Der Brandner Kasper bereitet sich auf das Kartenspiel mit dem Teufel vor. Fotorechte Marionettentheater Bille

Der Brandner Kaspar schaut ins Para­dies

19.04.2026 | Bühne | 0 Kommentare

Mario­net­ten­theater Bille gelingt Insze­nie­rung mit “echter Gemüts­tiefe”

Am Samstag, den 18. April schloss die ausver­kaufte Premiere des Brandner Kaspar im Mario­net­ten­theater Bille in Unter­schleiß­heim mit anhal­tendem donnerndem Applaus.

Nicht alles war neu, denn die Puppen und Teile des Bühnen­bildes waren noch vorhanden. Nur die Aufzeich­nung des Tons war nicht mehr verwendbar. Wlada und Florian Bille bekamen durch den Kultur­verein Schön­gei­sing die Gele­gen­heit, den Text in heraus­ra­gender Qualität neu einspre­chen zu lassen.

Die Erzäh­lung von Franz von Kobell, die 1871 erschien, war Grund­lage von vielen Bear­bei­tungen. Beson­ders bekannt sind der „Brandner Kaspar und das ewige Leben“ von Kurt Wilhelm, die 1975 für das Resi­denz­theater entstand und auch für den Bayri­schen Rund­funk als Studio­auf­zeich­nung produ­ziert wurde. Auch die Insze­nie­rung von Chris­tian Stückl am Münchner Volks­theater und Verfil­mung von Joseph Vils­me­aier mit Michael Bully Herbig beruhen auf dieser Version.

Etwas älter ist die Bear­bei­tung von Joseph Maria Lutz, die 1934 entstand. Dieser Autor hat, wie er selbst schrieb, bewusst auf „über­hitzte, drama­ti­sche Knall­ef­fekte“ verzichtet und auf „echte Gemüts­tiefe“ gesetzt. Die Text-Bear­bei­tung von Otto Bille hat diese Idee noch zuge­schärft und so kommt diese Insze­nie­rung über weite Stre­cken mit Dialogen und nur zwei Puppen­spie­lern aus. Dass diese die Gespräche ihrer Figuren dann mit natür­li­chen Gestiken so unter­stützen, dass man wieder einmal völlig vergisst, dass es „nur“ Puppen sind, ist ein wesent­li­cher Teil der Faszi­na­tion dieses Stückes.

Selbst der im Theater so schwie­rige Part der Himmel­fahrt mit Gewitter, Regen und Hagel gelang im Mario­net­ten­theater vorzüg­lich.

In den aktuell schwie­rigen Zeiten der kommu­nalen Haus­halte wird auch an der Kultur gespart. Aber dieser Abend hat deut­lich gezeigt, wie wert­voll gerade die klei­neren Formen sind.

Die nächste Auffüh­rung ist am 5. September geplant.

Casimir Katz

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