“Ober­schleiß­heim muss nicht gendern!”

30.01.2026 | Kommunalwahl 2026, Aktuelles, Rathaus & Parteien | 0 Kommentare

Der Kampf um das Bürger­meis­teramt 2026 wird unter vier Männern ausge­tragen

Von Ingrid Lind­büchl

Bei der vom Gewer­be­ver­band Ober­schleiß­heim orga­ni­sierten Podi­ums­dis­kus­sion am Mitt­woch­abend im Ober­schleiß­heimer Bürger­haus eröff­nete die 1. Vorsit­zende, Gönke Klar, als Mode­ra­torin zusammen mit Co-Mode­rator Gerhart Maier (…“immer muss ich machen, was sie sagt”… Zwinker-Emotji) launig den mit Span­nung erwar­teten Abend vor rund 500 poli­tisch inter­es­sierten Bürge­rinnen und Bürgern.

“Ober­schleiß­heim muss heute nicht gendern”, feixte sie und ordnete ihrem Co-Mode­rator Gerhart Maier die Begrü­ßung und Vorstel­lung der vier männ­li­chen Bürger­meis­ter­kan­di­daten an.

Gönke Klar ist 1. Vorsit­zende des Gewer­be­ver­bandes in Ober­schleiß­heim. Einer Tradi­tion ihres verstor­benen Mannes Walter Klar folgend, der lange Jahre den Gewer­be­ver­band geleitet hatte, über­nahm sie die Orga­ni­sa­tion dieser Podi­ums­diskis­sion und führte gekonnt und launig zusammen mit Gerhart Maier durch den Abend
Gerhart Maier ist Mitglied des Gewer­be­ver­bandes und war lange Jahre 1.Vorsitzender des Tourismus Schleiß­heim e.V.

Dieser konnte dem Publikum auf der Bühne an Steh­ti­schen in alpha­be­ti­scher Reihen­folge der Nach­namen aufge­reiht, vier Kandi­daten präsen­tieren: Markus Böck, Dr. Ing. Casimir Katz, Harald Müller, Chris­toph Münster.

Ober­schleiß­heims drei amtie­rende Bürger­meister kandi­dieren erneut. Vlnr: Amtie­render 1. Bürger­meister Markus Böck (CSU), 3. Bürger­meister Dr. Ing. Casimir Katz (FDP), 2. Bürger­meister Harald Müller (SPD) und die große Hoff­nung der Grünen, Gemein­derat Chris­toph Münster

Und bevor es losging, gab es für alle ein beru­hi­gendes Frie­dens-Schnap­serl…

Und so stellten sich die Kandi­daten vor (verkürzt):

Markus Böck, CSU: Gebür­tiger Ober­schleiß­heimer, beruf­lich vom Schreiner zum Poli­zisten zum 1. Bürger­meister: “Erster Bürger­meister der Gemeinde Ober­schleiß­heim zu sein, erfüllt mich mit großem Stolz und das ist der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann! Man muss zwar hart arbeiten, aber mit diesem Amt kann man etwas bewegen. Ich möchte die wich­tigen, begon­nenen Projekte in einer zweiten Amts­zeit zu Ende bringen.”

Dr.Ing. Casimir Katz, FDP: Inge­nieur, Unter­nehmer, Ex-Chef einer Ober­schleiß­heimer Soft­ware­firma, im Unru­he­stand als 3. Bürger­meister mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund aus dem Badi­schen: “Meine Vision ist, dass Ober­schleiß­heim von der ‘armen Kirchen­maus’ wegkommt. Dazu braucht es aber mehr Gewerbe. Ich möchte unser neues Gewer­be­ge­biet (One-Health-Campus) weiter­ent­wi­ckeln und zum Erfolg bringen.”

Harald Müller, SPD: Wahl­ober­schleiß­heimer, Verwal­tungs­ju­rist und selbstlos: “Ich möchte mich für die immer gute und kolle­giale Zusam­men­ar­beit mit meinen Bürger­meis­ter­kol­legen bedanken, ich schätze Markus Böck sehr, er hat uns immer gut behan­delt.” Müllers Maxime für das Bürger­meis­teramt: Sparen, Sparen, Sparen. In seinen weiteren Ausfüh­rungen bat er um ein Listen­kreuz für seine starke SPD-Gemein­de­rats­liste auf dem Wahl­zettel.

Chris­toph Münster, Grüne: Hier geboren und aufge­wachsen, liebt Ober­schleiß­heim und möchte mit seinem beruf­li­chen Hinter­grund als Projekt­leiter und Prozess­op­ti­mierer für die Gemein­de­ver­wal­tung einen Master­plan entwi­ckeln: “Ich will, dass wir in der Verwal­tung wieder mehr Zeit haben, für Tätig­keiten, die uns finan­zi­ellen Mehr­wert bringen, ökolo­gi­schen Mehr­wert und auch sozialen Mehr­wert”. Und: Er werde alles für die Erhal­tung des Hallen­bades tun.

Im weiteren Verlauf des Abends beant­wor­teten die Kandi­daten reihum Fragen der Bürge­rinnen und Bürger, die im Vorfeld schrift­lich einge­reicht wurden.

Themen­kom­plexe: Soziales, Trans­pa­renz, Bürger­be­tei­li­gung, Verkehr, Straßen und-Unter­füh­rungsbau, Gewer­be­för­de­rung, Schule und Jugend, Zustand des Hallen­bades.

Für jede Antwort durfte man sich 2 Minuten Zeit nehmen, die vom “Buzzer-Team” Dekan Ulrich Kampe, Christa Kier­meier (Christ­li­ches Unter­neh­mer­netz­werk) und Mariana Lever­mann (stell­ver­tre­tende Vorsit­zende Gewer­be­ver­band) über­wacht wurden.

Mit dem Hinweis­schild, dass nun die letzten 30 Sekunden der Rede­zeit ange­bro­chen sind, regu­lierten sie das Zeit­ge­füge: vlnr. Dekan Uli Kampe, Christa Kier­meier und Mariana Lever­mann

Bürger­meis­ter­kan­di­da­ten­dis­kus­sion: Jeder Kandidat stimmt auf schwie­rige Zeiten ein

Von Stefan Bottler

Ein lang­fristig defi­zi­tärer Haus­halt, ständig wach­sende Verkehrs­ströme, schwie­rige Perso­nal­si­tua­tion im Rathaus. An Themen für die Podi­ums­dis­kus­sion der vier Bürger­meis­ter­kan­di­daten für die Kommu­nal­wahl am 8. März herrschte kein Mangel. Wie bei den letzten zwei Wahlen hatte der Gewer­be­ver­band Ober­schleiß­heim einge­laden: Gegen­über den Mode­ra­toren Gönke Klar und Gerhart Maier blickten Markus Böck (CSU, 1. Bürger­meister), Harald Müller (SPD, 2. Bürger­meister), Casimir Katz (FDP, 3. Bürger­meister) und Chris­toph Münster (Grüne, Gemein­derat) durchaus selbst­kri­tisch auf ihre bishe­rige Arbeit zurück und stimmte die Bürger auf schwie­rige Zeiten ein.

Im Fokus stand die sehr schwie­rige Finanz­si­tua­tion. „Wir haben in den letzten Jahren hand­werk­liche Fehler gemacht“, gestand Münster und erin­nerte unter dem Begriff “Plane­ritis” an millio­nen­schwere Planungs­aus­gaben für Projekte, die nicht oder nicht in abseh­barer Zeit reali­siert werden können. Böck wies auf uner­war­tete Gewer­be­steu­er­aus­fälle und Ausgaben beispiels­weise für das geplante Auto­bahn­klee­blatt nahe Baders­feld hin. „Unsere gute Haus­halts­pla­nung der letzten Jahre ist dadurch hinfällig geworden“, bedau­erte der Erste Bürger­meister.

An Verpflich­tungen, welche durch den vermehrten Zuzug von Bürgern anfallen, erin­nerte Katz. Eine solche Entwick­lung erhöhe zwar den Anteil von Ober­schleiß­heim an der Einkom­mens­steu­er­um­lage, habe aber auch zusätz­liche Ausgaben für Schulen, Kinder­gärten und andere Infra­struktur zur Folge. Auf florie­rende Einnahmen aus der Gewer­be­steuer sei die Gemeinde in Zukunft vermehrt ange­wiesen. Die Kandi­da­ten­runde setzte deshalb große Hoff­nungen auf das geplante Gewer­be­ge­biet südlich der B 471, aller­dings wird sich dessen Reali­sie­rung auch nach der Heraus­nahme der benö­tigten Flächen aus dem Land­schafts­schutz über Jahre hinziehen.

„Wir leben im Moment über unsere Verhält­nisse und müssen uns aufs Sparen konzen­trieren“, sagte  Müller und mahnte wie die anderen Kandi­daten die rich­tigen Prio­ri­täten an. Auf keinen Fall dürfe bei der Kinder­er­zie­hung gespart werden, Katz und Böck erin­nerten in diesem Kontext an das neue Kinder­haus, das die Gemeinde wegen der Betei­li­gung der privaten Bauträger der benach­barten Neubauten deut­lich weniger als geplant kostete.  Für die kommenden Jahre sicherten alle Kandi­daten  Inves­ti­tionen in die Schulen inklu­sive der außer­schu­li­schen Betreuung zu, deren Kapa­zi­täten wegen des Zuzugs neuer Einwohner in jedem Fall ausge­baut werden müssen.  

Ein promi­nentes Opfer des kommenden Spar­kurses zeichnet sich bereits ab. An der Schlie­ßung des Hallen­bads zum 1. April 2026 führt mutmaß­lich kein Weg vorbei. „Wir können dieses Defizit nicht länger stemmen“, bedau­erte Böck. Allen­falls eine Betei­li­gung der umlie­genden Gemeinden, deren Schulen und Vereine das Hallenbad regel­mäßig nutzen, am Defizit könne diese Einrich­tung retten. Solche Gelder hält Böck für wenig wahr­schein­lich und wurde hierin von Katz bestä­tigt, der auf den hohen Moder­ni­sie­rungs­be­darf des Hallen­bads aufmerksam machte. „Totge­sagte leben länger“, wider­sprach Müller und setzt auf eine noch­ma­lige Über­prü­fung der ange­fal­lenen Einnahmen und Ausgaben.

Eine wich­tige Rolle spielte die Verkehrs­po­litik mit den Dauer­bren­nern Bahn­un­ter­füh­rung und Umge­hungs­straße, die trotz des „drohenden Verkehrs­kol­lapses“ (Böck) weiter auf sich warten lassen.  Verschärft wird die Situa­tion durch die Sanie­rung des Alla­cher Tunnel ab 2028, die Ausweich­ver­kehre auf die B471 zur Folge haben werden. Trotzdem machten die Kandi­daten wenig Hoff­nung, dass Inter­ven­tionen in der über­re­gio­nalen Politik beide Projekte aktuell beschleu­nigen werden, und legten den Fokus auf örtliche Maßnahmen. Böck schließt ange­sichts der engen Park­platz­ka­pa­zi­täten eine Park­raum­be­wirt­schaf­tung nicht aus. Katz sprach sich für bessere Radver­bin­dungen nach Unter­schleiß­heim und München aus, Münster brachte zusätz­lich den geplanten On-Demand-Service FLEX für den Öffent­li­chen Nahver­kehr ins Spiel, den der Land­kreis flächen­de­ckend reali­sieren will. „Die großen Projekte bleiben Zukunfts­musik“, schloss Mode­rator Gerhart Maier Fort­schritte in der nächsten Legis­la­tur­pe­riode aus.  

Die Diskus­sion begann mit einem Thema, das mehr Bürgern als gedacht unter den Nägeln brennt. Seit Monaten ist das Sozi­alamt unbe­setzt. Die Kandi­daten wiesen unisono darauf hin, dass die Gemeinde frei­wil­lige Leis­tungen für das Land­ratsamt leiste, das eigent­li­cher Ansprech­partner für viele soziale Fragen sei. Für die Bürger sei jedoch ein persön­li­cher Ansprech­partner in der Gemeinde wichtig, weil der Gang zum Land­ratsamt am Maria­hilf­platz für viele eine „Zumu­tung“ sei, wie Gönke Klar formu­lierte. Jeder Kandidat sprach sich für eine schnelle Wieder­be­set­zung dieser „frei­wil­ligen Dienst­leis­tung“ aus, was aller­dings ange­sichts des Fach­kräf­te­man­gels nicht einfach ist.

Gewünscht ist auch eine bessere Kommu­ni­ka­tion mit den Bürgern und deren verstärkte Betei­li­gung. Bei der Gemeinde-Home­page sahen alle Teil­nehmer Verbes­se­rungs­po­ten­tial und wünschten deren Weiter­ent­wick­lung zum „Service-Portal“ (Münster), welche im Ideal­fall von einem Voll­zeit­mit­ar­beiter betreut werden müsse. Das jedoch schei­tert bislang an den Kosten. Ansonsten hakt es häufig im Kleinen, wie die jüngste Erhö­hung der Hunde­steuer zeigt. Von dieser haben viele Bürger erst im aktu­ellen Gebüh­ren­be­scheid erfahren, ohne dass diese Maßnahme näher begründet wurde. „Ein freund­li­ches Begleit­schreiben hätte wenig Aufwand und kein höheres Porto verur­sacht“, wunderte sich Klar.

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