Hallenbad und Hunde­steuer: die Debatte um den Haus­halt der Gemeinde Ober­schleiß­heim nimmt Fahrt auf

18.12.2025 | Rathaus | 1 Kommentar

Aus dem Gemein­derat

Dass es im kommu­nalen Verwal­tungs­haus­halt der Gemeinde Ober­schleiß­heim ein 3‑Mil­lionen-Loch zu stopfen gilt und was die Ursache dafür ist, das ist seit dem Offenen Brief von Bürger­meister Markus Böck und der Bürger­ver­samm­lung im November bekannt. Wir haben berichtet. Dass es — erfreu­li­cher­weise — 1,4 Mio Euro staat­liche Zuwei­sungen gibt, ändert daran nichts, denn dieses Geld ist nicht für den Verwal­tungs­haus­halt, sondern für zukünf­tige Inves­ti­tionen vorge­sehen.

Derzeit liegt der Haus­halts­ent­wurf beim Finanz­aus­schuss. Im nächsten Jahr wird er im Gemein­derat verhan­delt. Bis zum März muss ein neuer geneh­mi­gungs­fä­higer Haus­halt vorliegen, der Einspar­maß­nahmen enthalten wird. Gleich­zeitig sollen möglichst die Einnahmen gestei­gert werden. Diese Situa­tion prägte auch die Tages­ord­nung der letzten Gemein­de­rats­sit­zung des Jahres vom 17.12. 25.

Grund­steuer A und Hunde­steuer werden erhöht

Grund­steuer und Hunde­steuer gehören zu den (wenigen) Steuern, auf die eine Kommune unmit­telbar Einfluss nehmen kann. Der Gemein­derat fasste einstimmig den Beschluss, die Grund­steuer A (betrifft agra­risch bewirt­schaf­tete Flächen) und die Hunde­steuer zu erhöhen.

Die Grund­steuer A wird von 310 auf 390 Euro erhöht. Damit werden bishe­rige Minder­ein­nahmen von 6.000 Euro ausge­gli­chen. Die Grund­steuer B (bauliche Flächen) ist davon nicht betroffen.

Die Hunde­steuer wird erhöht (für den ersten Hund von 55,00 Euro auf 80,00 Euro, für den zweiten Hund von 80,00 Euro auf 100,00 Euro, für jeden weiteren Hund von 110,00 Euro auf 130,00 Euro). Die bishe­rige Hunde­steuer beruht auf einer 20 Jahre alten Satzung aus dem Jahr 2006, in der die Steuer nicht erhöht, sondern nur DM in Euro umge­wan­delt wurden. Die beschlos­sene Erhö­hung bedeutet Mehr­ein­nahmen für die Gemeinde in Höhe von 11.000 Euro.

Kann das Hallenbad gerettet werden?

Der Betrieb des Hallen­bads ist von den Kosten her die größte frei­wil­lige, also streich­bare Leis­tung der Kommune und er ist defi­zitär (mit in etwa 300.000 Euro). Defi­zitär sind alle kommunal betrie­benen Hallen­bäder. Die Einnahmen decken die Ausgaben nicht, weshalb schon viele geschlossen wurden.

Um das Hallenbad zu retten, hat die Frak­tion der Grünen den Antrag (feder­füh­rend Ingrid Lind­büchl) gestellt, in einem Arbeits­kreis, der sich aus Mitglie­dern des Gemein­de­rats und betrof­fenen Bürgern (unter anderem von der DLRG) zusam­men­setzt, parallel zu Haus­halts­de­batte alle Möglich­keiten zur Rettung des Hallen­bads, von dem auch die Nach­bar­ge­meinden profi­tieren, und zur Einnah­men­stei­ge­rung auszu­loten.

Damit stießen die Grünen bei Bürger­meister Markus Böck, der CSU und der FDP (3. Bürger­meister Casimir Katz auf wenig Gegen­liebe. Es fielen harte Worte. Markus Böck fand die Grund­satz­dis­kus­sion über das Hallenbad “an dieser Stelle fehl am Platz”, ein “Wahl­kampf­ma­növer der Grünen”, damit es so aussieht, als wollten sie alleine das Hallenbad retten. Außerdem subven­tio­nierten wir mit dem Hallenbad “Fremd­bader”. Dem schloss sich Peter Bent­hues (CSU) an. Für solche Fragen sei kein Arbeits­kreis, sondern der Finanz­aus­schuss zuständig

Casimir Katz (FDP) verwies auf die lange Vorge­schichte, die Planungen für ein neues Bad (wg. Kosten gecan­celt), den aktu­ellen gravie­renden Sanie­rungs­be­darf (er sprach von mindes­tens 50.000 Euro). Betrieb und Unter­halt kosteten ein “Schwei­negeld”, von dem auch die Nach­bar­ge­meinden profi­tierten. Das lasse sich nur über einen Zweck­ver­band lösen, aber warum solle jemand “in die Ruine einsteigen”.

Die Nach­bar­ge­meinden seien im Vorfeld schon ange­spro­chen worden, hätten aber selbst mit hohen Defi­ziten zu kämpfen (z.B. 8 Mio Euro in Karls­feld). Was solle eine Arbeits­gruppe bringen?

Sebas­tian Riedel­bauch (ÖDP) verwies darauf, dass für eine solche Arbeits­gruppe, die ja erst mal konsti­tu­iert werden muss, gar keine Zeit sei, weil der Haus­halt spätes­tens im März geneh­mi­gungs­fähig sein müsse.

Selbst­ver­ständ­lich ließen die Grünen die Vorwürfe nicht auf sich sitzen. Es gehe nicht um “schöne Träume”, sondern um die Hoff­nung, mit allen Frak­tionen und vor allem auch durch den Input von außen eine Lösung zu finden (Ingrid Lind­büchl). Dafür müsse drin­gend eine genaue Aufschlüs­se­lung der Kosten vorge­legt werden, die es bisher nicht gebe (Chris­toph Münster). Auch ein still­ge­legtes Hallenbad verur­sache Kosten (Helga Keller-Zenth).

Schließ­lich kam uner­war­tete Schüt­zen­hilfe von Thomas Laser (FW), der den Antrag zwar auch für ein Wahl­kampf­ma­növer hielt, aber den Arbeits­kreis trotzdem befür­wor­tete. Die Einbin­dung der Bürger sei eine gute Idee. Mit der Teil­nahme von moti­vierten Bürgern könne ein solcher Arbeits­kreis tatsäch­lich eine bessere Entschei­dungs­hilfe bieten. Dafür sei aber in der Tat ein detail­liertes Gesamt­bild über die Kosten notwendig (Stefan Vohburger).

Am Ende fiel mit 14 Ja-Stimmen und 7 Nein-Stimmen eine Mehr­heits­ent­schei­dung dafür, eine solche Arbeits­gruppe zu bilden.

Damit konnte die zahl­rei­chen Besu­cher bei dieser Sitzung, die auf den Erhalt des Hallen­bads hoffen (DLRG und Hallenbad-Mitar­beiter), immerhin ein posi­tives Signal mit nach Hause nehmen.

Andrea Wörle

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1 Kommentar

  1. Viele Themen hätte man bei der Bürger­ver­samm­lung bereits konkreter anspre­chen können und sollen, davor hat man sich ja gedrückt und auf künf­tige Entschei­dungen verwiesen. Auch der offene Brief des Bürger­meister damals betref­fend der Lage war eher schwammig. Jetzt gab es wie erwartet die ersten beschlos­senen Erhö­hungen. Diese betreffen zwar nur einen kleinen Anteil der Bevöl­ke­rung, aber trotzdem, gerade deswegen wird es gemacht, weil dann kein großer Wider­spruch zu erwarten ist? Es betrifft aber wieder die, die schon genug Erhö­hungen und Probleme haben.
    Durch die Grund­steu­er­re­form, die gerade erst war und die Kosten sich dadurch teil­weise erheb­lich gestei­gert haben, sollte für die Gemeinden und Kommunen genug hängen bleiben, das war auch der Sinn der Reform. Aber es reicht ja nicht. Auch eine Erhö­hung der Hunde­steuer, weil Sie einfach durch­zu­führen ist, passt zur Planung der Gemeinde. Die meisten EU-Länder haben diese Steuer bereits komplett abge­schafft, weil diese tatsäch­lich nicht mehr zeit­gemäß ist, und diese betrifft auch wieder nur den einfa­chen Bürger. Im Gegen­satz dazu hört man nicht, ob die Gewer­be­steuer oder der Hebe­satz B als nächstes ange­gli­chen und erhöht werden. Befürchtet man etwa, dass man dadurch viel­leicht poten­zi­elle Inves­toren für geplante oder vorhan­dene Gewer­be­ge­biete abschreckt und auch die Bürger dadurch höhere Kosten haben? Das wird dann mit Sicher­heit erst nach der Wahl kommen. Natür­lich möchte man mit diesen Mehr­ein­nahmen von 11.000 € auch einen Teil des Haus­halts­lochs stopfen, aber ande­rer­seits betreibt man seit Jahren eine Hallen­bad­ruine, die enorme Minus­kosten verur­sacht. Andere schaffen auch kein Plus mit ihren Hallen­bä­dern, aber Sie schaffen es, das mit anderen Einnahmen auszu­glei­chen ohne weitere Belas­tungen der Bürger. Unsere Gemeinde schafft dies eben nicht, betreibt es aber stur weiter, egal wie. Ebenso viele Planungen oder Bauvor­haben, die mal eben das doppelte gekostet haben oder sich um Jahre verzögerten.…das alles kann auf Dauer der Bürger nicht ausgleichen!Man schafft Klima­bäume (Kübel­pflanzen) als Schat­ten­spender für hohe Kosten an, das früher einfach mal ein Sonnen­schirm war, aber zerlegt ganze Land­schafts­schutz­ge­biete? Die Bürger erwarten irgend­wann, dass sie von ihren Abgaben auch etwas sehen außer Mißwirt­schaft.
    Ander­seits kann man aber froh sein, die Gemeinde mit den Mehr­ein­nahmen der Hunde­steuer und Grund­steuer A zu unter­stützen, um zumin­dest das Hallenbad mit der Summe um zwei bis drei Wochen weiter finan­zieren zu können. Ich weiß zwar auch nicht, was ein „Fremd­bader“ ist, aber solange er für eine Nutzung des Bades bezahlt ist doch das in Ordnung.Wahlkampf hin oder her, das Hallenbad ist ein Posten von vielen, wo scheinbar nicht stimmen.. Also Augen auf bei der nächsten Kommu­nal­wahl!

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