein Homeschooling mehr geben! Der psychologische Schaden und die Benachteiligung der Kinder ist jetzt schlimmer als die Folgen der Pandemie. Ob die Schulen aber geschlossen werden, entscheidet das Kultusministerium mit dem Gesundheitsministerium und da wurde die Ausstattung der Schulen bislang in keinster Weise berücksichtigt.

    Der beste Schutz sind geimpfte Eltern. Bei den Kindern ist eine Impfung nicht zwingend erforderlich, da die Kinder nur in sehr sehr seltenen Fällen schwere Verläufe haben. Die Kinder haben sich in den allermeisten Fällen außerdem zu Hause angesteckt. Dort muss man ansetzen. Daher wäre der sinnvollste primäre Schutz Tests, das ist statistisch eindeutig belegt.

    Jede nachträgliche sekundäre Schutzmaßnahme konzentriert sich auf die Symptome statt auf die Ursachen. Dann sind richtiges Stoss-Lüften oder raumlufttechnische Anlagen oder Masken ungefähr gleich gut, in Kombination noch etwas besser. Aber Masken und Lüften sind deutlich billiger und gelüftet werden muss ohnehin.

    Wenn nun ein Luftreiniger in den schlecht belüftbaren Räumen eingesetzt wird, ist das absolut sinnvoll, aber genau das wurde im letzten Winter gemacht (übrigens ohne Umgehung des Gemeiderats, wie Herr Bönnemann behauptet). Weitere Luftreiniger, welche die Lüftungsintervalle vergrößern sollen, müssen eine hohe Leistung haben. Diese Geräte sind dann entweder teuer oder zu laut oder zu groß.

    Ich hatte ein kleine leise Lösung vorgestellt (die inzwischen wohl sicher nicht gefördert werden würde), hatte über unsinnige laute Geräte berichtet (die juristisch passend, aber sachlich sinnlos wären) und über große gute Geräte (bei denen erhebliche Folgekosten, Platzprobleme und keine ausreichende Förderquote erreichbar war). Angesichts dieser Fakten habe ich für raumluftechnische Anlagen plädiert, die bei etwa dreifachen Kosten nun mit 80 % gefördert nur unerheblich teurer wären als die zu 50 % geförderten ungeeigneten Geräte und billiger als die mit effektiv 40 % geförderten guten Geräte. Dem sind die Mehrheit der Gemeinderäte und der Bürgermeister dann auch gefolgt.

    Ich denke, es ist die Aufgabe aller Mandatsträger, sich sehr genau zu überlegen, wofür sie öffentliche Gelder ausgeben. Verschwendung als „Reichheitszeugnis“ ist keinesfalls besser. Aber das ist eben eine persönliche Entscheidung jedes Einzelnen.

  2. Sind Luftfilter jetzt das neue Klopapier?

    In fast ganz Bayern werden jetzt Luftfilter für Schulen, Kindertagesstätten und andere Einrichtungen bestellt. In jedem Klassenzimmer, jedem Gruppentraum soll ein Exemplar stehen.

    Eine einfach Internetsuche bringt als Ergebnis, es gibt in Bayern rund 6100 Schulen, 1400 Kita und 5000 Kindergärten. Rechnet man 10 Stück je Schule und je 3 pro Kita/Kindergarten, ergibt sich ein Bedarf von rund 80.000 Luftfiltern, die in den sechs Wochen bis zum Beginn des neuen Schuljahrs bestellt, ggf. erst noch produziert, geliefert und in Betrieb genommen werden müssten. Glücklich die, die rechtzeitig vor dem großen Run bestellt haben.

    Ob für die Steuerelektronik auch noch die Computerchips benötigt werden, die derzeit überall auf der Welt knapp oder gar nicht lieferbar sind?

    Insofern wäre die Bestellung der Gemeinde wohl in der Warteschlange gelandet, mit Liefertermin irgendwann in 2022 oder noch später.

    Günter Braun

  3. Wieder eine Chance vertan, Kinder endlich von den Masken während des Unterrichts zu befreien.

    Schön, dass der Dritte Bürgermeister die Masken für ausreichend hält. Er sitzt ja auch nicht mit Maske stundenlang in der Schule.

    Ach ja, und lüften. Dann ist ja alles bestens. Ob die Kinder das auch so sehen?

    Der nächste Winter kommt (genauso wie die nächste Mutation), da weht dann kein laues Lüftchen durchs Klassenzimmer, sondern arktische Kälte.

  4. Die Entscheidung gegen mobile Raumluftfilter in allen Kitas und Schulen und damit die Kinder nicht bestmöglich zu schützen, ist ein Armutszeugnis unserer Gemeinde.

    Wie schon im vergangenen Jahr wird trotz großer Ankündigungen der Staatsregierung der Einsatz mobiler Filter nicht in allen Klassenräumen in Bayern umgesetzt. Die Folgen einer passiven, „sparsamen“ Politik waren für viele betroffenen Personen in diversen Wirtschaftszweigen schlimm, aber für ErzieherInnen, LehrerInnen und für Kinder sind sie eine Katastrophe!

    In Oberschleißheim wurde der SPD-Antrag vom 21.9.2020 für die Raumluftfilter vom Bürgermeister umgangen, um dann selbst mit gemeindlichen Aktivitäten auf dieses Thema aufzuspringen. Die gemeindlichen Untersuchungen kamen, etwas verkürzt, zum Schluss, dass billige Filter zu laut wären, Hepa-Filter kein CO2 filtern könnten und die Geräte ohne Förderung „zu teuer“ wären.

    Mittlerweile hat die bayerische Staatsregierung die fundierten wissenschaftlichen Erkenntnisse anerkannt und stellt weitere Fördermittel zur Verfügung. Die Aussage unseres Bürgermeisters, „das staatliche Förderprogramm, auf das die SPD aufspringen wollte, wäre eine „Alibimaßnahme“ – Das bringt gar nichts.“, ist in jeder Hinsicht schwach und für mich persönlich eine Riesenenttäuschung.

    Anstatt sich heute an den bereits erfolgreichen Installationen von Neubiberg, Unterföhring oder Grünwald… zu orientieren und die Fördermittel zu nutzen, stellt man sich quer. Die Schulen im gesamten Landkreis Ebersberg sind bereits zu 100 % mit Luftfiltern ausgestattet und in Ministerien, Amtsstuben, Parlamenten und vielen Betrieben wird die Wirksamkeit der Filtergeräte in der Praxis bewiesen.

    Aber eine Gemeinde, die für 240.000 € einen Kirchenparkplatz mietet, hat trotz gefährlicher Deltavariante und Urlaubsrückkehrern aus Hochrisikogebieten kein Geld zum bestmöglichen Schutz unserer Kinder?

    Ich hoffe auf den Protest der Eltern, einen heißen Herbst und einen milden Winter.

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