Pixabay kostenloses Symbolbild

Endspurt für den Igel

01.11.2025 | Natur & Freizeit | 0 Kommentare

BUND Natur­schutz gibt Tipps zum Igel­schutz

Igel spüren das Ende des Herbstes auf ihre eigene Weise: Die kürzer werdenden Tage, der Rück­gang der Tempe­ratur und der sich verän­dernde Luft­druck sind für den Igel deut­liche Zeichen dafür, sich auf die Suche nach einem geeig­neten Ort für den Winter­schlaf zu machen. Ist dieser gefunden, können gesunde Tiere bis zu einem halben Jahr ohne Nahrung auskommen, je nachdem, wie dick ihr Fett­polster ist. Die Körper­tem­pe­ratur sinkt dann von ca. 35 Grad auf 6 Grad ab. In dieser Zeit verlieren sie 20 bis 30 Prozent ihres Körper­ge­wichtes.

„Der Igel ist ein Wild­tier und bestens an das Über­win­tern im Freien ange­passt. Gesunde und kräf­tige Tiere gehören auf keinen Fall ins Haus!“ erläu­tert Martin Hänsel, Leiter für Biodi­ver­sität und Stadt­klima beim BUND Natur­schutz in München (BN). „Einfa­cher als beim Schutz der Igel können Eltern ihren Kindern kaum span­nende Natur­er­leb­nisse bieten. Bereits ein großer Laub­haufen erleich­tert den Tieren das Über­win­tern. Der Igel ist in Grün­an­lagen und Gärten recht häufig, kaum scheu und lässt sich leicht in der Dämme­rung beob­achten. Dabei gilt: Anschauen – Ja! Anfassen – Nein!“ so Hänsel weiter.

Igel­schutz in Parks und Gärten

Egal ob öffent­liche Park­an­lage, Wohn­an­lage oder Privat­garten: Mit wenigen einfa­chen Mitteln kann jeder den Igeln helfen, sicher durch den Winter zu kommen. Ein großer trockener Laub­haufen in einer wind­stillen, ruhigen Ecke, beispiels­weise unter einer dichten Hecke, bietet den Tieren ein sicheres Quar­tier. Auch schräg gegen Mauern gelehnte Bretter über einer dicken Laub­pa­ckung können als Ersatz dienen. Zusätz­lich gibt es im Fach­handel spezi­elle „Igel­häuser“ zu kaufen.

Igel zählen zu den beson­ders geschützten Tier­arten. Gesunde Tiere dürfen keines­falls zum Über­win­tern mit nach Hause genommen werden. Igel sind Wild­tiere und über­stehen den Winter im Freien norma­ler­weise gut. Verletzte Igel, verwaiste Igel­säug­linge, die Ohren und Augen verschlossen haben und die tags­über nicht in ihrem Nest sind, herum­ir­rende Igel nach Winter­ein­bruch und Igel, die weniger als 450 Gramm­wiegen, bedürfen jedoch mensch­li­cher Hilfe.

Hänsel gibt Tipps zum rich­tigen Umgang mit Igeln:  „Der Igel sollte als Erstes vorsichtig auf Verlet­zungen unter­sucht werden. Unter­kühlte Tiere, deren Bauch­seite kälter ist als die eigene Handin­nen­fläche, kann man auf eine mit einem Frot­tier­hand­tuch umwi­ckelte Wärm­fla­sche in einem zuge­deckten Karton setzen. Wenn möglich sollte der Igel auch von Flie­gen­eiern und Maden, Flöhen und Zecken befreit werden. Bei starkem Befall mit Zecken oder wenn sich Flie­gen­eier bzw. ‑maden auf dem Tier befinden, sollte ein Tier­arzt aufge­sucht werden. Gegen Flöhe können Tier­ärzte eben­falls geeig­nete Mittel empfehlen.“

Auch beim Füttern gibt es einiges zu beachten: „Wer Igeln beim Endspurt in den Winter­schlaf mit etwas Futter helfen will, trifft mit Katzen­feucht­futter mit Huhn eine gute Wahl. Auch unge­würztes Rührei, tief­ge­fro­rene Futter­tiere und Futter­kalk aus dem Zooge­schäft eignen sich. Igel bitte nicht mit Milch füttern, davon bekommen sie Durch­fall, auch Obst ist unge­eignet. Fach­kun­dige Hilfe bieten auch viele Tier­ärzte“ so Hänsel weiter.

Igel – ein Wild­tier braucht die Stadt

Gut struk­tu­rierte, gemischte Wälder und Auen, strauch­reiche Wald­ränder, Feld­he­cken und –gehölze, das sind die ursprüng­li­chen Lebens­räume unseres größten einhei­mi­schen Insek­ten­fres­sers. Durch die Rodung von Feld­ge­hölzen und mit der zuneh­menden Verbrei­tung nahrungs­armer Fich­ten­forste wurde dem Igel jedoch ein wesent­li­cher Teil seines Lebens­raumes beschnitten. Als Ersatz­le­bens­raum hat der Igel die Stadt erobert. Hier gibt es Unter­schlupf und Nahrung in einer Menge, mit der die verarmten und deckungs­losen ursprüng­li­chen Lebens­räume nicht mithalten können. Mit der begon­nenen Rück­kehr zu natür­li­cheren Wäldern konnten sich rund um München z.T. wieder sehr abwechs­lungs­reiche Wald­bilder entwi­ckeln. Ob die Münchner Igel die Wälder wieder zurück­er­obern, bleibt abzu­warten. Sicher ist aber, dass Igel flächen­de­ckend in München vorkommen.

Martin Hänsel, BUND Natur­schutz, Kreis­gruppe München

 

Beitrag teilen:

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert