Zusammenhalten fürs Gewerbegebiet

Bei der Bürgerversammlung vor etwa 200 Besuchern am Mittwoch im Bürgerzentrum stellte Bürgermeister Markus Böck die aktuellen Themen und Projekte der Gemeinde vor. Angesichts der laufenden Debatten in den Medien vorab um das geplante neue Gewerbegebiet appellierte er, „zusammenzuhalten und versuchen, das hinzukriegen“.

Man sei angesichts der Konstellation mit dem Tierärztlichen Campus der Universität München nebenan „in der Lage, einen einmaligen Standort zu entwickeln“. Angesichts des anstehenden Bevölkerungszuwachses über mehrere Neubaugebiete in der Pipeline „bleibt es nicht aus, dass wir unsere Einnahmen steigern müssen“, sagte der Bürgermeister, „wir kommen sonst der Entwicklung nicht mehr hinterher“.

Einwände dagegen trug bei den Bürgerkommentaren Friederike Forster von der Bürgerinitiative „Klima & Naturschutz in Oberschleißheim“ vor. Hauptsächlich stört man sich am Standort im Landschaftsschutzgebiet und an der Erschließung von Osten über Veterinär- und St. Hubertus-Straße.

Wann diese Option dann über die geplante Haupterschließung von einer neuen Umgehungsstraße im Westen abgelöst werden könne, ist völlig offen. Böck räumte ein, dass der Entwicklungsstand bei der Planung dieser Umgehungsstraße „null“ sei, es gebe keinerlei Fortschritte.

Auch die in einem Bürgerentscheid schon 2019 geforderte Straßenunterführung der Bundesstraße B471 unter die Bahn treete weiter auf der Stelle. Das Staatliche Bauamt habe nun neue Bedenken wegen der Klassifizierung des Projekts angemeldet, sagte der Bürgermeister, das müsse erst wieder neu untersucht werden.

Andere Probleme mit dem Gewerbe artikulierte Mariana Levermann aus dem Vorstand des Gewerbeverbandes. Im Ort seien allmählich „die Geschäfte alle weg“, bedauerte sie, insbesondere in der einstigen Geschäftszeile der südlichen Mittenheimer Straße würden laufend einstige Läden durch neue Wohngebäude ersetzt.

Sie forderte das Rathaus auf, dagegen vorzugehen. Böck bedauerte, dass sich „die Eigentümer schön bedanken würden“, wenn ihnen die Gemeinde derartige Vorgaben machen würden. Und selbst wenn Gewerbeflächen geschaffen würden, sei „die Nutzung nicht beeinflussbar“.

Ein Lesermail

  1. Der Appell unseres Bürgermeisters, „zusammenzuhalten und das hinzukriegen“, soll nicht ungehört verhallen: „Ein“ Gewerbegebiet kann sicherlich die Finanznot der Gemeinde – nicht zuletzt durch die Greensill-Anlage veranlasst, wo Rücklagen von fast 5 Mio. € in den Sand gesetzt wurden, – teilweise lindern. Allerdings blieb meine Frage, in welcher Größenordnung Gewerbesteuer überhaupt erzielbar wäre, bisher unbeantwortet.

    Nur „das“ geplante Gewerbegebiet soll an einem „einmaligen Standort“ entstehen, nämlich am schlechtesten: Die katastrophale Verkehrssituation auf der B471 wird sich nochmals verstärken, die Veterinär- und St.-Hubertus-Straße werden zu hoch frequentierten Durchfahrtsstraßen umfunktioniert werden.

    Da die Entwicklung des Gewerbegebietes in 3 Stufen kommen soll und noch Jahre in Anspruch nehmen wird: Warum wird nicht darauf gedrungen, die Westumfahrung als erstes hinzukriegen? Die innere Struktur eines Gewerbegebietes kann unabhängig von einem Standort geplant werden. Stattdessen rennt man immer noch einer – aus Kostengründen unrealistischen – Straßenunterführung unter der Bahn nach, die zudem unserem Ort noch zusätzlichen Durchgangsverkehr aufhalsen würde.

    Herr Bürgermeister, auch ich habe einen Appell: Sie haben der ehemaligen Bayerischen Verkehrsministerin die Kostenübernahme für eine Machbarkeitsstudie dafür abgerungen – fragen Sie bitte bei Ihrem avisierten Gespräch mit deren Nachfolger Herrn Bernreiter, ob das Geld nicht besser für die Planung der Westumgehung angelegt wäre. Christian Bernreiter kommt ja aus der Kommunalpolitik und hat sicher den fachmännischen Blick für eine sinnvolle Ortsentwicklung – dann bin ich der erste, um mit Ihnen „zusammenzuhalten, und versuche nicht, sondern unterstütze Sie, dies hinzukriegen“ – nämlich ein Gewerbegebiet an einem „einmaligen“ Standort, für die Tierärztliche Fakultät gut erreichbar, dazwischen mit Studentenwohnheimen angereichert und innerörtlichen Durchgangsverkehr vermeidend.

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