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Rund­gang macht Zeit­ge­schichte vor Ort erlebbar

19.06.2026 | Kultur & Geschichte | 0 Kommentare

Auf den Spuren der NS-Zwangs­ar­beit in Lohhof

Dass die Verbre­chen des Natio­nal­so­zia­lismus nicht nur an weit entfernten Orten geschahen, sondern auch ganz in unserer Nähe, wurde den Teil­neh­me­rinnen und Teil­neh­mern eines geführten Rund­gangs am Erin­ne­rungsort Flachs­röste Lohhof eindrucks­voll vor Augen geführt. Am Samstag, den 13. Juni, begaben sich zahl­reiche Inter­es­sierte auf die Spuren jener Menschen, die zwischen 1940 und 1945 in Lohhof Zwangs­ar­beit leisten mussten.

Die seit 2023 bestehende drei­tei­lige Gedenk­stätte erin­nert an die Schick­sale von hunderten Frauen und Männern, die während des Zweiten Welt­kriegs in der Flachs­röste arbei­teten. Am Ausgangs­punkt des Rund­gangs, dem Lohhofer Bahnhof, erhielten die Besu­che­rinnen und Besu­cher Einblicke in die Geschichte des Ortes. Flachs­fa­sern galten damals als kriegs­wich­tiger Rohstoff. Um sie zu gewinnen, mussten die Pflanzen in einem aufwen­digen Fäul­nis­pro­zess, dem soge­nannten „Rotten“, bear­beitet werden – daher stammt auch der Name “Flachs­röste“. Doch der Rund­gang vermit­telte weit mehr als Infor­ma­tionen und Hinter­gründe. Im Mittel­punkt standen die Schick­sale der Menschen, die hier unter Zwang arbeiten mussten. Stell­ver­tre­tend für die rund 350 nament­lich bekannten Zwangs­ar­bei­te­rinnen und Zwangs­ar­beiter stellte der Stadt­führer vier von ihnen vor. Ihre Lebens­ge­schichten, illus­triert anhand von Foto­gra­fien oder persön­li­chen Doku­menten wie Post­karten, machten die abstrakten Zahlen greifbar und verliehen den Opfern ein Gesicht.

Entlang des „Weges der Erin­ne­rung“ finden sich weitere Elemente des Erin­nerns: Schmale Stahl­streifen im Boden tragen die eingra­vierten Namen der Zwangs­ar­bei­te­rinnen und Zwangs­ar­beiter. Ergänzt werden sie durch stili­sierte blaue Flachs­blüten.

Am Ende des Rund­gangs richtet sich der Blick auf das ehema­lige Gelände der Flachs­röste. Dort ermög­licht ein digi­taler Lernort einen Zugang zur Geschichte mit modernen Mitteln. Über einen QR-Code können Besu­che­rinnen und Besu­cher die frühere Anlage auf dem Smart­phone oder Tablet virtuell erkunden und zusätz­liche Infor­ma­tionen abrufen. Gerade das Zusam­men­spiel aus fach­kun­diger Führung, histo­ri­schen Hinter­gründen und persön­li­chen Lebens­ge­schichten macht den Erin­ne­rungsort zu etwas Beson­derem. Analoge und digi­tale Elemente ergänzen sich dabei zu einem viel­schich­tigen Zugang zur Geschichte. So wird die NS-Zwangs­ar­beit in Unter­schleiß­heim nicht nur vermit­telt, sondern auf berüh­rende und nach­hal­tige Weise erfahrbar gemacht.

Nächste Veran­stal­tungen

Im Rahmen des ZAMMA-Festi­vals findet am 3. und 4. Juli 2026 der Work­shop „Street Arttrifft Erin­ne­rung“ für Jugend­liche statt. Infor­ma­tionen und Anmel­de­mög­lich­keiten gibt es unter denkmal.lohhof.de.

Der nächste öffent­liche Rund­gang am Erin­ne­rungsort Flachs­röste Lohhof wird am Samstag, 8. August 2026, um 10.30 Uhr ange­boten. Treff­punkt ist die Bushal­te­stelle Lohhof Süd, Südliche Ingol­städter Straße 1 in Unter­schleiß­heim. Die Teil­nahme ist kosten­frei.

Daniela Gragert

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