Bürger­meister plant Verkauf eines gemein­de­ei­genen Wohn­hauses

17.02.2026 | Kommunalwahl 2026, Parteien | 3 Kommentare

Eine Pres­se­mit­tei­lung der SPD-Gemein­de­rats­frak­tion

Im von Bürger­meister Böck vorge­legten Haus­halts­ent­wurf sind ab 2026 stark redu­zierte und ab 2027 keine Miet­ein­nahmen mehr für das gemein­de­ei­gene Wohn­haus in der Feier­abend­straße 46 ange­setzt. Das Gebäude mit insge­samt neun Wohn­ein­heiten soll also im Laufe des Jahres 2026 verkauft werden. Es befindet sich seit mehreren Jahr­zehnten im Besitz der Gemeinde, derzeit sind 7 Wohnungen vermietet, 1 Wohnung steht der DLRG zur Verfü­gung, eine weitere Wohnung ist augen­blick­lich nicht vergeben.

Foto: Harald Müller

Nach Angaben der Verwal­tung besteht mittel­fristig Sanie­rungs­be­darf, insbe­son­dere im Bereich der Haus­technik und der ener­ge­ti­schen Moder­ni­sie­rung. Die geschätzten Inves­ti­tionen würden den kommu­nalen Haus­halt belasten. Ziel der Verwal­tung wird sein, zunächst den aktu­ellen Markt­wert zu ermit­teln und auf dieser Basis eine Entschei­dung über das weitere Vorgehen zu treffen. Eine endgül­tige Entschei­dung über den Verkauf wurde bisher nicht getroffen.

Die SPD-Fraktion hält den Verkauf kommu­nalen Wohn­ei­gen­tums für einen schweren Fehler.

Im Ballungs­raum München - mit seiner immer weiter zuneh­menden Wohnungsnot – sind die explo­die­renden Mieten für Durch­schnitts­ver­diener kaum mehr zu finan­zieren. Gemein­de­ei­gene Wohnungen sind ein wich­tiges Instru­ment zur Siche­rung bezahl­baren Wohn­raums und dürfen nicht einem aus dem Ruder gelau­fenen, hoch­spe­ku­la­tiven Wohnungs­markt über­lassen werden.

Welche finan­zi­ellen Folgen hätte ein Verkauf lang­fristig für die Gemeinde?

Zwar verspricht sich der Bürger­meister durch eine mögliche Veräu­ße­rung einen kurz­fris­tigen Mittel­zu­fluss, doch der Gemeinde entgehen dadurch regel­mä­ßige Miet­ein­nahmen in Höhe von ca. 54.000 € jähr­lich. Diese fließen bislang in den Verwal­tungs­haus­halt und werden dort drin­gend benö­tigt.

Beson­ders kritisch ist dabei der zeit­liche Zusam­men­hang mit dem erst kürz­lich reali­sierten Neubau „Am Frau­en­feld“ zu sehen: Die Kommune errich­tete 11 Mitar­bei­ter­woh­nungen. Ein Projekt, das mindes­tens 8,3 Millionen Euro - anstatt der geplanten 4,3 Millionen - kostet.

Nun sollen 9 gemein­de­ei­gene Wohnungen mit nied­rigen Mieten in der Feier­abend­straße 46 verkauft werden. Für die SPD wirkt diese Entwick­lung wider­sprüch­lich. Erst inves­tieren wir Millionen in neue Wohnungen, dann trennen wir uns von bestehendem Wohn­raum – das versteht doch niemand mehr.

Frak­tion der SPD: Harald Müller, Irene Bogdain, Erich Elsner, Tobias Pflügler

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3 Kommentare

  1. Erwi­de­rung auf den Leser­brief des Ersten Bürger­meis­ters

    Der Erste Bürger­meister bestä­tigt mit seinem Leser­brief genau das,
    worauf die SPD-Frak­tion aufmerksam gemacht hat:
    Die Immo­bilie Feier­abend­straße 46 soll verkauft werden.

    Leider unter­lässt es der Erste Bürger­meister auch in dieser Ange­le­gen­heit
    erneut, die Öffent­lich­keit trans­pa­rent zu infor­mieren und früh­zeitig
    einzu­binden – ebenso wie zuvor bei der geplanten Schlie­ßung des
    Hallen­bades. Zentrale Weichen­stel­lungen werden nicht in öffent­li­chen
    Sitzungen disku­tiert, sondern in Haus­halts­zahlen versteckt und der
    öffent­li­chen Debatte entzogen.

    Der Gemeinde geht es auch wegen selbst­ver­schul­deter finan­zi­eller
    Fehl­schläge, die viel Geld gekostet haben, heute schlecht. Auf diese
    Realität hinzu­weisen, ist kein Popu­lismus, sondern poli­ti­sche Pflicht.
    Dass dies dem Herrn Bürger­meister nicht gefällt, ist nach­voll­ziehbar.

    Eine Immo­bilie kann man nur einmal verkaufen. Die struk­tu­relle
    Unter­de­ckung des Verwal­tungs­haus­halts kehrt hingegen Jahr für Jahr
    zurück. Genau darauf haben wir mit unserem Pres­se­ar­tikel hinge­wiesen.

    Der kommende Erste Bürger­meister wird nicht umhin­kommen, im Rathaus
    konse­quent zu sparen und Struk­turen zu über­prüfen. Genau dazu gibt es bislang
    – bedau­er­li­cher­weise – keinerlei belast­bare oder verwert­bare Vorschläge
    des amtie­renden Ersten Bürger­meis­ters.

    Harald Müller, SPD-Frak­tion, 2. Bürger­meister

    Antworten
  2. Liebe SPD Frak­tion,

    ich bin wirk­lich erschro­cken darüber, mit welch popu­lis­ti­schen Schlag­zeilen plötz­lich gear­beitet wird!

    Eine Über­schrift „Bürger­meister plant Verkauf eines gemein­de­ei­genen Wohn­hauses“ ist nicht nur Falsch, sondern weit an der Wahr­heit vorbei.

    Jetzt mal zu den Tatsa­chen und zur Wahr­heit:
    Die Abbil­dung des Verkaufs der Immo­bilie im Haus­halt ist das Ergebnis eines Work­shops des GEMEINDERATES im Jahre 2024! Wir haben alle gemeinsam darüber beraten und unter anderem diese Entschei­dung getroffen und seitdem mehr­fach beschlossen.

    Der Bürger­meister hat die Beschlüsse des Gremiums umzu­setzen, was durch die Abbil­dung dieses Vorgangs im Haus­halt passiert ist.

    Wenn der eigene Bürger­meis­ter­kan­didat öffent­lich empfiehlt, dass doch lieber andere Kandi­daten gewählt werden sollen, dann braucht es natür­lich schwere Geschütze, dass wenigs­tens die Listen­kan­di­daten glaub­haft wirken. Halb­wahr­heiten, bewusst verkürzte Darstel­lungen und gezielte Stim­mungs­mache zu nutzen, um möglichst viel Applaus einzu­heimsen, tragen aller­dings nicht allzu viel dazu bei und sind alles andere als seriös.

    Antworten
    • Bevor das Haus verkauft wird könnte man als verant­wor­tungs­be­wusster Vermieter, die 54.000 Euro jähr­li­chen Miet­ein­nahmen in die Sanie­rung des Miet­hauses inves­tieren. Wenn man das über einige Jahre streckt, bekommt man das Haus sicher­lich wieder in einen akzep­ta­blen Zustand und kann den drin­gend notwen­digen preis­werten Wohn­raum erhalten. Mode­rate Miet­erhö­hungen wegen Wohn­raum­mo­der­ni­sie­rung sind dann sicher­lich auch möglich. Wenn der Gemein­derat wirk­lich diesen Beschluss vor zwei Jahren gefasst hat, sollte das ange­sichts des Wohnungs­man­gels drin­gend rück­gängig gemacht werden.
      Was wird nach einem Verkauf passieren: Entmie­tung, Abriss und Neubau teurer Wohnungen ohne Miet­preis­bin­dung zu 25 Euro pro m².….

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