Offener Brief des 1. Bürgermeisters Markus Böck
Liebe Oberschleißheimerinnen und Oberschleißheimer,
Ehrlichkeit, Transparenz und Verantwortungsbewusstsein sind für mich die Grundlage eines jeden politischen Prozesses – im Sinne des Gemeinwohls und der langfristigen Handlungsfähigkeit unserer Gemeinde.
Vor diesem Hintergrund fällt die Diskussion um die mögliche Schließung unseres kommunalen Hallenbades niemandem leicht – mir persönlich ebenso wenig wie dem Gemeinderat.
Wie viele Menschen in unserer Gemeinde habe auch ich in diesem Bad schwimmen gelernt. Gerade deshalb ist mir dieses Thema ein besonderes Anliegen und ich betrachte es ausdrücklich als Chefsache. Mir ist sehr bewusst, welche emotionale und gesellschaftliche Bedeutung das Hallenbad für viele hat – insbesondere für das Schwimmenlernen unserer Kinder, den Schul- und Vereinssport sowie das ehrenamtliche Engagement.
Dass Kinder schwimmen lernen müssen, steht für mich außer Frage. Schwimmen ist keine Freizeitfrage, sondern eine lebenswichtige Fähigkeit. Diese Verantwortung nehmen wir sehr ernst. Zudem ist Schwimmen eine der gesündesten Sportarten überhaupt und leistet einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung aller Altersgruppen.
Gleichzeitig sind wir als Gemeinde verpflichtet, ehrlich und verantwortungsvoll mit den Fakten umzugehen. Verwaltung, Gemeinderat und ich haben die Situation in den vergangenen Monaten intensiv geprüft. Zahlen wurden mehrfach analysiert, verschiedene Szenarien durchgerechnet und Einspar- sowie Kooperationsmodelle untersucht. Ich habe zudem Gespräche mit umliegenden Kommunen geführt, um interkommunale Lösungen auszuloten. Für den Worst Case wurden bereits mögliche Ausweichlösungen geprüft.
Ergänzend hat der Gemeinderat mehrheitlich beschlossen, eine zusätzliche Arbeitsgruppe aus Gemeinderat, Verwaltung und DLRG einzurichten. Diese prüft derzeit ergebnisoffen alle realistischen Handlungsoptionen.
Aktuell liegen folgende Zahlen unserer Finanzverwaltung vor:
Im Jahr 2025 beliefen sich die laufenden Ausgaben für Betrieb und Erhalt des Hallenbades auf rund 728.000 Euro. Dem standen Einnahmen von etwa 220.000 Euro gegenüber. Diese beeinhalten sämtliche Eintrittsgelder sowie Beiträge externer Nutzer wie Schulen, Vereine, Schwimmkurse, Aquafitness, Tauchschulen und die DLRG.
Daraus ergibt sich ein jährliches strukturelles Defizit von rund 500.000 Euro, das vollständig aus dem Gemeindehaushalt und damit von allen Bürgerinnen und Bürgern Oberschleißheims getragen werden muss.
Nach unseren Berechnungen nutzen rund 500 Einzelpersonen das Bad regelmäßig zum Schwimmen. Hinzu kommen unsere Schulen, zahlreiche Schülerinnen und Schüler aus dem Umland sowie externe Vereine und Anbieter. Eine drastische Erhöhung der Eintrittspreise oder der Nutzungsgebühren zur Kostendeckung wäre weder sozial vertretbar noch realistisch.
Zudem ist absehbar, dass in den kommenden Jahren erhebliche Investitionen notwendig werden. Gebäude und Technik sind über 50 Jahre alt; Art und Umfang der erforderlichen Maßnahmen lassen sich derzeit noch nicht seriös beziffern. Klar ist jedoch, dass diese zusätzlichen Kosten das bestehende Defizit weiter deutlich erhöhen würden – zulasten anderer wichtiger Aufgaben wie Schulen, Kitas oder der kommunalen Infrastruktur.
Trotzdem möchte ich ausdrücklich betonen: Alle Chancen werden geprüft, und nichts bleibt unversucht. Niemand möchte das Hallenbad schließen, wenn ein finanziell tragfähiger Betrieb möglich ist.
Insgesamt geht es um eine verantwortungsvolle Abwägung zwischen den finanziellen Möglichkeiten unserer Gemeinde und den wichtigen Bedürfnissen von Kindern, Familien, Vereinen und Ehrenamtlichen. Gemeinderat und Verwaltung sind sich der Tragweite dieser Entscheidung bewusst und werden sie gemeinsam sorgfältig und verantwortungsvoll treffen – wie auch immer sie ausfallen wird.
Mir ist bewusst, dass dieses Thema mitten im Kommunalwahlkampf besonders sensibel ist. Unbequeme Entscheidungen aufzuschieben wäre sicher einfacher, aber weder ehrlich noch verantwortungsvoll.
Gerade jetzt ist es wichtig, diese Frage nicht zu instrumentalisieren oder emotional aufzuladen, sondern offen und sachlich zu diskutieren. Das erwarte ich von allen Beteiligten – unabhängig von wahltaktischen Überlegungen.
Markus Böck
Erster Bürgermeister



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