Der 14. Juli war der blitzreichste Tag des Sommers
Der meteorologische Sommer ist vorbei – und mit ihm liegt nun auch die Bilanz der Gewitteraktivität in Deutschland und Europa vor. Die Daten stammen vom Blitzortungsdienst Meteorage in Pau, einer Tochtergesellschaft von Météo-France. Das Unternehmen zählt zu den führenden Anbietern für die Ortung von Blitzen in Europa. Zwar zählt der zurückliegende Sommer nicht zu den blitzreichsten der vergangenen Jahre, dennoch sorgten mehrere markante Gewitterlagen für erhebliche Schäden: Massiver Hagel, heftige Sturmböen, Starkregen und vereinzelt sogar Tornados hinterließen Spuren – etwa im Verkehr, in der Energie- und Stromversorgung, sowie in der Landwirtschaft, wo vor allem Hagelschäden zu Buche schlugen. Von Juni bis August registrierte das Messnetz von Meteorage in Deutschland knapp 98.000 Wolken-Boden-Blitze.
⚡ Die wichtigsten Kennzahlen
Das Meteorage-Blitzortungsnetz registrierte zwischen dem 1. Juni und dem 31. August 2026 insgesamt 97.899 Wolken-Boden-Blitze (CG) in Deutschland.
Europaweit wurden im gleichen Zeitraum 893.458 Wolken-Boden-Blitze erfasst.
Deutschland belegt damit den 4. Platz in Europa, hinter Italien, Frankreich und Spanien.
Der Juni war der aktivste Monat des Sommers
Im Gegensatz zu mehreren anderen europäischen Ländern konzentrierte sich die Blitzaktivität in Deutschland vor allem auf den Beginn des Sommers.
Mit 47.053 Wolken-Boden-Blitzen war der Juni der gewitterreichste Monat der Saison und machte nahezu die Hälfte aller in Deutschland registrierten Wolken-Boden-Blitze aus.
Zum Vergleich:
- Juni: 47.053 Wolken-Boden-Blitze
- Juli: 28.682
- August: 22.164
Der Sommer war insbesondere in der zweiten Junihälfte von mehreren markanten Gewitterlagen geprägt.
Der 14. Juli war der blitzreichste Tag des Sommers
Der höchste Tageswert wurde am 14. Juli 2026 registriert:
⚡ 7.518 Wolken-Boden-Blitze
Weitere besonders aktive Tage waren:
- Juni: 7.035 Wolken-Boden-Blitze
- August: 5.885
Bayern und Baden-Württemberg an der Spitze
Die meisten Wolken-Boden-Blitze wurden in folgenden Bundesländern registriert:
- Bayern: 27.366
- Baden-Württemberg: 14.065
- Niedersachsen: 13.028
- Nordrhein-Westfalen: 6.818
- Sachsen: 5.935
Die Ergebnisse verdeutlichen die hohe Gewitteraktivität im Süden Deutschlands, insbesondere in den Alpenregionen und ihrem Vorland.
Die blitzreichsten Landkreise
Die höchsten Werte wurden in folgenden Landkreisen registriert:
- Cuxhaven (Niedersachsen): 1.360 Wolken-Boden-Blitze
- Oberallgäu (Bayern): 1.355
- Schleswig-Flensburg (Schleswig-Holstein): 1.302
- Rendsburg-Eckernförde (Schleswig-Holstein): 999
- Ludwigslust-Parchim (Mecklenburg-Vorpommern): 996
Unter den Großstädten verzeichnete München den höchsten Wert mit 439 Wolken-Boden-Blitzen während des Sommers 2026.
Blitzdichte: Ein besonders aussagekräftiger Indikator
Die derzeit aussagekräftigste Kennzahl zur Beschreibung der Gewitteraktivität ist die Blitzdichte, also die Anzahl der Wolken-Boden-Blitze pro Quadratkilometer und Jahr.
Sie ermöglicht einen objektiven Vergleich zwischen unterschiedlich großen Regionen.
In Deutschland lag die Blitzdichte im Sommer 2026 bei:
⚡ 1,09 Wolken-Boden-Blitzen pro km² und Jahr
⚡ Nsg = 1,30 Bodenkontaktpunkte pro km² und Jahr
Die höchsten Werte wurden vor allem in Süddeutschland registriert, insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg, wo Gewitter häufig durch die Kombination aus sommerlicher Instabilität und orografischen Effekten begünstigt werden.
Die Einschätzung unseres Experten
Für Joris Royet, Weather Project Manager bei Meteorage, zeichnete sich der Sommer 2026 vor allem durch die Schwere einzelner Ereignisse und weniger durch außergewöhnlich hohe Blitzzahlen aus:
„Der meteorologische Sommer 2026 war in Europa von zahlreichen schweren Gewitterereignissen geprägt. Mehrere Wetterlagen begünstigten die Entwicklung von Superzellen, die großen Hagel, zerstörerische Windböen und lokal sogar Tornados hervorbrachten.
Die elektrische Aktivität konzentrierte sich vor allem auf die zweite Junihälfte sowie auf einen besonders aktiven August, der von mehreren intensiven Gewitterwellen geprägt war.
Der Sommer 2026 verdeutlicht zudem starke regionale Unterschiede innerhalb Europas. Italien gehörte einmal mehr zu den blitzreichsten Ländern Europas und profitierte von einer Kombination aus sommerlicher Instabilität, mediterranen Luftmassen und günstigen topografischen Bedingungen.
Demgegenüber verzeichneten Portugal und der Südwesten Spaniens eine vergleichsweise geringe elektrische Aktivität. Die meteorologischen Bedingungen begünstigten die Entstehung schwerer Gewitter häufig vor den Wettersystemen und weniger in ihrem eigentlichen Zentrum.
Trotz mehrerer bemerkenswerter Ereignisse gehört der Sommer 2026 nicht zu den blitzreichsten Sommern der vergangenen Jahre. Die Blitzaktivität lag jedoch deutlich über dem Niveau des Sommers 2025.“
Diese Analyse basiert auf den seit 1989 vom Meteorage-Blitzortungsnetz erfassten Daten. Das Netzwerk erkennt mehr als 98 % aller Blitze und lokalisiert sie mit einer Genauigkeit von rund 100 Metern.
Clémence Mondon
METEORAGE — Responsable Communication




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