Schlosswirtschaft verteuert sich um 50 Prozent

Die Schlosswirtschaft und damit ihr Biergarten bleibt auch in diesem Jahr geschlossen. Die seit 2018 laufende Sanierung der historischen Gaststätte hat sich neben der Verzögerung auch weiter verteuert.

Mit einem zweiten Nachschlag von 2,8 Millionen Euro kostet die Baumaßnahme nun 15,5 Millionen Euro. Gegenüber der Baufreigabe mit geschätzten Kosten von 10,3 Millionen Euro hat sich das Projekt damit um über 50 Prozent verteuert.

Begründet wird der zweite Nachtrag nach 2,4 Millionen Euro 2020 insbesondere mit den Lohn- und Material-Preissteigerungen am Bau. Auf 1,8 Millionen Euro addieren sich nach Angaben des Bayerischen Finanzministeriums alleine die Preissteigerungen bei den bislang vergebenen 98 Prozent der Aufträge.

Eine weitere knappe Million Euro sei notwendig geworden, weil auch seit 2020 nochmal unerwarteter Arbeitsbedarf in dem Altbau aufgetreten sei. So habe man etwa erst nach Abnahme der Dachziegel feststellen können, wie mangelhaft die Mauerschwellen gewesen seien, die Reparatur der Tragekonstruktion für das Dach habe ohne Rückbau im Bestand erfolgen müssen, weil historische Deckenbekleidungen entdeckt worden seien.

In der Küche seien die Durchlauferhitzer zunächst zu gering dimensioniert gewesen, für Heizkörper in mehreren Räumen fand sich kein Platz mehr, so dass Deckenheizungen installiert werden mussten. Und dann wurden von der Baustelle auch noch die Dachrinnen gestohlen.

Im Landtag haben die Grünen Stimmkreisabgeordneten das Vorgehen massiv kritisiert. „Es sieht so aus, als stolpere die Bauverwaltung von Problem zu Problem“, rügte der Oberschleißheimer Markus Büchler, „den Schaden haben die Steuerzahler.“

Trotz vier Jahren Planungvorlauf würden „alle Nase lang neue Probleme auf tauchen, die gute Planung im Vorfeld erkannt hätte“, sagte Büchler: „Ein Privatunternehmen, das so wirtschaften würde und keine konkreten Daten nennen kann, wäre längst pleite.“.

„Inzwischen kostet die Sanierung 50 Prozent mehr als geplant“, monierte die Direktabgeordnete für München-Nord, Claudia Köhler, „hätte die Staatsregierung von Anfang an die Maßnahme nicht auf die lange Bank geschoben, hätten wir viel Steuergeld gespart.“

Fertigstellung ist nun für November anvisiert, eröffnet soll 2023 werden. Ein neuer Pachtvertrag ist derzeit offenbar noch nicht geschlossen.

Das Finanzministerium hat dem Landtag vorgerechnet, dass die horrende Investition inclusive der beiden Nachträge nicht nur unter Denkmalschutzgründen zwingend sei, sondern sich auch betriebswirtschaftlich amortisiere. Angesichts des zu erwartenden Pachterlöses werde sich der investive Teil ohne Ausgaben für den Substanzerhalt in etwa 30 Jahren tragen.

Ein Lesermail

  1. Dafür, dass die „politische Kalkulation“ (so hat letztens unser Scheuer Andi den ersten Planungsansatz politisch gewollter Investitionen) um lächerliche 50 % übertroffen wurde, muss man das Finanzministerium fast schon loben.

    Ob die Amortisationszeit nicht mehr als 30 Jahre dauern wird – die Kalkulation der Pachterlöse wird sicher realistische Inflationsraten wie derzeit von 7-8 % enthalten; die kleine escape-Klausel „ohne Ausgaben für den Substanzerhalt“ = Nachbesserung der in der Sanierung abgelieferten Baumängel, wurde ja eingebaut. Und eine Bauzeitüberschreitung beträgt ja nur 1 Jahr, wenn man die Lockdowns abzieht – die Wirtschaft wär ja sowieso gleich nach geplanter Eröffnung geschlossen worden und mit Maske in den Biergarten gehen…

    Und mir ist’s eh Wurscht – wenn die nächste geplante Sanierung wirklich erst nach der Amortisationszeit kommen sollte, erleb ich’s eh nicht mehr und wegen der notwendigen Pachthöhe sich das Publikum nur mehr aus den Porsche- und Ferrari-fahrenden Schickimickis rekrutiert, geh ich eh nicht mehr hin…

    Obwohl: Wenn unser Büchler Markus als Ministerpräsident uns Ehrenamtliche mal zu einem „Dankeschön-Essen“ einlädt anlässlich der Tunnel-Einweihung…

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