Flussuferläufer an der Isar (Foto: Fabian Unger)

Achtung Kies­brüter!

30.03.2026 | Landkreis, Umwelt, Aktuelles | 0 Kommentare

Brut­plätze seltener Vogel­arten im oberen Isartal wieder gesperrt

Mit dem Beginn des Früh­jahrs zieht es bei schönem Wetter viele Spazier­gän­ge­rinnen und Spazier­gänger sowie Sport­trei­bende in die Naherho­lungs­ge­biete. Dabei gelangen sie teil­weise auch in sensible Rück­zugs- und Fort­pflan­zungs­räume geschützter Tier­arten. Die Untere
Natur­schutz­be­hörde des Land­kreises München bittet deshalb insbe­son­dere in den kommenden Wochen um erhöhte Rück­sicht­nahme. Dies gilt vor allem für das Isartal, eines der meist­ge­nutzten Naherho­lungs­ge­biete in Stadt und Land­kreis München. Aufgrund seiner natur­nahen Struk­turen bietet der Talraum Lebens­raum für zahl­reiche seltene Arten.
Zum Schutz der beson­ders störungs­emp­find­li­chen Vogel­arten Fluss­ufer­läufer und Fluss­re­gen­pfeifer wurden geeig­nete Brut­plätze zwischen Kloster Schäft­larn und Buchen­hain mit Schil­dern sowie teil­weise mit Absperr­leinen gekenn­zeichnet.
Für diese Bereiche gilt vom 15. März bis zum 10. August ein abso­lutes Betre­tungs­verbot.

Stark bedrohte Vogel­arten
Noch bis ins 19. Jahr­hun­dert kenn­zeich­neten ausge­dehnte Schotter- und Sand­bänke die Isar­auen, die durch häufige Hoch­wasser ständig ihre Form, Ausdeh­nung und Lage verän­derten. Zahl­reiche Tier- und Pflan­zen­arten haben sich an die breiten, vege­ta­ti­ons­armen Kies­bänke und ‑inseln ange­passt und finden dort Fort­pflan­zungs- und Lebens­räume. Dazu zählen auch kies­brü­tende Vogel­arten wie Fluss­re­gen­pfeifer und Fluss­ufer­läufer, die auf dem grob­kör­nigen Substrat der unge­zähmten, viel­ar­migen Isar früher zahl­reiche Brut­plätze fanden.
Seit dem Ausbau und der Begra­di­gung des Fluss­laufs sowie dem Bau von Kraft­werken hat sich das Bild verän­dert. Nur noch wenige Schot­ter­flä­chen blieben erhalten, die durch vermin­derte Hoch­was­ser­er­eig­nisse zudem rasch verbu­schen. Die auf offene Fluss­auen spezia­li­sierten Arten verloren große Teile ihrer ange­stammten Lebens­räume.
Heute besteht ein großes Bewusst­sein für den Wert natur­naher Wild­fluss­auen für Biodi­ver­sität und Erho­lung. Seit Ende der 1980er Jahre wird der Isar abschnitts­weise wieder mehr Raum gegeben. Trotz dieser Maßnahmen sind die einst zahl­reich vorhan­denen Brut­plätze von Fluss­ufer­läufer und Fluss­re­gen­pfeifer weiterhin äußerst selten. Zudem geraten die wenigen verblie­benen Brut­plätze durch unge­lenkte Erho­lungs­nut­zung in Gefahr. Der Fluss­ufer­läufer reagiert beson­ders empfind­lich auf Störungen und flüchtet häufig bereits, wenn sich Menschen dem Brut­platz auf weniger als 100 Meter nähern. Die gut getarnten Gelege beider Arten sind auf dem kiesigen Unter­grund kaum zu erkennen und werden leicht zertreten. Wie ange­spannt die Lage vor allem für den Fluss­ufer­läufer ist, zeigen die Ergeb­nisse der jüngsten bayern­weiten
Bestands­er­fas­sung. Lag der Bestand im Jahr 2012 bei rund 150 Brut­paaren, ist er inner­halb von etwa zehn Jahren bis 2022 auf weniger als 100 Paare zurück­ge­gangen. Die Isar stellt dabei das wich­tigste verblie­bene Brut­ge­biet in Bayern dar. Können die Brut­plätze nicht wirksam geschützt werden, droht das Verschwinden dieser charak­te­ris­ti­schen Art der baye­ri­schen Wild­fluss­land­schaften.

Auch vom Fluss­re­gen­pfeifer gibt es in Bayern nur noch rund 1.000 Paare. Da die Art im Gegen­satz zum Fluss­ufer­läufer auch auf vom Menschen geschaf­fenen Kies­flä­chen abseits von Flüssen und Bächen, etwa in Kies­gruben brütet, ist ihre Situa­tion weniger kritisch.


Schutz­maß­nahmen und Rege­lungen unver­zichtbar
Die inten­sive Frei­zeit­nut­zung auf den Kies­bänken der Isar durch Bade­gäste und Spazier­gänger sowie das Anlanden von Boots­fah­rern stellen eine beson­dere Gefähr­dung dar. Um eine erfolg­reiche Brut zu ermög­li­chen, werden die Brut­be­reiche im Zeit­raum vom 15. März bis zum 10. August mit gelben Hinweis­schil­dern und Markie­rungs­bän­dern gekenn­zeichnet.

Gesperrte Kies­bank­be­reiche im südli­chen Isartal im Land­kreis München

Die abge­sperrten Brut­plätze dürfen weder von Land noch von der Wasser­seite aus betreten werden. Entlang des Fluss­laufs stehen ausrei­chend unkri­ti­sche Bereiche für die Erho­lungs­nut­zung zur Verfü­gung. Auch frei­lau­fende Hunde stellen eine Gefähr­dung dar und sind daher von den gesperrten Zonen fern­zu­halten. Das Feuer­ma­chen und Grillen ist außer­halb der ausge­wie­senen Bereiche grund­sätz­lich verboten.
Für den Erhalt dieser seltenen Vogel­arten der heimi­schen Wild­fluss­land­schaften zählt jeder einzelne Brut­platz. Das Land­ratsamt München bittet daher alle Besu­che­rinnen und Besu­cher, die Absper­rungen zu beachten und weist darauf hin, dass bei Verstößen gegen das Betre­tungs­verbot Geld­bußen ausge­spro­chen werden können.
Weitere Infor­ma­tionen zum Thema Kies­brüter und Isar erhalten Inter­es­sierte beim Land­ratsamt München unter der Tele­fon­nummer 089 6221 2637 oder per E‑Mail an naturschutz@lra‑m.bayern.de sowie unterwww.kiesbrueter.de. Die verlinkte Seite ist Teil des Arten­hilfs­pro­gramms Kies­brüter für kies­brü­tende Vogel­arten an Bayerns Flüssen.

Carina Ober­huber, Land­ratsamt München

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