Unser Hallenbad — eine schwie­rige aber notwen­dige Diskus­sion

22.01.2026 | Kommunalwahl 2026, Rathaus | 0 Kommentare

Offener Brief des 1. Bürger­meis­ters Markus Böck

Liebe Ober­schleiß­hei­me­rinnen und Ober­schleiß­heimer, 

Ehrlich­keit, Trans­pa­renz und Verant­wor­tungs­be­wusst­sein sind für mich die Grund­lage eines jeden poli­ti­schen Prozesses – im Sinne des Gemein­wohls und der lang­fris­tigen Hand­lungs­fä­hig­keit unserer Gemeinde.

Vor diesem Hinter­grund fällt die Diskus­sion um die mögliche Schlie­ßung unseres kommu­nalen Hallen­bades niemandem leicht – mir persön­lich ebenso wenig wie dem Gemein­derat.

Wie viele Menschen in unserer Gemeinde habe auch ich in diesem Bad schwimmen gelernt. Gerade deshalb ist mir dieses Thema ein beson­deres Anliegen und ich betrachte es ausdrück­lich als Chef­sache. Mir ist sehr bewusst, welche emotio­nale und gesell­schaft­liche Bedeu­tung das Hallenbad für viele hat – insbe­son­dere für das Schwim­men­lernen unserer Kinder, den Schul- und Vereins­sport sowie das ehren­amt­liche Enga­ge­ment.

Dass Kinder schwimmen lernen müssen, steht für mich außer Frage. Schwimmen ist keine Frei­zeit­frage, sondern eine lebens­wich­tige Fähig­keit. Diese Verant­wor­tung nehmen wir sehr ernst. Zudem ist Schwimmen eine der gesün­desten Sport­arten über­haupt und leistet einen wich­tigen Beitrag zur Gesund­erhal­tung aller Alters­gruppen.

Gleich­zeitig sind wir als Gemeinde verpflichtet, ehrlich und verant­wor­tungs­voll mit den Fakten umzu­gehen. Verwal­tung, Gemein­derat und ich haben die Situa­tion in den vergan­genen Monaten intensiv geprüft. Zahlen wurden mehr­fach analy­siert, verschie­dene Szena­rien durch­ge­rechnet und Einspar- sowie Koope­ra­ti­ons­mo­delle unter­sucht. Ich habe zudem Gespräche mit umlie­genden Kommunen geführt, um inter­kom­mu­nale Lösungen auszu­loten. Für den Worst Case wurden bereits mögliche Ausweich­lö­sungen geprüft.

Ergän­zend hat der Gemein­derat mehr­heit­lich beschlossen, eine zusätz­liche Arbeits­gruppe aus Gemein­derat, Verwal­tung und DLRG einzu­richten. Diese prüft derzeit ergeb­nis­offen alle realis­ti­schen Hand­lungs­op­tionen.

Aktuell liegen folgende Zahlen unserer Finanz­ver­wal­tung vor:

Im Jahr 2025 beliefen sich die laufenden Ausgaben für Betrieb und Erhalt des Hallen­bades auf rund 728.000 Euro. Dem standen Einnahmen von etwa 220.000 Euro gegen­über. Diese beein­halten sämt­liche Eintritts­gelder sowie Beiträge externer Nutzer wie Schulen, Vereine, Schwimm­kurse, Aqua­fit­ness, Tauch­schulen und die DLRG.

Daraus ergibt sich ein jähr­li­ches struk­tu­relles Defizit von rund 500.000 Euro, das voll­ständig aus dem Gemein­de­haus­halt und damit von allen Bürge­rinnen und Bürgern Ober­schleiß­heims getragen werden muss.

Nach unseren Berech­nungen nutzen rund 500 Einzel­per­sonen das Bad regel­mäßig zum Schwimmen. Hinzu kommen unsere Schulen, zahl­reiche Schü­le­rinnen und Schüler aus dem Umland sowie externe Vereine und Anbieter. Eine dras­ti­sche Erhö­hung der Eintritts­preise oder der Nutzungs­ge­bühren zur Kosten­de­ckung wäre weder sozial vertretbar noch realis­tisch.

Zudem ist absehbar, dass in den kommenden Jahren erheb­liche Inves­ti­tionen notwendig werden. Gebäude und Technik sind über 50 Jahre alt; Art und Umfang der erfor­der­li­chen Maßnahmen lassen sich derzeit noch nicht seriös bezif­fern. Klar ist jedoch, dass diese zusätz­li­chen Kosten das bestehende Defizit weiter deut­lich erhöhen würden – zulasten anderer wich­tiger Aufgaben wie Schulen, Kitas oder der kommu­nalen Infra­struktur.

Trotzdem möchte ich ausdrück­lich betonen: Alle Chancen werden geprüft, und nichts bleibt unver­sucht. Niemand möchte das Hallenbad schließen, wenn ein finan­ziell trag­fä­higer Betrieb möglich ist.

Insge­samt geht es um eine verant­wor­tungs­volle Abwä­gung zwischen den finan­zi­ellen Möglich­keiten unserer Gemeinde und den wich­tigen Bedürf­nissen von Kindern, Fami­lien, Vereinen und Ehren­amt­li­chen. Gemein­derat und Verwal­tung sind sich der Trag­weite dieser Entschei­dung bewusst und werden sie gemeinsam sorg­fältig und verant­wor­tungs­voll treffen – wie auch immer sie ausfallen wird.

Mir ist bewusst, dass dieses Thema mitten im Kommu­nal­wahl­kampf beson­ders sensibel ist. Unbe­queme Entschei­dungen aufzu­schieben wäre sicher einfa­cher, aber weder ehrlich noch verant­wor­tungs­voll. 

Gerade jetzt ist es wichtig, diese Frage nicht zu instru­men­ta­li­sieren oder emotional aufzu­laden, sondern offen und sach­lich zu disku­tieren. Das erwarte ich von allen Betei­ligten – unab­hängig von wahl­tak­ti­schen Über­le­gungen.

Markus Böck

Erster Bürger­meister

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