Fotomontage mit den Hauptmarken des Festaktes zum 300.Todestag des "Blauen Königs" mit dem pathetischen lateinischen Ausspruch "Sic transit gloria mundi". Fotos alle privat

Sic transit gloria mundi — So vergeht der Ruhm der Welt!

23.09.2026 | Bühne, Schlösser & Museen, Veranstaltungen, Kultur & Geschichte, Persönlichkeiten | 0 Kommentare

Das Leben des “Blauen Königs” Maxi­mi­lian II Emanuel von der Wiege bis zur Bahre

Auf dass der Ruhm des Kurfürsten Maxi­mi­lian II Emanuel von Bayern (1662 — 1726) aus dem Geschlecht der Wittels­ba­cher, niemals vergehen möge, stellte der Mili­tär­his­to­riker, Buch­autor und Expe­ri­men­tal­ar­chäo­loge Dr. Marcus Junkel­mann vergan­genen Mitt­woch im Ober­schleiß­heimer Bürger­haus in einer leben­digen Hommage an den schil­lernden Monar­chen, dessen Leben von der Geburt bis zum Tod dar. Anlass war der 300.Todestag des “Blauen-Königs”.

Dr. Marcus Sylvester Junkel­mann ist 77 Jahre alt und hat in seiner Zeit als Histo­riker, Expe­ri­men­tal­ar­chäo­loge und Dozent schon viele legen­däre histo­ri­sche Veran­stal­tungen auf die Beine gestellt. So auch am vergan­genen Mitt­woch mit einem großen Festakt im Bürger­saal in Ober­schleiß­heim, unter dem Titel: “Max Emanuel — Bayerns “Blauer König” zwischen Schlacht­feld und Schloss.
Das Skript für den Abend hatte über 70 Seiten, die Junkel­mann mit einer bewun­derns­werter Ausdauer und Begeis­te­rung zwischen den Schau­spiel­szenen vortrug.

Junkel­mann studierte Anglistik, Neue, Alte und Mitt­lere Geschichte und wurde mit seiner Doktor­ar­beit zu dem Thema “Kurfürst Max Emanuel von Bayern als Feld­herr” promo­viert. Nicht verwun­der­lich, denn bis zu seinem 16. Lebens­jahr wuchs der Histo­riker auf Schloss Lust­heim in Ober­schleiß­heim auf — ausge­rechnet an jenem Ort, an dem sich der Geist des Wittels­ba­chers beson­ders mani­fes­tierte — in einem “Labo­ra­to­rium” für Kunst und Lebensart des Genuss-und Macht­men­schen Max Emanuel.

“Ich könnte die ganze Nacht zum heutigen Thema spre­chen” scherzte Junkel­mann zu Beginn der Veran­stal­tung, doch die Zuschaue­rinnen und Zuschauer im voll­be­setzten Bürger­saal mussten sich dann doch nur mit einem vier­stün­digen Fest­abend zufrieden geben.

Kurfürst Maxi­mi­lian II Emanuel von Bayern, auch der “Blaue König” genannt

Maxi­mi­lian Emanuel Ludwig Maria Joseph Kajetan Anton Niko­laus Franz Ignaz Felix von Wittels­bach kam als ältester Sohn des Kurfürs­ten­paares Ferdi­nand Maria und Henri­ette Adelaide in München Welt. Als Dankes­be­weis für die lang ersehnte Geburt des Thron­fol­gers ließ das Kurfürs­ten­paar die Thea­ti­ner­kirche errichten, wo die Kurfürs­ten­fa­milie auch heute noch in schlichten Zinn­särgen beigesetzt liegt.

Die Erwar­tungs­hal­tung an den Thron­folger Max Emanuel war groß. So entwi­ckelte er sich durch die Erzie­hung seiner Mutter Henri­ette Adelaide, einer savoy­ischen Prin­zessin, zu einer sehr gebil­deten und ehrgei­zigen Persön­lich­keit. Sein musi­sches Talent, sein exqui­siter Geschmack und Stil, seine poly­glotten Fähig­keiten (er sprach flie­ßend 4 Spra­chen), über­bor­dende Männ­lich­keit mit Maitres­sen­wirt­schaft während seiner zwei Ehen, sein persön­li­cher Regie­rungs­stil, sein stetes Streben nach der Königs-und Kaiser­krone machten ihn zu einem der berühm­testen Macht-und Genuss­men­schen seiner Zeit.

In seinen Kriegen und Schlachten erwarb sich Max Emanuel den Ruf eines uner­schro­ckenen Feld­herrn, der an vorderster Front mitkämpfte. Auf dem Schlacht­feld trat er immer in einem blauen Gehrock und einer blauen Schärpe in Erschei­nung, was ihm den Namen “Blauer König” einbrachte. Auch soll er während der Waffen­ruhe im Feld­lager auf seiner Bass-Viola da Gamba gespielt haben.

Für seine Heimat Bayern hatte er prägende Bedeu­tung. In Ober­schleiß­heim erbaute er das Schloss Lust­heim und das Neue Schloss Schleiß­heim. Die präch­tige Ausge­stal­tung des Neuen Schlosses, die sich an Versailles orien­tierte, sollte Maxi­mi­lians Anspruch auf Macht und die Kaiser­würde unter­strei­chen, denn der ambi­tio­nierte junge Kurfürst wünschte sich nichts sehn­li­cher als die Königs-und Kaiser­würde zu erlangen. Doch dazu kam es nie, wie wir wissen, und er musste sich mit den Beinamen “Seine Kurfürst­liche Durch­laucht Maxi­mi­lian II Emanuel von Gottes Gnade im Oberen und Niederen Bayern, auch in der Oberen Pfalz Herzog, Pfalz­graf bei Rhein, des Heiligen Römi­schen Reiches Erztruchseß und Kurfürst, Land­graf von Leuch­ten­berg” begnügen. Mit nur 17 Jahren wurde Max Emanuel zum Voll­waisen, bestieg mit 18 Jahren den Kurfürs­ten­thron und regierte in Bayern mit kurzer Exil­un­ter­bre­chung 46 Jahre lang.

Die Thea­ti­ner­kirche am Odeons­platz ist auch heute noch ein Wahr­zei­chen der “Resi­denz­stadt” München.
Die große Kuppel der Thea­ti­ner­kirche von innen
Das Hoch­al­tar­ge­mälde von Antonio Zanchi (Bild rechts), welches Ende des Zweiten Welt­kriegs zerstört wurde, zeigte die kurfürst­liche Familie um den Thron­folger Max Emanuel. Unten im Gemälde bringen die beiden Erbauer der Thea­ti­ner­kirche, Agos­tini Barelli und Enrico Zuccalli ein Modell der Kirche der kurfürst­li­chen Familie dar. Die St. Kajetan Thea­ti­ner­kirche wurde von 1663 bis 1692 erbaut. Fran­cois Cuvil­lies über­nahm dann von 1765 bis 1768 die Fassa­den­ge­stal­tung.

In der Wittels­ba­cher Fami­li­en­gruft liegt der “Blaue König” im schlichten Zinn­sarg neben seinen Eltern beigesetzt. Kurfürst Maxi­mi­lian II Emanuel von Bayern starb vor 300 Jahren am 17. Februar 1726 in München.
Von diesem Hoch­al­tar­ge­mälde von Antonio Zanchi exis­tieren leider nur noch Abbil­dungen

Pauken und Trom­peten, Glocken­läuten und Kano­nen­schüsse — eine Veran­stal­tung, wie sie Ober­schleiß­heim noch nicht erlebt hat

Den vom Gewer­be­ver­band Ober­schleiß­heim und von der Volks­hoch­schule unter­stützten Festakt gestal­tete Junkel­mann als Hommage an den Baye­ri­schen Kurfürsten, der in seinen Augen die Königs­würde absolut verdient hätte. Im Mittel­punkt standen Max Emanuels poli­ti­sche und mili­tä­ri­sche Lauf­bahn, seine zahl­rei­chen Schlachten sowie seine prägende Bedeu­tung für Bayern.

Mit Schau­spiel­szenen, Musik, Kano­nen­schüssen und Darstel­lungen baro­cker Figuren verstand es Junkel­mann die vielen histo­ri­schen Infor­ma­tionen für die Zuschauer lebendig und kurz­weilig zu halten. Höhe­punkte des Abends waren die Szenen mit Max Emanuel (darge­stellt von Thomas Leicht), sowie der Auftritt der geflü­gelten Sieges­göttin Victoria, die sich mit einer Trom­pete in die Göttin Fama verwan­deln kann (darge­stellt von Doris Rohe).

Mit “wandelnden” Fahnen stellte Dr. Marcus Junkel­mann die jewei­ligen Alli­anzen bei Max Emanuels Schlachten dar.

Doris Rohe als geflü­gelte Göttin Fama, die den Ruhm und Erfolg des Kurfürsten auf dem Schlacht­feld verkündet
Und als Sieges­göttin Victoria mit Lorbeer­kranz und Palm­wedel als Zeichen des Sieges und des ewigen Ruhms

Die Pauken, Trom­peten und Hörner des Barock- Ensem­bles Schleiß­heim, unter der Leitung von Doris Rohe, unter­malten mit drama­ti­schen Musik­ein­lagen die verschie­denen Szenen auf der Bühne

Die Vorsit­zende des Gewer­be­ver­bands Gönke Klar bedankte sich am Ende des Fest­aktes bei allen Darstel­lern für ihren großen Einsatz, mit dem der „Blaue König“ für einige Stunden lebendig geworden war. Alle drei Haupt­ak­teure beim Fest­abend bedachte sie mit einer Flasche “Blauer Kurfürst” aus der Schloss­bren­nerei des Kurfürst­li­chen Obst­gar­tens zu Schleiß­heim.

Schluss­bild nach der vier­stün­digen “Max- Emanuel- Show” im Bürger­saal Ober­schleiß­heim

Schirm­herr des Fest­aktes im Bürger­haus war 1. Bürger­meister Markus Böck. Eigent­lich sollte Böck an demselben Tag, zur selben Stunde, bei einer hoch­ka­rä­tigen Veran­stal­tung im Neuen Schloss Schleiß­heim anwe­send sein, “doch für den Max-Emanuel-Fest­abend habe ich im Schloss alles stehen und liegen lassen und bin hierher in den Bürger­saal geeilt”, sagte Böck bei seiner Ansprache und bedankte sich bei Dr. Marcus Junkel­mann für die Idee und Ausfüh­rung des Fest­aktes.

Text und Bilder Ingrid Lind­büchl

Bild und Beschrif­tung von Renate Wagner

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