Tauschten sich in einer Podiumsdiskussion zur Frage „Kann der Landkreis Mental Health?“ aus (v. l. n. r.): Tobias Blenk, Leitender Psychotherapeut des Klinikbereichs München am kbo-Heckscher-Klinikum; Sarah Stadler, Leiterin des Referats „Kinder, Jugend und Familie“ im Landratsamt München; Stefan Ambrosi, Schulleiter der Johann-Andreas- Schmeller-Realschule Ismaning; Louisa Krebs, 1. Bezirksschülersprecherin der Gymnasien in Oberbayern-Ost; Martina Neubauer, Leiterin der Stabsstelle Kreisentwicklung; Bildungsinnovatorin Margret Rasfeld von „Schule im Aufbruch“ und Marcus Fink, Geschäftsführer des Kreisjugendrings München-Land. Foto LRA München

Krisen bewäl­tigen gelingt nicht allein

04.11.2026 | Landkreis, Familien, Kinder & Jugend | 0 Kommentare

Zweite Bildungs­kon­fe­renz des Land­kreises München nimmt psychi­sche Gesund­heit und Resi­lienz von Kindern und Jugend­li­chen in den Blick

Krisen und psychi­sche Belas­tungen gehören für viele Kinder und Jugend­liche zuneh­mend zum Alltag. Wie gut junge Menschen damit umgehen können, hängt jedoch nicht allein von ihrer persön­li­chen Wider­stands­kraft ab. Sie brau­chen verläss­liche Bezie­hungen, Unter­stüt­zung und die Möglich­keit, ihr Umfeld mitzu­ge­stalten. Diese Erkenntnis stand im Mittel­punkt der zweiten Bildungs­kon­fe­renz des Land­kreises München am 26. Oktober 2026 im Berufs­in­for­ma­ti­ons­zen­trum München.

Unter dem Titel „Krise als Normal­zu­stand? Resi­lienz reloaded – was brau­chen Kinder und Jugend­liche im Land­kreis München heute?“ disku­tierten Fach­leute aus Bildung, Jugend­hilfe und Kinder- und Jugend­psych­ia­trie gemeinsam mit jungen Menschen darüber, was ein psychisch gesundes Aufwachsen unter­stützt und welche Verant­wor­tung dabei die verschie­denen Systeme tragen.

Resi­lienz braucht Unter­stüt­zung

Tobias Blenk, Leitender Psycho­the­ra­peut des Klinik­be­reichs München am kbo- Heck­scher-Klinikum, beschrieb Resi­lienz als „Immun­system der Seele“. Ange­sichts zuneh­mender psychi­scher Belas­tungen komme es darauf an, die seeli­sche Wider­stands­kraft von Kindern und Jugend­li­chen zu stärken. Sie helfe dabei, schwie­rige Situa­tionen zu bewäl­tigen und hand­lungs­fähig zu bleiben.
Margret Rasfeld von „Schule im Aufbruch“ bezeich­nete Entfrem­dung als zentrales gesell­schaft­li­ches Problem. Kinder erlebten zuneh­mend eine orga­ni­sierte Kind­heit mit weniger Auto­nomie und echten Erfah­rungs­räumen.
Darin liege das Paradox moderner Kind­heit: Trotz wach­sender Fürsorge erhielten sie immer weniger Möglich­keiten, ihr Leben selbst zu gestalten. Rasfeld betonte, dass Bezie­hung, Verbun­den­heit und Empa­thie entschei­dend seien.

Die Perspek­tive der Jugend­li­chen einbe­ziehen

Chiara Wacker­mann aus dem Arbeits­kreis „Stimme der Jugend“ machte deut­lich, dass Jugend­liche heute vielen Belas­tungen und Krisen gleich­zeitig ausge­setzt sind. Sie bräuchten deshalb im „Krisen­regen“ erlernte „Regen­schirme“, die ihnen helfen, mit schwie­rigen Situa­tionen umzu­gehen. Die Jugend­be­fra­gung im Land­kreis München zeige zugleich, dass die Zuver­sicht junger Menschen abnimmt. Für Wacker­mann ist Resi­lienz deshalb keine rein indi­vi­du­elle Leis­tung. Sie entstehe auch durch soziale Verbun­den­heit, Betei­li­gung und verläss­liche Struk­turen. Entschei­dend sei die Frage, wie junge Menschen so unter­stützt werden können, dass sie Belas­tungen nicht allein bewäl­tigen müssen. Auch Jugend­amts­lei­terin Sarah Stadler betonte die Bedeu­tung von Zusam­men­ar­beit. Das Jugendamt sei in Krisen­si­tua­tionen häufig eine der ersten Anlauf­stellen. Um komplexe Situa­tionen zu verstehen, brauche es unter­schied­liche Perspek­tiven und den Willen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, statt sich allein auf Diagnosen oder Problem­be­schrei­bungen zu konzen­trieren. „Nicht jeder muss alles können – und wir sind mit den Heraus­for­de­rungen nicht allein“, sagte Stadler. Entschei­dend sei, die eigenen Grenzen anzu­er­kennen, die Kompe­tenzen anderer einzu­be­ziehen und trag­fä­hige Netz­werke aufzu­bauen. Denn gerade in Krisen zeige sich, wie wichtig eine verläss­liche Zusam­men­ar­beit und das gemein­same Entwi­ckeln von Lösungen sind.

Mehr Raum für Betei­li­gung
In der Podi­ums­dis­kus­sion „Kann der Land­kreis Mental Health?“ sprach sich Stadler dafür aus, Jugend­be­tei­li­gung auf kommu­naler Ebene stärker zu veran­kern. Dabei müssten auch dieje­nigen erreicht werden, die bislang kaum Zugang zu Betei­li­gungs­for­maten haben. Auch die Verwal­tung müsse neue Wege finden, junge Menschen und ihre Sicht­weisen einzu­be­ziehen.
Louisa Krebs, 1. Bezirks­schü­ler­spre­cherin der Gymna­sien in Ober­bayern-Ost, lenkte den Blick auf den Schul­alltag. Schü­le­rinnen und Schüler müssten dort ständig Fragen beant­worten und Prüfungen bestehen. Gleich­zeitig brauche es mehr Räume, in denen sie selbst gefragt werden, was sie inter­es­siert und beschäf­tigt. Junge Menschen sollten Gele­gen­heit haben, eigene Fragen zu
stellen und ihre Lebens­welt mitzu­ge­stalten.

Austausch soll weiter­wirken
Beim abschlie­ßenden „Markt der guten Praxis“ präsen­tierten Akteure aus dem Land­kreis ihre Ange­bote und Projekte. Zugleich bot sich Gele­gen­heit, bestehende Kontakte zu vertiefen und neue Verbin­dungen zwischen Bildung, Jugend­hilfe und Gesund­heit zu knüpfen.

Chris­tina Sommer

Land­ratsamt München

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