Marionettentheater Bille gelingt Inszenierung mit “echter Gemütstiefe”
Am Samstag, den 18. April schloss die ausverkaufte Premiere des Brandner Kaspar im Marionettentheater Bille in Unterschleißheim mit anhaltendem donnerndem Applaus.
Nicht alles war neu, denn die Puppen und Teile des Bühnenbildes waren noch vorhanden. Nur die Aufzeichnung des Tons war nicht mehr verwendbar. Wlada und Florian Bille bekamen durch den Kulturverein Schöngeising die Gelegenheit, den Text in herausragender Qualität neu einsprechen zu lassen.
Die Erzählung von Franz von Kobell, die 1871 erschien, war Grundlage von vielen Bearbeitungen. Besonders bekannt sind der „Brandner Kaspar und das ewige Leben“ von Kurt Wilhelm, die 1975 für das Residenztheater entstand und auch für den Bayrischen Rundfunk als Studioaufzeichnung produziert wurde. Auch die Inszenierung von Christian Stückl am Münchner Volkstheater und Verfilmung von Joseph Vilsmeaier mit Michael Bully Herbig beruhen auf dieser Version.
Etwas älter ist die Bearbeitung von Joseph Maria Lutz, die 1934 entstand. Dieser Autor hat, wie er selbst schrieb, bewusst auf „überhitzte, dramatische Knalleffekte“ verzichtet und auf „echte Gemütstiefe“ gesetzt. Die Text-Bearbeitung von Otto Bille hat diese Idee noch zugeschärft und so kommt diese Inszenierung über weite Strecken mit Dialogen und nur zwei Puppenspielern aus. Dass diese die Gespräche ihrer Figuren dann mit natürlichen Gestiken so unterstützen, dass man wieder einmal völlig vergisst, dass es „nur“ Puppen sind, ist ein wesentlicher Teil der Faszination dieses Stückes.
Selbst der im Theater so schwierige Part der Himmelfahrt mit Gewitter, Regen und Hagel gelang im Marionettentheater vorzüglich.
In den aktuell schwierigen Zeiten der kommunalen Haushalte wird auch an der Kultur gespart. Aber dieser Abend hat deutlich gezeigt, wie wertvoll gerade die kleineren Formen sind.
Die nächste Aufführung ist am 5. September geplant.
Casimir Katz




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