Wirtschaftsförderer braucht’s doch nicht

Nach jahrelangen Forderungen und Debatten hatte der Gemeinderat vor Jahresfrist eine neue Planstelle für Wirtschafts- und Tourismus-Förderung im Rathaus geschaffen. Besetzt wird die Stelle allerdings bis auf Weiteres nicht.

Unmittelbar nach dem Beschluss war die Stelle wegen eines allgemeinen Ausgabenstopps in der Gemeindeverwaltung im Gefolge von pandemiebedingten Einnahmeausfällen nicht besetzt worden. Für 2021 entschied der Hauptausschuss des Gemeinderats nun, dass die Aufgaben weiterhin in der Gemeindekämmerei erledigt werden könnten.

Dort ist Personal vorgehalten, um die neue Umsatzsteuerregelung für Gemeinden zu bearbeiten; nun aber soll diese neue Aufgabe erst 2023 einschlägig werden. So sah das Gremium ausreichend Kapazitäten im bestehenden Personalbestand.

4 Lesermails

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich bin der festen Überzeugung, dass ein Wirtschafts- und Tourismusförderer für die Gemeinde Oberschleißheim gut und richtig ist.

    Die Aufstellung eines Finanzplanes stellt uns aber gerade in dieser schwierigen Zeit vor allergrößte Herausforderungen. Das haben uns die zurückliegenden Beratungen gezeigt. Es muss wirklich alles auf den Prüfstand – auch die sofortige Besetzung neuer Stellen.

    Ein Wirtschafts- und Tourismusförderer ist nur aufgeschoben – nicht aufgehoben.

    Markus Böck, Erster Bürgermeister

  2. Sehr geehrte Gemeinderäte/innen, sehr geehrter Herr Bürgermeister,

    (Ich habe diesen Leserbrief nun 10 Tage zurückgehalten, in der Hoffnung, aus dem Gemeinderat oder vom Bürgermeister eine Erklärung dazu zu erhalten – leider ist das bis heute nicht geschehen!)

    Ich muss es deutlich sagen: „Da fällt mir doch die Klappe runter!“

    Dieser Knockdown im Lockdown konterkariert meine persönliche und insgesamt die Arbeit des Gewerbeverbands der letzten 10 Jahre.

    Es wäre mir interessant und wichtig zu wissen, welches Abstimmungsergebnis dafür gewesen ist – und die Verteilung über die Parteien? Im Ratsinformations-System habe ich dazu nichts entdeckt – war das wieder Mal ein nicht öffentlicher Beschluss?

    Was soll in der Kämmerei noch alles gemaccht werden? Dort sitzen also nicht nur die Rechenkünstler der Gemeinde, sondern auch die verkannten Wirtschafts- und Tourismus-Förderer?

    Und die neuen Gewerbe- und Baugebiete laufen auch alle von selbst bzw. von externen Beratern und Auftragnehmern.

    Wenn das im Bund, im Land und in der Kommne so weitergeht mit der Unterstützung für die Gewerbetreibenden, Handwerker und Selbständigen, dann brauchen wir sehr bald gar keine Stelle zur Wirtschaftsförderung mehr: Wo nichts ist, kann man auch nichts mehr fördern!

    Mit verzweifelten Grüßen
    Walter Klar

  3. Sehr geehrte Damen und Herren,

    als unpolitische Person möchte ich einen kleinen Hinweis anbringen: Die Komplexität der Aufgabengebiete von Wirtschaftförderung kann erahnen, wer sich mit Inhalten der homepage des Deutschen Städte- und Gemeindetages beschäftigt:
    https://www.dstgb.de, Schwerpunkt Wirtschaft und Tourismus.

    Ich wünschen allen Personen, die nun in der Gemeindeverwaltung mit diesen Aufgaben zusätzlich betraut wurden, die notwendige Zeit und Energie, auch für Engagement ausserhalb der regulären Dienstzeit, und vor allem sichtbare und ertragreiche Erfolge für den Ort.

    Irene März,
    Mitglied im Tourismus Schleißheim e.V.

  4. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich denke, dass das Aufschieben der Stelle „Wirtschaftsförderung“ ins Jahr 2023 ein massives Versäumnis ist!

    Im Kommunalwahlkampf 2020 haben alle Bürgermeisterkandidaten, inklusive meiner Person, die Dringlichkeit dieser Stelle unterstrichen, sie wurde deshalb auch endlich, nach drei Anträgen, im Gemeinderat positiv abgestimmt.

    Es ist ein Irrglaube, anzunehmen, dass in der Kämmerei zusätzlich zu allen anderen Aufgaben konsequente Wirtschaftsförderung betrieben werden könne – das zeigt die Realität.

    Und gerade jetzt in Krisenzeiten dürfen wir nicht nur von neuen Gewerbegebieten träumen, sondern wir müssen uns auch um unser bestehendes Gewerbe kümmern. Unsere Gewerbesteuerzahler haben einen echten und dauerhaft präsenten Ansprechpartner in der Gemeindeverwaltung verdient! Ein runder Tisch alle drei Monate kann kein Ersatz dafür sein.

    Wenn sich jemand fragen sollte, was ein Wirtschaftsförderer so tut, dann darf ich auf unten angehängte Stellenbeschreibung verweisen, die wir zusammen mit dem Gewerbeverband ausgearbeitet haben.

    Und es gibt wieder Leerstände: 800 m² an der Mittenheimerstraße, zwei komplette Firmengebäude am Bruckmannring. Ich wiederhole mich beständig: Bevor man neue Gewerbegebiete ausweist, sollte man alles tun, um bestehende zu beleben und aufzuwerten.

    Das Knowhow dazu bringt der Gewerbebeauftragte mit:

    Stellenbeschreibung „Wirtschaftsförderung“

    Der Gewerbebeauftragte stellt in seiner Funktion ein Bindeglied zwischen Rathaus, Gewebetreibenden und Gewerbeverband dar. Er ist ein persönlicher Mitarbeiter des 1. Bürgermeisters und neben ihm öffentlicher Ansprechpartner für Neuanfragen. Gemeinsames Ziel ist die Wirtschaftsförderung in Oberschleißheim und die optimale Ausnutzung der knappen Ressourcen. Dazu gehören folgende Aufgaben:

    1. Aufbau und Pflege einer Gewerbedatenbank, die folgende Daten enthält:
    a. Sämtliche Gewerbeflächen und deren aktuelle Nutzung
    b. Alle Gewerbetreibenden mit Ansprechpartner
    c. Alle potentiellen Gewerbefläche inklusive Leerstände
    d. Alle Anfragen von Interessenten
    e. Gewerbesteueraufkommen

    2. Aktive, regelmäßige Kontaktpflege zum Gewerbeverband, zu Gewerbetreibenden, Interessenten, überregionalen Behörden und Verbänden:
    a. Proaktives Zugehen auf mögliche Gewerbetreibende speziell im Bereich Nahversorgung.
    b. Besuch von Messen, Gewerbeschauen in der Region
    c. Einberufung und Moderation eines regelmäßigen “runden Tisches“ mit dem Gewerbeverband, Gewerbetreibenden und Gemeinde (Bürgermeister, Vertreter der Fraktionen)

    3. Öffentlichkeitsarbeit
    a. Erstellen von Broschüren, Internetauftritt, regelmäßige Pressemitteilungen im Oberschleißheimer Anzeiger
    b. Organisation von Gewerbeschauen
    c. Vernetzung mit Gewerbebeauftragten in anderen Gemeinden

    4. Zusammenarbeit mit dem örtlichen Tourismusverein
    a. Mitarbeit bei der Organisation von Veranstaltungen des Tourismusvereins
    b. Suchen von Sponsoren für Veranstaltungen des Tourismusvereins und Gewerbeschauen

    5. Sonstige Aufgaben
    a. Erstellung eines Maßnahmenkatalogs zur Wirtschaftsförderung
    b. Analyse der Gewerbesteuereinnahmen
    c. Standortanalyse
    d. Mediator bei Konflikten mit Gewerbetrieben

    Ingrid Lindbüchl, Gemeiderätin Grüne

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