Vom Sonnenuntergang beschienen: Der neue Solarpark am Rande des Berglwaldes in Oberschleißheim. Fotos privat

So schnell geht verfah­rens­frei!

27.10.2025 | Aktuelles, Unternehmen | 4 Kommentare

Solar­park Ober­schleiß­heim am nörd­li­chen Bergl­wald­rand steht

Mit den Neue­rungen in der Baye­ri­schen Bauord­nung, um den Vollzug der Ener­gie­wende zu erleich­tern und voran­zu­treiben, sind nun beispiels­weise Solar­parks, die in einem 200 m breiten Streifen entlang von Auto­bahnen oder mehr­glei­sigen Schie­nen­wegen geplant und umge­setzt werden, verfah­rens­frei. Bei verfah­rens­freien Bauvor­haben liegt die Verant­wor­tung für die Einhal­tung aller gesetz­li­chen Vorgaben beim Vorha­bens­träger. Eine Bauge­neh­mi­gung ist in diesen Fällen weder erfor­der­lich noch kann sie bean­tragt werden. Trotzdem müssen die zustän­digen Behörden einge­bunden werden – insbe­son­dere bei Schutz­ge­bieten. In solchen Fällen sind Abstim­mungen notwendig und gege­be­nen­falls spezi­elle Geneh­mi­gungen einzu­holen.

Eigen­tümer von land­wirt­schaft­li­chen Flächen beispiels­weise, können ihren Grund und Boden in oben genannter Lage zu Solar­parks entwi­ckeln, entweder selbst, oder sie verpachten ihr Grund­stück an einen Projek­tierer, der die Entwick­lung plant und umsetzt.

So geschehen am nörd­li­chen Wald­rand des Bergl­waldes in Ober­schleiß­heim. Das Grund­stück befindet sich in privatem Besitz und zieht sich im vorge­ge­benen Abstand entlang der mehr­glei­sigen S1 Schie­nen­strecke.

Nach Aussage des Ingol­städter Grün­strom­erzeu­gers Anumar entsteht hier der “Solar­park Ober­schleiß­heim”. Rech­ne­risch möchte das Unter­nehmen Grün­strom für mehr als 3100 Haus­halte erzeugen. Die aufge­stän­derten Solar­mo­dule wandeln Sonnen­licht in Strom um, der über Wech­sel­richter und Trafo­sta­tionen ins öffent­liche Strom­netz einge­speist wird. Auf diese Weise erreicht der Strom die Haus­halte und Unter­nehmen, wo er dann genutzt werden kann. Die Anla­gen­leis­tung beträgt im Peak (maxi­male Leis­tung der Anlage) 11,8 MW und hat noch zusätz­lich einen Batte­rie­spei­cher mit einer Kapa­zität von 8,9 MWh (Mega­watt­stunden).

Welchen Nutzen hat ein/e Grundstücksbesitzer*in von der Verpach­tung an einen Entwickler?

“Mit einer Verpach­tung an Anumar wird der Grund lang­fristig und nach­haltig rentabel genutzt”, so die Sper­cherin für Marke­ting bei Anumar, Jennifer Krebs. “Für die Grund­stücks­ei­gen­tümer bedeutet das: finan­zi­elle Sicher­heit ohne eigenen Aufwand. Nach Vertrags­ab­schluss über­nimmt Anumar sämt­liche Aufgaben – von der Planung über den Bau bis zum Betrieb der Anlage – und trägt alle damit verbun­denen Kosten und Risiken. Dadurch profi­tieren Grund­stücks­ei­gen­tümer nicht nur von stabilen Erträgen, sondern auch von einem verläss­li­chen und trans­pa­renten Partner”.

Steht die Entwick­lung von Solar­parks auf land­wirt­schaft­li­chen Flächen einer land­wirt­schaft­li­chen Nutzung entgegen?

“Nein, gar nicht.” Zwar könne man im Ober­schleiß­heimer Fall nicht von einer Agri-PV-Anlage spre­chen, aber eine Bewei­dung der Flächen durch Schaf­herden sei immer möglich, so die Spre­cherin.

Baube­ginn war Anfang September. Zwar hatten die Vorha­bens­träger zunächst mit einer ange­bohrten Wasser­lei­tung zu kämpfen, nun aber steht die Anlage nahezu fertig da.

Der Betreiber rechnet mit einer Inbe­trieb­nahme im Früh­jahr 2026 und punktet mit der flotten Umset­zungs­zeit von einem guten halben Jahr bei der kommu­nalen Ener­gie­ver­sor­gung Ober­schleiß­heim.

Ingrid Lind­büchl

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4 Kommentare

  1. Die land­wirt­schaft­liche Nutzung unter Solar­an­lagen schei­tert vorzugs­weise an recht­li­chen Rand­be­din­gungen. Deshalb gibt es hier nur Pilot­pro­jekte, die immer wieder Syner­gie­ef­fekte zeigen. Hoch­mut­ting ist viel­leicht daran inter­es­siert, diese Anlage vor der Haustür auch ohne Agrar­för­de­rung zu beweiden. Nein, Schä­ferei ist nichts, mit dem man reich werden kann.

    Nach meinem Geschmack ist der Spei­cher viel zu klein, der kann nur einen kleinen Teil der Tages­pro­duk­tion aufnehmen. Aber ernst­haft mehr wäre finan­ziell nicht vertretbar, weil Akkus dafür viel zu teuer sind.

    Immerhin kann die Anlage die Abend­spitze abfe­dern, die nach einem sonnigen Tag um den Sonnen­un­ter­gang herum auftritt, mit regel­mä­ßigen Groß­han­dels­preisen von bis zu 400 EUR/MWh — normaler Groß­han­dels­preis ohne Steuern, Abgaben und Durch­lei­tungs­ge­bühren um die 80 EUR/MWh (8 ct/kWh).

    Auch dieser Anlage wird es regel­mäßig passieren, dass sie gerade an sonnen­rei­chen Tagen im Rahmen von Redis­patch-Maßnahmen abge­schaltet wird. Wer sich das live ansehen will: https://www.smard.de

    Gegen­wärtig brau­chen wir sicher keine weiteren Solar­an­lagen, sondern den Ausbau der Strom­netze auf allen Ebenen. Es gibt in Deutsch­land bereits einzelne Orts­netze, in denen auf abseh­bare Zeit keine Neuan­schlüsse mehr möglich sind.

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    • Auf der Bürger­ver­samm­lung 2025 wurden mehrere weitere Solar­an­lagen ange­kün­digt.

      Bei der Anlage neben der Klär­an­lage sollte sich die Gemeinde betei­ligen, um eine Notstrom­ver­sor­gung der Klär­an­lage sicher­zu­stellen.

      Wenn man das geschickt macht, kann man dann auch die bereits vorhan­dene Solar­an­lage auf dem Dach bei einem Strom­aus­fall nutzen.

      Sofern es in der Klär­an­lage Notstrom-Diesel geben sollte, brauchte man die dann nicht mehr ständig vorzu­heizen, wie das z.B. im Wasser­werk geschieht: Die Akkus der Solar­an­lage über­nehmen die Last für ein paar Minuten, bis die Notstrom-Diesel hoch­ge­fahren sind — sofern die im konkreten Betriebs­fall über­haupt noch benö­tigt werden.

      Ich kann nicht abschätzen, ob der Strom für die Klär­an­lage durch diese Kopp­lung billiger würde. Ich bin Inge­nieur, nicht Jurist.

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  2. Eine Super-Sache! Dass ein Land­wirt oder Grund­stücks­be­sitzer auf solche Ange­bote eingeht kann man gut verstehen, eine normale Land­wirt­schaft lohnt sich aufgrund der hohen Auflagen und Kosten bald nicht mehr … und eine Verpach­tung an solche Betreiber ist dann sehr lukrativ. Aber wer baut dann wie schon von Herr Mole geschrieben noch Lebens­mittel an? Durch solche Anlagen werden Land­wirt­schafts­flä­chen oder Grün­flä­chen im Grunde voll­kommen wegge­nommen. Die noch übrigen Flächen werden dann aufgrund der hohen Nach­frage in der Pacht steigen und der Land­wirt, der normal arbeiten möchte, ist mit noch höheren Kosten konfron­tiert.
    Jeder Grund­be­sitzer wird sich über­legen, ob er an einen Land­wirt für einen nied­rigen Preis verpachtet oder ein Angebot eines Solar­park­be­trei­bers annimmt, wo mehr heraus­kommt. Für Wind­räder werden Wälder abge­holzt wie in Haim­hausen, und für Solar­parks Land­wirt­schaft oder Grün­flä­chen zerstört, irgendwie ein Wider­spruch, wenn es um Natur geht. Warum nimmt man nicht die vorhan­denen rest­li­chen Dach­flä­chen für so etwas, anstatt das Orts­bild mit solchen Parks zu verschö­nern? Weiter ist es für Wild­tiere eine weitere Lebens­raum­ver­nich­tung, da diese Anlagen ja in der Regel einge­zäunt werden … da wird sich kaum etwas darin aufhalten, was in der Natur lebt.
    Eine Bewei­dung durch Schafe wäre möglich, heißt es…wird jetzt jeder Land­wirt zusätz­lich Schaf­züchter? Man könnte zum Beispiel ohne Probleme an den Lärm­schutz­wänden direkt entlang der Auto­bahnen oder bei den Ausfahrten so etwas mehr instal­lieren ohne weitere Grün- oder Land­wirt­schafts­flä­chen damit zu beein­träch­tigen, aber dann wäre es scheinbar nicht mehr lohnend für manch einen Betreiber und Grund­ei­gen­tümer.
    Was auch oft etwas frag­würdig ist. ob durch solche Anlagen tatsäch­lich der ganze Strom einge­speist und verbraucht wird, oder die ein oder andere Anlage still steht, weil gerade zu viel Strom da ist?? Das Ganze ist im Moment nur wirt­schaft­lich für einen kleinen Zeit­raum und nicht nach­haltig. Es geht um Subven­tionen und Kapital… am Ende stehen hohe Lebens­mit­tel­preise und die Abhän­gig­keit von Importen … da wir keine vernünf­tigen Flächen mehr zur Bewirt­schaf­tung haben. Und unsere Land­schaft wird geprägt von schönen Solar­parks und Wind­rä­dern, und der Strom wird auch nicht billiger! Aber gut ist ja, dass es verfah­rens­frei ist, nach­hal­tiger Strom für eine bessere Natur ohne Natur … Haupt­sache, es macht einen guten Eindruck. Manche Parteien und Menschen stehen zum Glück diesen Sachen skep­tisch gegen­über.

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  3. Aha, also “eine Bewei­dung der Flächen” ist möglich. Immerhin. Über­setzt: Strom gibts von der Fläche jetzt, aber Nahrungs­mittel nicht mehr. Die können wir ja jetzt auch aus China impor­tieren, das wir bestimmt störungs­frei klappen, so wie bei Medi­ka­menten.….

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