Zur Finanz­lage in unserer Gemeinde

12.02.2026 | Kommunalwahl 2026, Parteien | 1 Kommentar

Eine Pres­se­mit­tei­lung der SPD-Frak­tion Ober­schleiß­heim

Die Finanz­lage der Kommunen in Deutsch­land hat sich ganz erheb­lich verschlech­tert. Nach
dem Rekord­de­fizit von 24,8 Milli­arden im Jahr 2024 summiert sich das Minus im ersten
Halb­jahr 2025 bereits auf 19,7 Milli­arden Euro. Auch unsere Gemeinde hat ganz erheb­liche
Probleme, einen ausge­gli­chenen Haus­halt aufzu­stellen. Betrieb und Unter­halt unserer
Liegen­schaften wie Bürger­haus, Schwimmbad oder Sport­hallen, die stark ange­stie­genen
Perso­nal­kosten und die Erfül­lung gesetz­li­cher Vorgaben für die Kinder­be­treuung wie
beispiels­weise die stufen­weise Einfüh­rung eines Rechts­an­spruchs auf Ganz­tags­be­treuung
sind kaum mehr zu stemmen.
In einer ähnlich ange­spannten Haus­halts­lage hat sich Ober­schleiß­heim vor drei
Jahr­zehnten befunden. Als Elisa­beth Ziegler (SPD) das Amt der Bürger­meis­terin 1996 von
ihrem Vorgänger, Herr­mann Schmidt (CSU), über­nahm, war die Gemeinde so hoch
verschuldet, dass das Land­ratsamt als Rechts­auf­sichts­be­hörde jede weitere
Kredit­auf­nahme unter­sagte. In ihrer Amts­zeit hat Elisa­beth Ziegler keine neuen Kredite
aufge­nommen und mit ihrer umsich­tigen Finanz­po­litik die Schulden von 10,8 auf 4.1 Mio.
Euro gesenkt.
Bei manchen Entschei­dungen zeigen sich die fatalen Auswir­kungen erst Jahre später. Die
Gemeinde Ober­schleiß­heim kämpft seit Jahren mit – im Vergleich zu den anderen Städten
und Gemeinden im Land­kreis München — nied­rigen Gewer­be­steu­er­ein­nahmen. Im Jahr
2013 sollte ein neues Gewer­be­ge­biet entlang der A92, nörd­lich der B471, ausge­wiesen
werden. CSU, Grüne und einige andere Orga­ni­sa­tionen konnten in einem Bürger­ent­scheid
eine knappe Mehr­heit der Wähle­rinnen und Wähler davon über­zeugen, diese Auswei­sung
abzu­lehnen. Damit war für lange Zeit die Chance vertan, die Gewer­be­steu­er­ein­nahmen der
Gemeinde zu erhöhen und damit die Inves­ti­tionen in die Infra­struktur für unsere neuen
Wohn­bau­ge­biete mit mehr als 700 Wohnungen zu finan­zieren. Das jetzt in der Planung
befind­liche Gewer­be­ge­biet südlich der B471, im Anschluss an die Tier­ärzt­liche Fakultät,
wird voraus­sicht­lich noch mindes­tens 5 Jahre nichts zum Gemein­de­haus­halt beitragen.
Im Haus­halt 2026 hat Bürger­meister Böck viele schmerz­hafte Strei­chungen für unsere
Bevöl­ke­rung vorge­sehen. Vorschläge für Einspa­rungen bei den explo­die­renden
Perso­nal­kosten legt er aber nicht vor. Es soll alles in der Verwal­tung so weiter­gehen wie
bisher. Das ist nicht nach­voll­ziehbar. Aus unserer Sicht ist ein Einstel­lungs­stopp
unum­gäng­lich.
Ganz erheb­lich zur schlechten Finanz­lage unserer Gemeinde tragen zwei kata­stro­phale
Effekte bei: Bei der Greensill-Pleite im Jahr 2021 hat Ober­schleiß­heim nach
gegen­wär­tigem Stand 5 Mio. Euro verloren. Der heutige Bürger­meister hatte 2020 2 Mio.
Euro und sein Vorgänger 2019 3 Mio. € eigen­ver­ant­wort­lich mit hohem Risiko bei einer
Bank ohne Einla­gen­si­che­rung ange­legt. Schutz vor Verlusten im Falle einer Insol­venz gab
es also nicht, das war auch bekannt. Einer der allge­meinen Haus­halts­grund­sätze (Art. 61
GO) der Gemein­de­ord­nung verpflichtet die Gemeinde aber, „bei der Führung der
Haus­halts­wirt­schaft finan­zi­elle Risiken zu mini­mieren“.
Als Reak­tion mussten im Jahr 2022 die Planungen für ein neues Hallenbad, in die bereits
über eine Million Euro an Planungs­kosten geflossen waren, auf Eis gelegt werden. Es ist
äußerst unwahr­schein­lich, dass sich unsere Gemeinde im nächsten Jahr­zehnt ein
Hallenbad wird leisten können, das etwa 18,5 Mio. Euro kosten würde.
Zu einem ähnlich schlimmen Desaster hat sich der Bau von 11 Perso­nal­woh­nungen „Am
Frau­en­feld“ entwi­ckelt. Die Kosten­be­rech­nung lag ursprüng­lich bei 4,3 Millionen Euro.
Gegen­wärtig sind bereits 8,3 Millionen aufge­laufen, es liegen aber noch nicht alle
Schluss­rech­nungen vor. Die Kosten haben sich beinahe verdop­pelt, die Gemeinde muss 4
Millionen Euro mehr tragen als geplant. Es fehlen also über 10 Mio. Euro, die für
Inves­ti­tionen, als Rück­lage oder für eine gerin­gere Kredit­auf­nahme drin­gend gebraucht
würden.
In einer Haus­halts­krise müssen alle Fakten auf den Tisch. Auch wenn sie für den
Bürger­meister und die Verwal­tung unan­ge­nehm sind. Dass der Haus­halts­ent­wurf des
Bürger­meis­ters im Finanz­aus­schuss und danach im Gemein­derat ohne größere
Diskus­sionen abge­segnet wird, ist nicht anzu­nehmen. Dazu sind die Angriffe auf die soziale
Infra­struktur unserer Gemeinde zu massiv.

Frak­tion der SPD: Harald Müller, Irene Bogdain, Erich Elsner, Tobias Pflügler

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1 Kommentar

  1. Die öffent­liche Gemein­de­rats­sit­zung zum Hallenbad fand durch die groß­zü­gige Spende des Ehepaars Schreiner eine uner­war­tete, ja erfreu­liche Wende — in der anschlie­ßenden Diskus­sion, wie es lang­fristig weiter­gehen soll, hat nur unser 3. Bürger­meister konstruktiv (Förder­mög­lich­keiten) argu­men­tiert! Alles andere war und ist — wie dieser Brief — Wahl­kampf-Getöse, wo ich als Bürger nicht den Hauch einer Lösung entde­cken kann.

    Ja, die beiden Bürger­meister haben 5 Mio. € in den Sand gesetzt, dies vermut­lich auf die Empfeh­lung der dama­ligen Kämmerer und in „guter“ Gesell­schaft vieler Kommunen. Was jegli­chem wirt­schaft­li­chen .Sach­ver­stand wider­sprach, war das Setzen auf 1 einzige Karte — eine Grund­regel für jeden (Privat-) Anleger.

    Nur, liebe SPDler, frage ich mich, was Ihr argu­men­tiert hättet, wenn‘s gut gegangen wäre und die Gemeinde mit Nega­tiv­zinsen der „sicheren“ Banken (auch Spar­kassen und Volks­banken) belastet worden wären …
    Und kleiner Hinweis: einen Einla­gen­si­che­rungs­fond ist für Kommunen gesetz­lich ausge­schlossen! Die Greensill-Bank war eine deut­sche Bank, was man nicht auf dem Radar hatte (und von dem vermit­telnden Makler sicher verharm­lost wurde) war die auslän­di­sche Mutter.

    Es bleibt zu bean­standen, alles auf eine einzige Karte gesetzt zu haben …
    Es bleibt zu bean­standen, dass sich dieser Gemein­derat (wie in der Sitzung und jetzt in diesem Brief) mit gegen­sei­tigen Vorwürfen zerfleischt statt kreativ und mutig nach Lösungen zu suchen — und damit (!!) mich als Wähler zu über­zeugen!

    Aber warum soll’s auch auf kommu­naler Ebene besser sein als in der „großen“ Politik, komisch, dass die größte Wähler­gruppe immer weiter wächst: die der Nicht­wähler …

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