Auf den Spuren der NS-Zwangsarbeit in Lohhof
Dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht nur an weit entfernten Orten geschahen, sondern auch ganz in unserer Nähe, wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eines geführten Rundgangs am Erinnerungsort Flachsröste Lohhof eindrucksvoll vor Augen geführt. Am Samstag, den 13. Juni, begaben sich zahlreiche Interessierte auf die Spuren jener Menschen, die zwischen 1940 und 1945 in Lohhof Zwangsarbeit leisten mussten.


Die seit 2023 bestehende dreiteilige Gedenkstätte erinnert an die Schicksale von hunderten Frauen und Männern, die während des Zweiten Weltkriegs in der Flachsröste arbeiteten. Am Ausgangspunkt des Rundgangs, dem Lohhofer Bahnhof, erhielten die Besucherinnen und Besucher Einblicke in die Geschichte des Ortes. Flachsfasern galten damals als kriegswichtiger Rohstoff. Um sie zu gewinnen, mussten die Pflanzen in einem aufwendigen Fäulnisprozess, dem sogenannten „Rotten“, bearbeitet werden – daher stammt auch der Name “Flachsröste“. Doch der Rundgang vermittelte weit mehr als Informationen und Hintergründe. Im Mittelpunkt standen die Schicksale der Menschen, die hier unter Zwang arbeiten mussten. Stellvertretend für die rund 350 namentlich bekannten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter stellte der Stadtführer vier von ihnen vor. Ihre Lebensgeschichten, illustriert anhand von Fotografien oder persönlichen Dokumenten wie Postkarten, machten die abstrakten Zahlen greifbar und verliehen den Opfern ein Gesicht.


Entlang des „Weges der Erinnerung“ finden sich weitere Elemente des Erinnerns: Schmale Stahlstreifen im Boden tragen die eingravierten Namen der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Ergänzt werden sie durch stilisierte blaue Flachsblüten.

Am Ende des Rundgangs richtet sich der Blick auf das ehemalige Gelände der Flachsröste. Dort ermöglicht ein digitaler Lernort einen Zugang zur Geschichte mit modernen Mitteln. Über einen QR-Code können Besucherinnen und Besucher die frühere Anlage auf dem Smartphone oder Tablet virtuell erkunden und zusätzliche Informationen abrufen. Gerade das Zusammenspiel aus fachkundiger Führung, historischen Hintergründen und persönlichen Lebensgeschichten macht den Erinnerungsort zu etwas Besonderem. Analoge und digitale Elemente ergänzen sich dabei zu einem vielschichtigen Zugang zur Geschichte. So wird die NS-Zwangsarbeit in Unterschleißheim nicht nur vermittelt, sondern auf berührende und nachhaltige Weise erfahrbar gemacht.
Nächste Veranstaltungen
Im Rahmen des ZAMMA-Festivals findet am 3. und 4. Juli 2026 der Workshop „Street Arttrifft Erinnerung“ für Jugendliche statt. Informationen und Anmeldemöglichkeiten gibt es unter denkmal.lohhof.de.
Der nächste öffentliche Rundgang am Erinnerungsort Flachsröste Lohhof wird am Samstag, 8. August 2026, um 10.30 Uhr angeboten. Treffpunkt ist die Bushaltestelle Lohhof Süd, Südliche Ingolstädter Straße 1 in Unterschleißheim. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Daniela Gragert




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