Quartier Mittenheim im August 2025. Foto: privat

Wohnen und Verkehr in Ober­schleiß­heim: Passt das zusammen?

“Urban, aber zugleich beschau­lich” soll es bei uns zugehen

“Ober­schleiß­heim erfüllt vieles, was man sich von einer urbanen, aber zugleich beschau­li­chen Wohn­lage wünscht: Eine umfas­sende Infra­struktur — mit Einkaufs­mög­lich­keiten und Wochen­markt, Restau­rants und Cafés, Kinder­gärten und Schulen, medi­zi­ni­scher Versor­gung, Sport- und Frei­zeit­an­ge­boten.” So heißt es in einer Anzeige der Firma Baywobau, mit der sie die Wohnungen bewirbt, die sie derzeit an der Marga­re­then­straße in Ober­schleiß­heim bauen lässt.

Das Projekt der Baywobau ist mit 16 Wohn­ein­heiten nicht das einzige Wohnungs­bau­pro­jekt in Ober­schleiß­heim. Hinzu kommen 44 Wohnungen über dem Penny-Markt, gebaut von REWE, 420 Wohn­ein­heiten in Mitten­heim, gebaut vom Katho­li­schen Männ­erfür­sor­ge­verein kmfv, 11 Mitar­bei­ter­woh­nungen im Haus am Frau­en­feld, gebaut von der Gemeinde Ober­schleiß­heim, und 148 Wohn­ein­heiten am Schä­fer­anger, gebaut von Concept-Bau. Insge­samt also knapp 640 neue Wohnungen in Ober­schleiß­heim.

Alle diese Bauvor­haben sollen in verhält­nis­mäßig kurzer Zeit, im Lauf der nächsten zwei oder zwei­ein­halb Jahre fertig­ge­stellt sein. Das ist ange­sichts der allge­meinen Knapp­heit an Wohnungen erstmal eine gute Nach­richt, zumal zumin­dest in Mitten­heim bzw. bei Penny die Hälfte bzw. ein Drittel der Wohnungen mitpreis­ge­dämpft ange­boten werden.

Wenn man diese Wohn­ein­heiten einfach nur x 2 nimmt (Personen pro Haus­halt, mal sind es mehr, mal weniger), dann leben in abseh­barer Zeit rund 1200 Einwohner mehr in Ober­schleiß­heim.

Lt. Home­page der LMU findet voraus­sicht­lich ab 2027 auch der komplette Studi­en­be­trieb der Tier­ärzt­li­chen Fakultät (als “euro­pa­weit einzig­ar­tiger tier­me­di­zi­ni­scher Ausbil­dungs- und Forschungs­stätte”) hier vor Ort statt. Das bedeutet, dass über 2000 Menschen (Studie­rende und Mitar­beiter) zusätz­lich täglich oder jeden­falls regel­mäßig nach Ober­schleiß­heim kommen.

Selbst wenn zwei Drittel von all diesen Menschen nur den ÖPNV oder das Fahrrad für ihre tägli­chen Wege benutzen, was natür­lich zu begrüßen ist, liegt auf der Hand, dass das Verkehrs­auf­kommen deut­lich zunehmen wird.

Viele halten die Verkehrs­si­tua­tion in Ober­schleiß­heim schon jetzt für alles andere als “beschau­lich”. Eine — noch dazu umstrit­tene — Umge­hungs­straße ist seit Ewig­keiten “in Planung”. Für einen kreu­zungs­freien Bahn­über­gang an der B471 soll bis 2026 erst­mals ein Plan vorge­legt werden, das Ergebnis eines runden Tisches mit Bahn, Frei­staat und Gemeinde. Zwischen “Plan” und Umset­zung können erfah­rungs­gemäß Jahr­zehnte liegen.

Einfluss­mög­lich­keiten der Kommune sind vorhanden, aber auch begrenzt. Man darf gespannt sein, wie die Kommu­nal­po­litik zeitnah mit dieser Heraus­for­de­rung umgeht.

Andrea Wörle

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