Roland Kaiser gibt am 6.06.2026 ein riesiges Open-Air-Konzert im Schleißheimer Schlosspark
Unser Schlosspark Schleißheim hat schon so einiges gesehen: Menschenansammlungen bei kurfürstlichen Hochzeiten, bei elitären Adelsempfängen, beim alljährlichen Landtagsempfang, bei Konzerten aller Art — mit und ohne Feuerwerk. Nun aber toppt der Kaiser — Roland Kaiser — mit seinem Open-Air-Konzert am 6. Juni 2026 alles: Nicht 2000 Konzertkarten, nicht 5000, nein, von 7000 Karten ist die Rede. In Worten: Siebentausend Konzertkarten hat das Veranstalter-Duo Allgäu Concerts-Live und WoWeBa Live GmbH für dieses Großkonzert auf den Markt geworfen (ursprünglich waren 9000 Plätze geplant).
“Dürfen die das?”, haben wir gefragt, denn bisher wurden derlei Ersuchen auf Großveranstaltungen im Schleißheimer Schlosspark von der Schlösser-und Seen-Verwaltung eher zimperlich beantwortet.
Und ja, sie dürfen, denn kein Geringerer als der bayerische Finanz- und Heimatminister Albert Füracker, die oberste Instanz bei der Bayerischen Schlösser- und Seen-Verwaltung, hat sein OK gegeben. Es gäbe genügend Fläche für eine Bühne und auch Fluchtwege. Und überhaupt: ROLAND KAISER!!! Was für eine Werbung für unser Schloss!
Vor einigen Wochen saß man im Oberschleißheimer Rathaus zur Lagebesprechung zusammen, wo die beiden Veranstalter der Gemeinde und der Schösser-und Seen-Verwaltung ihr Konzept vorstellten, wie die Menschenmassen sicher nach und aus Oberschleißheim gelangen sollen. Schon auf den Allianz-Arena-Parkplätzen sollen Auswärtige parken und mit Shuttle Bussen nach Oberschleißheim gebracht werden und die Flugplatzrunde soll ausnahmsweise geöffnet werden. Wie auch beim Sommerfest des Landtags sind dann umliegende Wiesen und Grünflächen auf dem Schlossgelände ausgewiesener Parkraum. Und viele kommen ja eh mit S‑Bahn, Bus und Fahrrad.
Ich denke, wir werden am 6.06.2026 unser blaues Wunder erleben, so oder so: Entweder das Konzept geht auf und alles klappt wie am Schnürchen, oder aber auch nicht. Oberschleißheim ist doch ohnehin schon eine verkehrsgeplagte Gemeinde, also was soll’s? “Manchmal möcht’ ich so gern mit Dir, das Wort Verkehrschaos buchstabieren …”
Wenn dann der stets als Gentleman, im Dreiteiler gekleidete Frauenliebling die Bühne betritt und seine erotisch-schlüpfrigen Lyrics in den nächtlichen Schlosspark hineinsingt, dann flippen seine Fans regelmäßig aus. Die Krux bei diesem Konzert: Es gibt nichts woran sie sich festhalten können, keinen Stuhl, keine Bank, keine Sitztribüne, kein gar nichts. Alle müssen diesmal stehen, denn im Zuge der finalen Detailplanung und Sicherheitsprüfung der Veranstaltungsfläche hat sich herausgestellt, dass im Bereich der ursprünglich vorgesehenen Sitztribünen unterirdische Versorgungsleitungen verlaufen und somit die Tragfähigkeit des Bodens nicht sichergestellt ist. Ich frage mich halt bloß, wo diese 9000 Menschen überall stehen sollen?
Ich sehe schon die Schlossgärtnerinnen- und gärtner, die sich in den letzten Wochen die Finger wund gepflanzt haben, dass die Blumenrabatte im Schlosspark zum Landtagsempfang picobello aussehen, sich die Haare raufen und wie Roland Kaiser und Maite Kelly singen: “Warum hast Du nicht nein gesagt?!!” Spätestens wenn sich Fans mit Schlossparkblümchen zwischen den Zähnen nach vorne an die Bühne kämpfen, weinen sie bitterlich (die Gärtner): “Oh, Santa Maria!”
Aber ja, wir werden’s erleben. Menschen, die Roland Kaiser lieben, lieben auch schöne Orte wie unseren Schlosspark Schleißheim und werden nicht wie eine Bisonherde über alles hinweg walzen. Und ob die Schlagerikone, die am 10. Mai ihren 74. Geburtstag gefeiert hat, uns noch einmal die Ehre gibt, hier aufzutreten, ist nicht gewiss und sollte uns für diesen einen Tag über alle Unannehmlichkeiten in Oberschleißheim hinwegsehen lassen…“Lieb’ mich ein letztes Mal”…
Ich hab im Übrigen heute auch eine Karte bekommen, von jemand der doch nicht stehen mag und morgen vergrabe ich für alle Fälle meinen Klappstuhl im Schlosspark.…;)) Zwinkersmiley
Ingrid Lindbüchl




Vielleicht wäre genau dieses Roland-Kaiser-Konzert die Chance, einmal grundsätzlich darüber nachzudenken, wie Oberschleißheim mit Besucherinnen und Besuchern, Kultur und möglichen Einnahmen umgeht.
Schleißheim klagt über knappe Kassen, über eine schwierige Verkehrssituation und darüber, dass vieles nicht möglich sei. Gleichzeitig lassen wir Chancen liegen, die andere Orte selbstverständlich nutzen: zusätzliche Begrüßungsbanner, kleine Verkaufsstände, schön herausgeputzte Cafés, Angebote für Gäste, einfache Orientierung und ein Gefühl von Willkommen.
Keine Angst: Oberschleißheim wird sicher nicht über Nacht Herrenchiemsee oder Neuschwanstein. Dafür lassen wir ja ohnehin kaum Musiker vor dem Schloss zu, keine Souvenirläden entstehen und offenbar sollen Besucherinnen und Besucher am liebsten nur zum Event kommen und danach sofort wieder abreisen.
Aber was wäre, wenn man aus so einem Tag mehr machen würde?
Was wäre, wenn Blumenläden Blumen verkaufen könnten? Wenn kleine Stände mit Frischgetränken in Schlossnähe erlaubt wären? Wenn Klappstühle, Regenschirme, Ponchos oder ein kleines Schleißheim-Merchandising angeboten würden? Wenn Parkplätze mit einer moderaten Gebühr belegt würden – 2 Euro sind vielerorts üblich, sogar auf Flohmärkten in München?
Würden dadurch nicht zusätzliche Einnahmen entstehen – für Betriebe, Vereine, die Gemeinde und am Ende vielleicht sogar für die Wahrnehmung unseres Ortes?
Natürlich muss Verkehr geregelt werden. Natürlich braucht es Sicherheit, Rücksicht auf den Schlosspark und klare Absprachen. Aber alles nur als Problem zu sehen, bringt Oberschleißheim nicht weiter.
Am Ende passiert sonst das Schlimmste: Einer der 7.000 oder 9.000 Gäste merkt sich Schleißheim als schönen Ort und kommt vielleicht noch einmal wieder – sogar ohne Roland Kaiser. Vielleicht folgen irgendwann weitere Konzerte, weitere Kulturveranstaltungen, neue Gäste, mehr Leben und ein bisschen mehr Umsatz im Ort. Für unsere Kassen wäre das bestimmt eine Katastrophe. 😉
Vielleicht wäre es klüger, nicht immer zuerst zu fragen, warum etwas nicht geht, sondern gemeinsam eine Strategie zu entwickeln, wie Schleißheim wieder attraktiver werden kann – für Besucher, für Betriebe und für uns selbst.
„Wohin gehst Du“ singt der Kaiser — sind ja alles mobile Stehplatz-Karteninhaber … sind wahrscheinlich auf der Suche nach einer Toilette, dem Parkplatz, dem Schienenersatzverkehr, es irren 7.000 Fans durch Oberschleissheim …
Im Vorfeld war ich durch eine Panne (der Münchner Merkur hatte sich wegen der drohenden Absage auf unsere Helferkreis-Seite verirrt, die Journalistin war ganz entsetzt! Die damalige Begründung: fehlende Tribünen für Rollstuhlfahrer wegen der unterirdischen Versorgungsleitungen!) — aber der mitfühlende Roland darf doch seine Fans nicht enttäuschen!
„Money makes the world go around“, da muss der bayerische Finanzminister als oberster Dienstherr der Schlösser- und Seenverwaltung natürlich eingreifen …
By the way: vielleicht bleiben ja ein paar Brotsamen von der Miete in Oberschleißheim und man besorgt ein paar Eimer Farbe, um den erbarmungswürdigen Zustand der Stallungen des alten Schlosses „aufzuhübschen“ …
Der Kaiser in Oberschleißheim: ein Anlass, um die eingeschlagene Glasscheibe und völlig versiffte Ortskarte an der S‑Bahn Station zu reparieren?
“Und viele kommen ja eh mit S‑Bahn, Bus und Fahrrad.”
Das ist ein schöner Traum!
Realistisch betrachtet werden dies allerhöchsten 10% machen und zwar diejenigen, die in der nähren Umgebung wohnen. Alle anderen werden mit dem Auto kommen. Wer im Süden, Osten oder Westen von München, in Augsburg, Rosenheim, oder anderswo wohnt, wird kaum mit der Bahn nach München fahren, sich durch das Chaos am Hauptbahnhof kämpfen und dann mit der S‑Bahn nach Oberschleißheim fahren. Zumal die Chance nach Veranstaltungsende auf umgekehrten Weg wieder nach Hause zu kommen, sehr gering sind. Außerdem sind die Fahrzeiten mindestens doppelt so lange wie mit dem Auto.
Seit rund 30 Jahren kommt dieses Thema regelmäßig hoch und seit 30 Jahren wird der Fahrrad- und ÖPNV-Traum geträumt. (*) Seit 30 Jahren hat es die Gemeinde nicht geschafft, ein vernüftiges und funktionierendes Parkplatzkonzept für Veranstaltungen zu schaffen. Immerhin und ganz stolz, wurde die wichtigste und auch einzigste Zufahrtstraße zu den Parkplätzen zur Fahrradzone erklärt. Klar, weil so der Traum, nun alle Besucher mit dem Fahrrad kommen.
Seit Mai 2026 gibt es einen neuen Gemeinderat, Es ist an der Zeit, dieses Thema endlich anzugehen und ein auch in der Praxis funktionierendes Parkplatzkonzept zu schaffen. Es kostet auch nicht viel Geld, sondern nur einen Blick auf die Realität.
(*) Vor 40 Jahren hat die damalige Deutsche Bundesbahn, Bundesbahndirektion München, bei Großveranstaltungen in Oberschleißheim Sonderzüge zwischen Hauptbahnhof und Oberschleißheim fahren lassen und vom S‑Bahnhof aus fuhren Pendelbusse. Eine ganz normale Bahnfahrkarte war ausreichend. Undenkbar bei der heutigen Deutschen Bahn.