Der Kampf um das Bürgermeisteramt 2026 wird unter vier Männern ausgetragen
Von Ingrid Lindbüchl
Bei der vom Gewerbeverband Oberschleißheim organisierten Podiumsdiskussion am Mittwochabend im Oberschleißheimer Bürgerhaus eröffnete die 1. Vorsitzende, Gönke Klar, als Moderatorin zusammen mit Co-Moderator Gerhart Maier (…“immer muss ich machen, was sie sagt”… Zwinker-Emotji) launig den mit Spannung erwarteten Abend vor rund 500 politisch interessierten Bürgerinnen und Bürgern.
“Oberschleißheim muss heute nicht gendern”, feixte sie und ordnete ihrem Co-Moderator Gerhart Maier die Begrüßung und Vorstellung der vier männlichen Bürgermeisterkandidaten an.


Dieser konnte dem Publikum auf der Bühne an Stehtischen in alphabetischer Reihenfolge der Nachnamen aufgereiht, vier Kandidaten präsentieren: Markus Böck, Dr. Ing. Casimir Katz, Harald Müller, Christoph Münster.

Und bevor es losging, gab es für alle ein beruhigendes Friedens-Schnapserl…

Und so stellten sich die Kandidaten vor (verkürzt):
Markus Böck, CSU: Gebürtiger Oberschleißheimer, beruflich vom Schreiner zum Polizisten zum 1. Bürgermeister: “Erster Bürgermeister der Gemeinde Oberschleißheim zu sein, erfüllt mich mit großem Stolz und das ist der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann! Man muss zwar hart arbeiten, aber mit diesem Amt kann man etwas bewegen. Ich möchte die wichtigen, begonnenen Projekte in einer zweiten Amtszeit zu Ende bringen.”
Dr.Ing. Casimir Katz, FDP: Ingenieur, Unternehmer, Ex-Chef einer Oberschleißheimer Softwarefirma, im Unruhestand als 3. Bürgermeister mit Migrationshintergrund aus dem Badischen: “Meine Vision ist, dass Oberschleißheim von der ‘armen Kirchenmaus’ wegkommt. Dazu braucht es aber mehr Gewerbe. Ich möchte unser neues Gewerbegebiet (One-Health-Campus) weiterentwickeln und zum Erfolg bringen.”
Harald Müller, SPD: Wahloberschleißheimer, Verwaltungsjurist und selbstlos: “Ich möchte mich für die immer gute und kollegiale Zusammenarbeit mit meinen Bürgermeisterkollegen bedanken, ich schätze Markus Böck sehr, er hat uns immer gut behandelt.” Müllers Maxime für das Bürgermeisteramt: Sparen, Sparen, Sparen. In seinen weiteren Ausführungen bat er um ein Listenkreuz für seine starke SPD-Gemeinderatsliste auf dem Wahlzettel.
Christoph Münster, Grüne: Hier geboren und aufgewachsen, liebt Oberschleißheim und möchte mit seinem beruflichen Hintergrund als Projektleiter und Prozessoptimierer für die Gemeindeverwaltung einen Masterplan entwickeln: “Ich will, dass wir in der Verwaltung wieder mehr Zeit haben, für Tätigkeiten, die uns finanziellen Mehrwert bringen, ökologischen Mehrwert und auch sozialen Mehrwert”. Und: Er werde alles für die Erhaltung des Hallenbades tun.
Im weiteren Verlauf des Abends beantworteten die Kandidaten reihum Fragen der Bürgerinnen und Bürger, die im Vorfeld schriftlich eingereicht wurden.
Themenkomplexe: Soziales, Transparenz, Bürgerbeteiligung, Verkehr, Straßen und-Unterführungsbau, Gewerbeförderung, Schule und Jugend, Zustand des Hallenbades.
Für jede Antwort durfte man sich 2 Minuten Zeit nehmen, die vom “Buzzer-Team” Dekan Ulrich Kampe, Christa Kiermeier (Christliches Unternehmernetzwerk) und Mariana Levermann (stellvertretende Vorsitzende Gewerbeverband) überwacht wurden.

Bürgermeisterkandidatendiskussion: Jeder Kandidat stimmt auf schwierige Zeiten ein
Von Stefan Bottler
Ein langfristig defizitärer Haushalt, ständig wachsende Verkehrsströme, schwierige Personalsituation im Rathaus. An Themen für die Podiumsdiskussion der vier Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl am 8. März herrschte kein Mangel. Wie bei den letzten zwei Wahlen hatte der Gewerbeverband Oberschleißheim eingeladen: Gegenüber den Moderatoren Gönke Klar und Gerhart Maier blickten Markus Böck (CSU, 1. Bürgermeister), Harald Müller (SPD, 2. Bürgermeister), Casimir Katz (FDP, 3. Bürgermeister) und Christoph Münster (Grüne, Gemeinderat) durchaus selbstkritisch auf ihre bisherige Arbeit zurück und stimmte die Bürger auf schwierige Zeiten ein.
Im Fokus stand die sehr schwierige Finanzsituation. „Wir haben in den letzten Jahren handwerkliche Fehler gemacht“, gestand Münster und erinnerte unter dem Begriff “Planeritis” an millionenschwere Planungsausgaben für Projekte, die nicht oder nicht in absehbarer Zeit realisiert werden können. Böck wies auf unerwartete Gewerbesteuerausfälle und Ausgaben beispielsweise für das geplante Autobahnkleeblatt nahe Badersfeld hin. „Unsere gute Haushaltsplanung der letzten Jahre ist dadurch hinfällig geworden“, bedauerte der Erste Bürgermeister.
An Verpflichtungen, welche durch den vermehrten Zuzug von Bürgern anfallen, erinnerte Katz. Eine solche Entwicklung erhöhe zwar den Anteil von Oberschleißheim an der Einkommenssteuerumlage, habe aber auch zusätzliche Ausgaben für Schulen, Kindergärten und andere Infrastruktur zur Folge. Auf florierende Einnahmen aus der Gewerbesteuer sei die Gemeinde in Zukunft vermehrt angewiesen. Die Kandidatenrunde setzte deshalb große Hoffnungen auf das geplante Gewerbegebiet südlich der B 471, allerdings wird sich dessen Realisierung auch nach der Herausnahme der benötigten Flächen aus dem Landschaftsschutz über Jahre hinziehen.
„Wir leben im Moment über unsere Verhältnisse und müssen uns aufs Sparen konzentrieren“, sagte Müller und mahnte wie die anderen Kandidaten die richtigen Prioritäten an. Auf keinen Fall dürfe bei der Kindererziehung gespart werden, Katz und Böck erinnerten in diesem Kontext an das neue Kinderhaus, das die Gemeinde wegen der Beteiligung der privaten Bauträger der benachbarten Neubauten deutlich weniger als geplant kostete. Für die kommenden Jahre sicherten alle Kandidaten Investitionen in die Schulen inklusive der außerschulischen Betreuung zu, deren Kapazitäten wegen des Zuzugs neuer Einwohner in jedem Fall ausgebaut werden müssen.
Ein prominentes Opfer des kommenden Sparkurses zeichnet sich bereits ab. An der Schließung des Hallenbads zum 1. April 2026 führt mutmaßlich kein Weg vorbei. „Wir können dieses Defizit nicht länger stemmen“, bedauerte Böck. Allenfalls eine Beteiligung der umliegenden Gemeinden, deren Schulen und Vereine das Hallenbad regelmäßig nutzen, am Defizit könne diese Einrichtung retten. Solche Gelder hält Böck für wenig wahrscheinlich und wurde hierin von Katz bestätigt, der auf den hohen Modernisierungsbedarf des Hallenbads aufmerksam machte. „Totgesagte leben länger“, widersprach Müller und setzt auf eine nochmalige Überprüfung der angefallenen Einnahmen und Ausgaben.
Eine wichtige Rolle spielte die Verkehrspolitik mit den Dauerbrennern Bahnunterführung und Umgehungsstraße, die trotz des „drohenden Verkehrskollapses“ (Böck) weiter auf sich warten lassen. Verschärft wird die Situation durch die Sanierung des Allacher Tunnel ab 2028, die Ausweichverkehre auf die B471 zur Folge haben werden. Trotzdem machten die Kandidaten wenig Hoffnung, dass Interventionen in der überregionalen Politik beide Projekte aktuell beschleunigen werden, und legten den Fokus auf örtliche Maßnahmen. Böck schließt angesichts der engen Parkplatzkapazitäten eine Parkraumbewirtschaftung nicht aus. Katz sprach sich für bessere Radverbindungen nach Unterschleißheim und München aus, Münster brachte zusätzlich den geplanten On-Demand-Service FLEX für den Öffentlichen Nahverkehr ins Spiel, den der Landkreis flächendeckend realisieren will. „Die großen Projekte bleiben Zukunftsmusik“, schloss Moderator Gerhart Maier Fortschritte in der nächsten Legislaturperiode aus.
Die Diskussion begann mit einem Thema, das mehr Bürgern als gedacht unter den Nägeln brennt. Seit Monaten ist das Sozialamt unbesetzt. Die Kandidaten wiesen unisono darauf hin, dass die Gemeinde freiwillige Leistungen für das Landratsamt leiste, das eigentlicher Ansprechpartner für viele soziale Fragen sei. Für die Bürger sei jedoch ein persönlicher Ansprechpartner in der Gemeinde wichtig, weil der Gang zum Landratsamt am Mariahilfplatz für viele eine „Zumutung“ sei, wie Gönke Klar formulierte. Jeder Kandidat sprach sich für eine schnelle Wiederbesetzung dieser „freiwilligen Dienstleistung“ aus, was allerdings angesichts des Fachkräftemangels nicht einfach ist.
Gewünscht ist auch eine bessere Kommunikation mit den Bürgern und deren verstärkte Beteiligung. Bei der Gemeinde-Homepage sahen alle Teilnehmer Verbesserungspotential und wünschten deren Weiterentwicklung zum „Service-Portal“ (Münster), welche im Idealfall von einem Vollzeitmitarbeiter betreut werden müsse. Das jedoch scheitert bislang an den Kosten. Ansonsten hakt es häufig im Kleinen, wie die jüngste Erhöhung der Hundesteuer zeigt. Von dieser haben viele Bürger erst im aktuellen Gebührenbescheid erfahren, ohne dass diese Maßnahme näher begründet wurde. „Ein freundliches Begleitschreiben hätte wenig Aufwand und kein höheres Porto verursacht“, wunderte sich Klar.




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