Das Leben des “Blauen Königs” Maximilian II Emanuel von der Wiege bis zur Bahre
Auf dass der Ruhm des Kurfürsten Maximilian II Emanuel von Bayern (1662 — 1726) aus dem Geschlecht der Wittelsbacher, niemals vergehen möge, stellte der Militärhistoriker, Buchautor und Experimentalarchäologe Dr. Marcus Junkelmann vergangenen Mittwoch im Oberschleißheimer Bürgerhaus in einer lebendigen Hommage an den schillernden Monarchen, dessen Leben von der Geburt bis zum Tod dar. Anlass war der 300.Todestag des “Blauen-Königs”.


Junkelmann studierte Anglistik, Neue, Alte und Mittlere Geschichte und wurde mit seiner Doktorarbeit zu dem Thema “Kurfürst Max Emanuel von Bayern als Feldherr” promoviert. Nicht verwunderlich, denn bis zu seinem 16. Lebensjahr wuchs der Historiker auf Schloss Lustheim in Oberschleißheim auf — ausgerechnet an jenem Ort, an dem sich der Geist des Wittelsbachers besonders manifestierte — in einem “Laboratorium” für Kunst und Lebensart des Genuss-und Machtmenschen Max Emanuel.
“Ich könnte die ganze Nacht zum heutigen Thema sprechen” scherzte Junkelmann zu Beginn der Veranstaltung, doch die Zuschauerinnen und Zuschauer im vollbesetzten Bürgersaal mussten sich dann doch nur mit einem vierstündigen Festabend zufrieden geben.
Kurfürst Maximilian II Emanuel von Bayern, auch der “Blaue König” genannt
Maximilian Emanuel Ludwig Maria Joseph Kajetan Anton Nikolaus Franz Ignaz Felix von Wittelsbach kam als ältester Sohn des Kurfürstenpaares Ferdinand Maria und Henriette Adelaide in München Welt. Als Dankesbeweis für die lang ersehnte Geburt des Thronfolgers ließ das Kurfürstenpaar die Theatinerkirche errichten, wo die Kurfürstenfamilie auch heute noch in schlichten Zinnsärgen beigesetzt liegt.
Die Erwartungshaltung an den Thronfolger Max Emanuel war groß. So entwickelte er sich durch die Erziehung seiner Mutter Henriette Adelaide, einer savoyischen Prinzessin, zu einer sehr gebildeten und ehrgeizigen Persönlichkeit. Sein musisches Talent, sein exquisiter Geschmack und Stil, seine polyglotten Fähigkeiten (er sprach fließend 4 Sprachen), überbordende Männlichkeit mit Maitressenwirtschaft während seiner zwei Ehen, sein persönlicher Regierungsstil, sein stetes Streben nach der Königs-und Kaiserkrone machten ihn zu einem der berühmtesten Macht-und Genussmenschen seiner Zeit.
In seinen Kriegen und Schlachten erwarb sich Max Emanuel den Ruf eines unerschrockenen Feldherrn, der an vorderster Front mitkämpfte. Auf dem Schlachtfeld trat er immer in einem blauen Gehrock und einer blauen Schärpe in Erscheinung, was ihm den Namen “Blauer König” einbrachte. Auch soll er während der Waffenruhe im Feldlager auf seiner Bass-Viola da Gamba gespielt haben.
Für seine Heimat Bayern hatte er prägende Bedeutung. In Oberschleißheim erbaute er das Schloss Lustheim und das Neue Schloss Schleißheim. Die prächtige Ausgestaltung des Neuen Schlosses, die sich an Versailles orientierte, sollte Maximilians Anspruch auf Macht und die Kaiserwürde unterstreichen, denn der ambitionierte junge Kurfürst wünschte sich nichts sehnlicher als die Königs-und Kaiserwürde zu erlangen. Doch dazu kam es nie, wie wir wissen, und er musste sich mit den Beinamen “Seine Kurfürstliche Durchlaucht Maximilian II Emanuel von Gottes Gnade im Oberen und Niederen Bayern, auch in der Oberen Pfalz Herzog, Pfalzgraf bei Rhein, des Heiligen Römischen Reiches Erztruchseß und Kurfürst, Landgraf von Leuchtenberg” begnügen. Mit nur 17 Jahren wurde Max Emanuel zum Vollwaisen, bestieg mit 18 Jahren den Kurfürstenthron und regierte in Bayern mit kurzer Exilunterbrechung 46 Jahre lang.


Das Hochaltargemälde von Antonio Zanchi (Bild rechts), welches Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde, zeigte die kurfürstliche Familie um den Thronfolger Max Emanuel. Unten im Gemälde bringen die beiden Erbauer der Theatinerkirche, Agostini Barelli und Enrico Zuccalli ein Modell der Kirche der kurfürstlichen Familie dar. Die St. Kajetan Theatinerkirche wurde von 1663 bis 1692 erbaut. Francois Cuvillies übernahm dann von 1765 bis 1768 die Fassadengestaltung.


Pauken und Trompeten, Glockenläuten und Kanonenschüsse — eine Veranstaltung, wie sie Oberschleißheim noch nicht erlebt hat
Den vom Gewerbeverband Oberschleißheim und von der Volkshochschule unterstützten Festakt gestaltete Junkelmann als Hommage an den Bayerischen Kurfürsten, der in seinen Augen die Königswürde absolut verdient hätte. Im Mittelpunkt standen Max Emanuels politische und militärische Laufbahn, seine zahlreichen Schlachten sowie seine prägende Bedeutung für Bayern.
Mit Schauspielszenen, Musik, Kanonenschüssen und Darstellungen barocker Figuren verstand es Junkelmann die vielen historischen Informationen für die Zuschauer lebendig und kurzweilig zu halten. Höhepunkte des Abends waren die Szenen mit Max Emanuel (dargestellt von Thomas Leicht), sowie der Auftritt der geflügelten Siegesgöttin Victoria, die sich mit einer Trompete in die Göttin Fama verwandeln kann (dargestellt von Doris Rohe).

Mit “wandelnden” Fahnen stellte Dr. Marcus Junkelmann die jeweiligen Allianzen bei Max Emanuels Schlachten dar.






Die Vorsitzende des Gewerbeverbands Gönke Klar bedankte sich am Ende des Festaktes bei allen Darstellern für ihren großen Einsatz, mit dem der „Blaue König“ für einige Stunden lebendig geworden war. Alle drei Hauptakteure beim Festabend bedachte sie mit einer Flasche “Blauer Kurfürst” aus der Schlossbrennerei des Kurfürstlichen Obstgartens zu Schleißheim.

Schirmherr des Festaktes im Bürgerhaus war 1. Bürgermeister Markus Böck. Eigentlich sollte Böck an demselben Tag, zur selben Stunde, bei einer hochkarätigen Veranstaltung im Neuen Schloss Schleißheim anwesend sein, “doch für den Max-Emanuel-Festabend habe ich im Schloss alles stehen und liegen lassen und bin hierher in den Bürgersaal geeilt”, sagte Böck bei seiner Ansprache und bedankte sich bei Dr. Marcus Junkelmann für die Idee und Ausführung des Festaktes.
Text und Bilder Ingrid Lindbüchl





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