Fotomontage privat

Wenn der Kaiser beim Kurfürsten gastiert

31.05.2026 | Kultur & Freizeit, Persönlichkeiten | 4 Kommentare

Roland Kaiser gibt am 6.06.2026 ein riesiges Open-Air-Konzert im Schleiß­heimer Schloss­park

Unser Schloss­park Schleiß­heim hat schon so einiges gesehen: Menschen­an­samm­lungen bei kurfürst­li­chen Hoch­zeiten, bei elitären Adels­emp­fängen, beim alljähr­li­chen Land­tags­emp­fang, bei Konzerten aller Art — mit und ohne Feuer­werk. Nun aber toppt der Kaiser — Roland Kaiser — mit seinem Open-Air-Konzert am 6. Juni 2026 alles: Nicht 2000 Konzert­karten, nicht 5000, nein, von 7000 Karten ist die Rede. In Worten: Sieben­tau­send Konzert­karten hat das Veran­stalter-Duo Allgäu Concerts-Live und WoWeBa Live GmbH für dieses Groß­kon­zert auf den Markt geworfen (ursprüng­lich waren 9000 Plätze geplant).

“Dürfen die das?”, haben wir gefragt, denn bisher wurden derlei Ersu­chen auf Groß­ver­an­stal­tungen im Schleiß­heimer Schloss­park von der Schlösser-und Seen-Verwal­tung eher zimper­lich beant­wortet.

Und ja, sie dürfen, denn kein Gerin­gerer als der baye­ri­sche Finanz- und Heimat­mi­nister Albert Füra­cker, die oberste Instanz bei der Baye­ri­schen Schlösser- und Seen-Verwal­tung, hat sein OK gegeben. Es gäbe genü­gend Fläche für eine Bühne und auch Flucht­wege. Und über­haupt: ROLAND KAISER!!! Was für eine Werbung für unser Schloss!

Vor einigen Wochen saß man im Ober­schleiß­heimer Rathaus zur Lage­be­spre­chung zusammen, wo die beiden Veran­stalter der Gemeinde und der Schösser-und Seen-Verwal­tung ihr Konzept vorstellten, wie die Menschen­massen sicher nach und aus Ober­schleiß­heim gelangen sollen. Schon auf den Allianz-Arena-Park­plätzen sollen Auswär­tige parken und mit Shuttle Bussen nach Ober­schleiß­heim gebracht werden und die Flug­platz­runde soll ausnahms­weise geöffnet werden. Wie auch beim Sommer­fest des Land­tags sind dann umlie­gende Wiesen und Grün­flä­chen auf dem Schloss­ge­lände ausge­wie­sener Park­raum. Und viele kommen ja eh mit S‑Bahn, Bus und Fahrrad.

Ich denke, wir werden am 6.06.2026 unser blaues Wunder erleben, so oder so: Entweder das Konzept geht auf und alles klappt wie am Schnür­chen, oder aber auch nicht. Ober­schleiß­heim ist doch ohnehin schon eine verkehrs­ge­plagte Gemeinde, also was soll’s? “Manchmal möcht’ ich so gern mit Dir, das Wort Verkehrs­chaos buch­sta­bieren …”

Wenn dann der stets als Gentleman, im Drei­teiler geklei­dete Frau­en­lieb­ling die Bühne betritt und seine erotisch-schlüpf­rigen Lyrics in den nächt­li­chen Schloss­park hinein­singt, dann flippen seine Fans regel­mäßig aus. Die Krux bei diesem Konzert: Es gibt nichts woran sie sich fest­halten können, keinen Stuhl, keine Bank, keine Sitz­tri­büne, kein gar nichts. Alle müssen diesmal stehen, denn im Zuge der finalen Detail­pla­nung und Sicher­heits­prü­fung der Veran­stal­tungs­fläche hat sich heraus­ge­stellt, dass im Bereich der ursprüng­lich vorge­se­henen Sitz­tri­bünen unter­ir­di­sche Versor­gungs­lei­tungen verlaufen und somit die Trag­fä­hig­keit des Bodens nicht sicher­ge­stellt ist. Ich frage mich halt bloß, wo diese 9000 Menschen überall stehen sollen?

Ich sehe schon die Schloss­gärt­ne­rinnen- und gärtner, die sich in den letzten Wochen die Finger wund gepflanzt haben, dass die Blumen­ra­batte im Schloss­park zum Land­tags­emp­fang pico­bello aussehen, sich die Haare raufen und wie Roland Kaiser und Maite Kelly singen: “Warum hast Du nicht nein gesagt?!!” Spätes­tens wenn sich Fans mit Schloss­park­blüm­chen zwischen den Zähnen nach vorne an die Bühne kämpfen, weinen sie bitter­lich (die Gärtner): “Oh, Santa Maria!”

Aber ja, wir werden’s erleben. Menschen, die Roland Kaiser lieben, lieben auch schöne Orte wie unseren Schloss­park Schleiß­heim und werden nicht wie eine Bison­herde über alles hinweg walzen. Und ob die Schla­ge­rikone, die am 10. Mai ihren 74. Geburtstag gefeiert hat, uns noch einmal die Ehre gibt, hier aufzu­treten, ist nicht gewiss und sollte uns für diesen einen Tag über alle Unan­nehm­lich­keiten in Ober­schleiß­heim hinweg­sehen lassen…“Lieb’ mich ein letztes Mal”…

Ich hab im Übrigen heute auch eine Karte bekommen, von jemand der doch nicht stehen mag und morgen vergrabe ich für alle Fälle meinen Klapp­stuhl im Schloss­park.…;)) Zwin­kers­miley

Ingrid Lind­büchl

Beitrag teilen:

4 Kommentare

  1. Viel­leicht wäre genau dieses Roland-Kaiser-Konzert die Chance, einmal grund­sätz­lich darüber nach­zu­denken, wie Ober­schleiß­heim mit Besu­che­rinnen und Besu­chern, Kultur und mögli­chen Einnahmen umgeht.

    Schleiß­heim klagt über knappe Kassen, über eine schwie­rige Verkehrs­si­tua­tion und darüber, dass vieles nicht möglich sei. Gleich­zeitig lassen wir Chancen liegen, die andere Orte selbst­ver­ständ­lich nutzen: zusätz­liche Begrü­ßungs­banner, kleine Verkaufs­stände, schön heraus­ge­putzte Cafés, Ange­bote für Gäste, einfache Orien­tie­rung und ein Gefühl von Will­kommen.

    Keine Angst: Ober­schleiß­heim wird sicher nicht über Nacht Herren­chiemsee oder Neuschwan­stein. Dafür lassen wir ja ohnehin kaum Musiker vor dem Schloss zu, keine Souve­nir­läden entstehen und offenbar sollen Besu­che­rinnen und Besu­cher am liebsten nur zum Event kommen und danach sofort wieder abreisen.

    Aber was wäre, wenn man aus so einem Tag mehr machen würde?

    Was wäre, wenn Blumen­läden Blumen verkaufen könnten? Wenn kleine Stände mit Frisch­ge­tränken in Schloss­nähe erlaubt wären? Wenn Klapp­stühle, Regen­schirme, Ponchos oder ein kleines Schleiß­heim-Merchan­di­sing ange­boten würden? Wenn Park­plätze mit einer mode­raten Gebühr belegt würden – 2 Euro sind vieler­orts üblich, sogar auf Floh­märkten in München?

    Würden dadurch nicht zusätz­liche Einnahmen entstehen – für Betriebe, Vereine, die Gemeinde und am Ende viel­leicht sogar für die Wahr­neh­mung unseres Ortes?

    Natür­lich muss Verkehr gere­gelt werden. Natür­lich braucht es Sicher­heit, Rück­sicht auf den Schloss­park und klare Abspra­chen. Aber alles nur als Problem zu sehen, bringt Ober­schleiß­heim nicht weiter.

    Am Ende passiert sonst das Schlimmste: Einer der 7.000 oder 9.000 Gäste merkt sich Schleiß­heim als schönen Ort und kommt viel­leicht noch einmal wieder – sogar ohne Roland Kaiser. Viel­leicht folgen irgend­wann weitere Konzerte, weitere Kultur­ver­an­stal­tungen, neue Gäste, mehr Leben und ein biss­chen mehr Umsatz im Ort. Für unsere Kassen wäre das bestimmt eine Kata­strophe. 😉

    Viel­leicht wäre es klüger, nicht immer zuerst zu fragen, warum etwas nicht geht, sondern gemeinsam eine Stra­tegie zu entwi­ckeln, wie Schleiß­heim wieder attrak­tiver werden kann – für Besu­cher, für Betriebe und für uns selbst.

    Antworten
  2. „Wohin gehst Du“ singt der Kaiser — sind ja alles mobile Steh­platz-Karten­in­haber … sind wahr­schein­lich auf der Suche nach einer Toilette, dem Park­platz, dem Schie­nen­er­satz­ver­kehr, es irren 7.000 Fans durch Ober­schleiss­heim …

    Im Vorfeld war ich durch eine Panne (der Münchner Merkur hatte sich wegen der drohenden Absage auf unsere Helfer­kreis-Seite verirrt, die Jour­na­listin war ganz entsetzt! Die dama­lige Begrün­dung: fehlende Tribünen für Roll­stuhl­fahrer wegen der unter­ir­di­schen Versor­gungs­lei­tungen!) — aber der mitfüh­lende Roland darf doch seine Fans nicht enttäu­schen!

    „Money makes the world go around“, da muss der baye­ri­sche Finanz­mi­nister als oberster Dienst­herr der Schlösser- und Seen­ver­wal­tung natür­lich eingreifen …

    By the way: viel­leicht bleiben ja ein paar Brot­samen von der Miete in Ober­schleiß­heim und man besorgt ein paar Eimer Farbe, um den erbar­mungs­wür­digen Zustand der Stal­lungen des alten Schlosses „aufzu­hüb­schen“ …

    Antworten
    • Der Kaiser in Ober­schleiß­heim: ein Anlass, um die einge­schla­gene Glas­scheibe und völlig versiffte Orts­karte an der S‑Bahn Station zu repa­rieren?

      Antworten
  3. “Und viele kommen ja eh mit S‑Bahn, Bus und Fahrrad.”

    Das ist ein schöner Traum!

    Realis­tisch betrachtet werden dies aller­höchsten 10% machen und zwar dieje­nigen, die in der nähren Umge­bung wohnen. Alle anderen werden mit dem Auto kommen. Wer im Süden, Osten oder Westen von München, in Augs­burg, Rosen­heim, oder anderswo wohnt, wird kaum mit der Bahn nach München fahren, sich durch das Chaos am Haupt­bahnhof kämpfen und dann mit der S‑Bahn nach Ober­schleiß­heim fahren. Zumal die Chance nach Veran­stal­tungs­ende auf umge­kehrten Weg wieder nach Hause zu kommen, sehr gering sind. Außerdem sind die Fahr­zeiten mindes­tens doppelt so lange wie mit dem Auto.

    Seit rund 30 Jahren kommt dieses Thema regel­mäßig hoch und seit 30 Jahren wird der Fahrrad- und ÖPNV-Traum geträumt. (*) Seit 30 Jahren hat es die Gemeinde nicht geschafft, ein vernüf­tiges und funk­tio­nie­rendes Park­platz­kon­zept für Veran­stal­tungen zu schaffen. Immerhin und ganz stolz, wurde die wich­tigste und auch einzigste Zufahrt­straße zu den Park­plätzen zur Fahr­rad­zone erklärt. Klar, weil so der Traum, nun alle Besu­cher mit dem Fahrrad kommen.

    Seit Mai 2026 gibt es einen neuen Gemein­derat, Es ist an der Zeit, dieses Thema endlich anzu­gehen und ein auch in der Praxis funk­tio­nie­rendes Park­platz­kon­zept zu schaffen. Es kostet auch nicht viel Geld, sondern nur einen Blick auf die Realität.

    (*) Vor 40 Jahren hat die dama­lige Deut­sche Bundes­bahn, Bundes­bahn­di­rek­tion München, bei Groß­ver­an­stal­tungen in Ober­schleiß­heim Sonder­züge zwischen Haupt­bahnhof und Ober­schleiß­heim fahren lassen und vom S‑Bahnhof aus fuhren Pendel­busse. Eine ganz normale Bahn­fahr­karte war ausrei­chend. Undenkbar bei der heutigen Deut­schen Bahn.

    Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert