Flötenkonzert und Kaffekantate von Johann Sebastian Bach
Die Idee, das Münchner Bach-Fest 2025 auch nach Oberschleißheim auszudehnen, kam wohl von Kirchenmusikerin und Organistin Ursula Kaupert. Dafür fand sich ein sehr überzeugendes Ensemble zusammen: Doris Rohe (Sopran), Martin Danes (Bass), Wolfgang Antesberger (Tenor), Martina Wester (Flöte), Raya Gronkova (Violine 1), Ursula Bongard (Violine 2), Thomas Zeitlhöfler (Viola), Eckhard Sturm (Cello), Günter Holzhausen (Kontrabass), Ursula Kaupert (Spinett und musikalische Leitung).
Zum Auftakt gab es ein schönes Flötenkonzert in C‑Dur nach einer Bachschen Flötensonate. Brillant an der Querflöte Martina Wester, die der Trinitatiskirche schon lange auch musikalisch verbunden ist.


Dann stritten sich in der Kaffeekantate Tochter Lieschen und Vater Schlendrian darüber, ob sie nun Kaffee trinken dürfe oder nicht. Das Werk entstand in den 1730er-Jahren und ist eine Ausnahme unter den sonst meist kirchlichen Kantaten von Bach. Dementsprechend wurde es nicht in einer Kirche, sondern in einem Leipziger Caféhaus uraufgeführt.
Damals gab es den Kaffee nördlich der Alpen erst seit rund 100 Jahren. Er war noch kein Alltagsgetränk, sondern eine Art Luxusgut, aber auch bei den Damen offenbar schon sehr beliebt. Der Vater findet das schädlich und überflüssig. Zumal der gemeinsame Kaffeegenuss zum Plaudern verführe. Das kann gefährlich werden. Darum hat die Kantate auch den Titel “Schweiget stille — plaudert nicht”.
Die Tochter solle also das Kaffeetrinken sein lassen, sonst kriege sie auch keinen Ehemann. In den damaligen Zeiten war ein Ehemann mehr oder weniger die einzige Versorgungsquelle für eine Frau. Lieschen will auch einen. Also gibt sie erstmal nach. Aber dann doch nicht wirklich. Denn ließe sich nicht im Rahmen einer Ehevereinbarung wunderbar regeln, dass die Gattin auch Kaffee trinken darf? Das Schluss-Terzett klang jedenfalls wieder sehr harmonisch.
Klangvoll und ausdrucksstark vorgetragen wurde dieser komische musikalische Dialog von Doris Rohe als Tochter und Martin Danes als Vater. Wolfgang Antesberger sorgte als Erzähler dafür, dass man den Faden nicht verlor.
Passend zum Werk gab es für das Ensemble zum Dank statt Blümchen Kaffee. Pfarrerin Martina Buck würdigte in ihren Begleitworten, wieviel Vorbereitung und Probenarbeit hinter dieser gelungenen Aufführung steckte. Der Schluss-Applaus in der gut gefüllten Trinitatiskirche wollte gar kein Ende nehmen.
Andrea Wörle




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