Die Oktobersitzung des Gemeinderates wurde wegen des großen öffentlichen Interesses in den Bürgersaal verlegt. Viele Oberschleißheimerinnen und Oberschleißheimer waren gekommen, um sich die Vorplanung zur Straßenunterführung anzusehen. Foto privat

Bahn­un­ter­füh­rung für Ober­schleiß­heim: Große Zustim­mung, aber offene Fragen

28.10.2026 | Aktuelles, Rathaus, Uncategorized | 1 Kommentar

Inge­nieur­büro GRASSL GmbH stellt Vorpla­nungs­va­ri­anten vor

Großer Andrang im Bürger­zen­trum: Die vorge­stellte Vorpla­nung für die “Höhen­frei­ma­chung” des Bahn­über­gangs an der B471 stößt im Gemein­derat auf grund­sätz­lich posi­tive Reso­nanz. Sorgen bereiten vor allem die Verkehrs­füh­rung während der Bauzeit, die Erschlie­ßung angren­zender Grund­stücke und der Lärm­schutz.

Die Gemein­de­rats­sit­zung am 27. Oktober fand wegen des großen Besu­cher­an­drangs im Saal des Bürger­zen­trums statt. Zahl­reiche Bürge­rinnen und Bürger wollten die Vorstel­lung der Vorpla­nung zur Besei­ti­gung des Bahn­über­gangs Ober­schleiß­heim auf der B471 verfolgen. Auch die Deut­sche Bahn, das Staat­liche Bauamt Frei­sing und das beauf­tragte Planungs­büro Grassl waren mit Vertre­tern vor Ort.

Ferdi­nand Petschik, vom beauf­tragten vom Inge­nieur­büro GRASSL GmbH erläu­terte den aktu­ellen Planungs­stand. Im Mittel­punkt steht die Möglich­keit, die Bundes­straße B471 unter der Bahn­strecke hindurch­zu­führen und damit den bestehenden Bahn­über­gang zu besei­tigen.

Anspruchs­volle Planung mit zahl­rei­chen Rand­be­din­gungen

Das Projekt betrifft die viel­be­fah­rene S‑Bahnstrecke der S1 München-Frei­sin­g/Flug­hafen und gleich­zeitig die Bahn­strecke München–Regensburg, eine bedeu­tende Verbin­dung des Schie­nen­ver­kehrs und Teil des trans­eu­ro­päi­schen Verkehrs­netzes. Die Planung muss zahl­reiche denk­mal­pfle­ge­ri­sche Belange berück­sich­tigen. Beson­dere Bedeu­tung kommt dabei dem Schleiß­heimer Schloss­kanal zu.

Eine weitere Heraus­for­de­rung sind die Eingriffe in private Grund­stücke. Teil­weise müssen Grund­stücke künftig über die Garten­straße erschlossen werden. Dies stieß bei einigen Anwoh­nern auf deut­liche Kritik. Sie bezwei­feln, dass die Garten­straße geeignet ist, die zusätz­li­chen Verkehrs­ströme aufzu­nehmen.

Posi­tive Signale aus dem Gemein­derat

Grund­sätz­lich positiv äußerte sich Gemein­derat Stefan Vohburger als Frak­ti­ons­vor­sit­zender der Freien Wähler im Gemein­derat von Ober­schleiß­heim. Er zeigte sich erfreut über die nun eröff­nete Möglich­keit, die B471 unter der Bahn­strecke hindurch­zu­führen.

Auch Gemein­derat Peter Bent­hues erklärte für die CSU, man solle an die posi­tiven Aspekte der vorge­stellten Lösung fest glauben. Er stehe dem Projekt positiv gegen­über und hoffe, dass sich die noch offenen Probleme lösen lassen.

Gemein­derat Dr. Casimir Katz (FDP) räumte ein, dass er eine derart einfache Lösung zunächst nicht für möglich gehalten habe: „Wir waren nicht davon ausge­gangen, dass so eine einfache Lösung möglich ist.“ Zugleich mahnte er, die noch offenen Fragen nicht aus dem Blick zu verlieren. Dazu zählte er insbe­son­dere den Bahn­über­gang an der Schön­leut­ner­straße und die Frage, ob dieser mögli­cher­weise im Zuge des Baupro­jekts besei­tigt werden könnte.

Dr. Katz verwies zudem auf eine Ände­rung des Eisen­bahn­kreu­zungs­ge­setzes aus dem Jahr 2020. Danach werde die Gemeinde an den Kosten für das Vorhaben nicht mehr betei­ligt. Für die finan­ziell ange­spannte Gemeinde Ober­schleiß­heim wäre dies eine erheb­liche Entlas­tung.

Hier im Bild die Vari­ante 4 der Vorpla­nungen. Ein 4,50 m hoher, stra­ßen­breiter Trog würde ab der Kreu­zung Mittenheimerstr./Dachauerstraße mit 8% Gefälle die Bahn­linie unter­queren und bei der Kreu­zung Dach­au­erstr. /Feierabendstraße mit 8% Stei­gung wieder hinauf führen. Die Liegen­schaften auf dieser Strecke müssten dann über den Bennohof und die Garten­straße erschlossen werden. Darstel­lung aus der Präsen­ta­tion des Planungs­büros Grassl GmbH

Deut­lich skep­ti­scher äußerte sich Gemein­de­rätin Gaby Hohen­berger von den Grünen. Sie befürchtet, dass die betrof­fenen Anlieger und Grund­stücks­ei­gen­tümer mit der geplanten Lösung nicht einver­standen sein könnten und deshalb ihre privaten Grund­stücke nicht für das Vorhaben zur Verfü­gung stellen würden.

Für die SPD wies Erich Elsner auf eine weitere mögliche Schwie­rig­keit hin: Mittel­fristig müsse der Alla­cher Tunnel aufwendig saniert werden. Es sei deshalb zu befürchten, dass sich die Bauphasen beider Projekte zeit­lich über­schnitten und dadurch chao­ti­sche Verkehrs­pro­bleme in der Region entstünden.

Lärm­schutz und Bauzeit noch nicht abschlie­ßend geklärt

Gemein­de­rätin Irene Bogdain (SPD) fragte die Vertreter der Bahn, ob bereits Lärm­schutz­maß­nahmen vorge­sehen seien. Die Vertre­terin der DB InfraGO, Frau Ramusi, konnte hierzu noch keine konkrete Auskunft geben. Wann an dieser Stelle gege­be­nen­falls ein Lärm­sa­nie­rungs­pro­gramm durch­ge­führt werde, sei ihr derzeit nicht bekannt. Sie müsse dies noch klären.

Auch die Dauer der Bauar­beiten und die Auswir­kungen auf den Bahn­ver­kehr beschäf­tigten die Anwe­senden. Auf die Frage eines Bürgers nach der voraus­sicht­li­chen Bauzeit wurde ein Zeit­raum von drei Kalen­der­jahren genannt.

Dr. Peter Lemmen, lang­jäh­riges SPD-Mitglied des Gemein­de­rats, wollte wissen, wie lange die Bahn­strecke für die Bauar­beiten gesperrt werden müsse. Nach derzei­tigem Stand sei mit einer Unter­bre­chung des Bahn­ver­kehrs von voraus­sicht­lich zwei Wochen zu rechnen.

Umlei­tungen während der Bauzeit als zentrale Heraus­for­de­rung

Beson­ders große Sorgen bereitet vielen Bürgern die Verkehrs­füh­rung während der voraus­sicht­lich drei­jäh­rigen Bauzeit. Bürger­meister Böck machte deut­lich, dass die Bauar­beiten nur dann bewäl­tigt werden könnten, wenn der Verkehr weit­räumig um Ober­schleiß­heim herum­ge­leitet werde.

Damit wird die Umlei­tungs­pla­nung zu einer entschei­denden Voraus­set­zung für die prak­ti­sche Umset­zung des Vorha­bens. Wie diese im Einzelnen aussehen wird, muss im weiteren Planungs­ver­lauf geklärt werden.

Wie geht es nun weiter?

Für die weitere Planung wird das Staat­liche Bauamt Frei­sing feder­füh­rend sein. Auch die geplante Bewer­bung Münchens als Austra­gungsort Olym­pi­scher Spiele könnte für die zeit­liche Einord­nung des Projekts eine Rolle spielen.

Eine weitere Bürger­frage galt dem geplanten soge­nannten Voll­klee­blatt an der A92. Bürger­meister Böck erklärte, das Plan­fest­stel­lungs­ver­fahren für dieses Vorhaben sei rechts­kräftig. Nach den vorge­se­henen Ausschrei­bungen in den Jahren 2027 und 2028 könne mit dem Bau im Jahr 2029 gerechnet werden.

Die vorge­stellte Vorpla­nung eröffnet damit eine Perspek­tive für die Besei­ti­gung des Bahn­über­gangs an der B471. Die grund­sätz­liche Zustim­mung im Gemein­derat ist erkennbar. Ob und wie das Projekt umge­setzt werden kann, hängt jedoch wesent­lich davon ab, ob die noch offenen Fragen zur Grund­stücks­er­schlie­ßung, zum Lärm­schutz und zur Verkehrs­füh­rung während der Bauzeit zufrie­den­stel­lend geklärt werden können.

Der Gemein­derat stimmt der weiteren Planung zu

Schließ­lich stimmte der Gemein­derat dem Beschluss­vor­schlag der Verwal­tung zu – bei zwei Gegen­stimmen aus den Reihen der Grünen. Das Staat­liche Bauamt Frei­sing wird darin gebeten, „alle weiteren erfor­der­li­chen Maßnahmen zur Umset­zung der […] Planung einzu­leiten“.

Harald Müller

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1 Kommentar

  1. Der beste Verkehr ist gar kein Durch­fahrts­ver­kehr …
    Ob unser erster Bürger­meister recht behält — er bezwei­felt, dass es mehr wird — oder unser nach­weis­li­cher Fach­ex­perte Casimir Katz: „es werden mehr diese Route beim Stau auf der Auto­bahn nutzen“„ ist letzt­end­lich egal! Weniger wird‘s nicht!!!

    Und den Hinweis von Dr. Katz nehme ich gerne auf, dass ein schnell flie­ßender Verkehr („…die opti­male Geschwin­dig­keit liegt bei 60 km/h“) quali­tativ besser als ein Stau zu bewerten sei! Keine Sorge, das wird nicht passieren: wenn die Kreu­zung Sonnenstrasse/ B471 wie vorge­sehen mit einer Ampel­an­lage bleibt, bei der Einmün­dung Mitten­heimer Straße/ B471 eine weitere Ampel notwendig werden wird (sic!) und der Fuss­gänger- Überweg am Schloss eben­falls bleibt … wird‘s nicht viel schneller gehen, wie jetzt.

    Wie im Publikum gestern richtig bemerkt wurde: nur ein Gesamt­paket mit einem Klee­blatt und einer Umge­hungs­straße Feld­moching-Unter­schleiss­heim wird den „Schleich­ver­kehr“ nicht über­borden lassen!

    Und es wird eng, zeit­lich wie räum­lich: die Trog­höhe von 4,5 m ist nied­riger wie der Alla­cher Tunnel bei Rampen von ca. 60 m!
    Falls die Olym­pi­schen Spiele 2036 in München statt­finden sollten, muss bis Ende 2035 alles stehen … bei einer Bauzeit von 3 Jahren und einer Planungs- und Geneh­mi­gungs­phase wird‘s wirk­lich olym­pisch, von dem Wett­kampf um finan­zi­elle Mittel ganz zu schweigen!

    Einig müssten wir uns eigent­lich alle sein: gar kein Durch­gangs­ver­kehr wär halt die beste Vari­ante …

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