‚One Health‘ ist auf dem Verfahrensweg

Das neue Gewerbegebiet südlich der Dachauer Straße ist nun konkret im Genehmigungsverfahren. Der Gemeinderat leitete mit 16:7 Stimmen das Verfahren zur Verankerung im Flächennutzungsplan ein, die Ausklammerung aus dem Landschaftsschutzgebiet „Münchner Norden“ und die Erstellung eines Bebauungsplans.

Der „One Health Technology Campus“ soll rund 15 Hektar Fläche westlich des Lehr- und Versuchsguts der Universität München umfassen. 23 Hektar Fläche müssen dafür aus dem Landschaftsschutz genommen werden.

Das Projekt sei in der Vorbereitungsphase jetzt „sehr intensiv mit allen beteiligten Behörden abgesprochen“, sagte Bürgermeister Markus Böck (CSU). Planerin Ingrid Dreer von „db stadtplan“ betonte, man habe „bestmöglich auf alle Belange Rücksicht genommen“.

So seien Sicherheitsabstände zum denkmalgeschützten Dachauer Kanal aus der Schlossanlage ebenso eingehalten wie zur nächsten Wohnbebauung in der Ertlsiedlung oder an der St. Hubertus-Straße, Biotope zwischen Uni-Campus und Gewerbegebiet seien aus dem Flächenumriss ausgeklammert worden.

Erschlossen werden soll das Gewerbegebiet über die Schnittstelle der Dachauer Straße mit der erhofften Umgehungsstraße von Westen. Dazu ist im Osten auch eine Anbindung an St. Hubertus- und Veterinärstraße vorgesehen.

Zum Auftakt der Sitzung hatte es in der Bürgerfragestunde massive Bedenken aus der Bürgerschaft gegen diese Pläne gegeben. Im Gemeinderat nannte Grünen-Sprecher Fritz-Gerrit Kropp diese Verkehrsanbindung „eine Katastrophe“.

Da es für die Umgehungsstraße auch nach Jahren des Wartens noch keinerlei verbindliches Verfahren gebe, „planen wir hier ins Blaue“, rügte er. Dass die östliche Anbindung über die St. Hubertus-Straße laut den Plänen nur eine untergeordnete Rolle spielen solle, sei Augenwischerei, monierte Gaby Hohenberger (Grüne): „Wenn die Erschließung mal da ist, ist die auch zementiert.“

Sie sah ihre Befürchtungen bestätigt, dass der heftig umstrittene Ausbau der Veterinärstraße mit der Abholzung der kompletten Baum-Allee dort der Erschließung des Gewerbegebiets diene; begründet worden war sie mit der Notwendigkeit für Begegnungsverkehr der Busse zum Uni-Campus.

Die Situierung des Gewerbegebiets wegen der Lage im Landschaftsschutzgebiet und der Verkehrsprobleme sei einfach ungeeignet, bilanzierten die Grünen und forderten eine Neuorientierung auf die einst abgelehnte Alternative südlich des Uni-Campus an der Sonnenstraße.

Auch Sebastian Riedelbauch (SPD) und Hans Negele (FW) lehnten die Pläne ab. An der Stelle würde „unberührte Landschaft zerstört“, sagte Negele, zudem seien in seiner Einschätzung „die versprochenen Gewerbesteuereinnahmen äußerst unsicher“.

CSU, FDP und die klaren Mehrheiten in FW und SPD billigten den Verfahrensstart. Man müsse den bereits in diversen Entscheidungen beschlossen Weg nun weitergehen, mahnte Peter Benthues (CSU), „und nicht in klein-klein zerreden“.

Casimir Katz (FDP) nannte die wiederkehrende Forderung, Entscheidungen neu zu fassen, „schlechten Stil“. Stefan Vohburger (FW) wandte sich gegen den Einwand seines Fraktionskollegen Negele und erinnerte, dass zehn Hektar des benötigten Geländes derzeit als Ackerfläche genützt würde; das sei wohl „ökologisch nicht so hochwertig“.

Der Gemeinderat hatte bereits die „asto business group“ aus Gilching mit der Standortentwicklung beauftragt. Die hat mittlerweile eine „asto One Health & Technology Campus GmbH & Co kG“ etabliert, um das Projekt abzuwickeln.

Das Gewerbegebiet soll in mehreren Etappen und Bauabschnitten ausgebaut werden. Von der Baufreigabe ab rechnen die Projektentwickler mit mindestens fünf bis zehn Jahren Wachstumsphase. Der gesamte Grund ist noch in staatlichem Besitz.

(Die Grafik der Gemeinde zeigst gestrichelt den Umgriff des Gewerbegebiets. Rechts ist der Uni-Campus und das Lehr- und Versuchsgut. Darüber verläuft die Dachauer Straße mit der Ertlsiedlung an der Nordseite. Am linken Bildrand sind die Ausläufer der künftigen Autobahnzufahrt zu sehen und daneben die vermutete Umgehungsstraße mit ihrer Anbindung an die Dachauer Straße und das neue Gewerbegebiet.)

4 Lesermails

  1. Die Stadt Mainz hat ein Gewerbesteueraufkommen von 1.09 Milliarden Euro. Dank einer wohlbekannten Firma, die sich mit Impfstoffen befasst.

    So viel brauchen wir natürlich nicht. Aber etwas Nachdenken ist da schon erlaubt.

  2. Wenn ich mir die Äußerungen des Bürgermeisters so anschaue, frage ich mich, ob er gerne im Blindflug unterwegs ist. Nach meinen Informationen ist

    1.) das Kleeblatt zwar in der Planung, aber bisher in keinster Weise vor der Realisierung. Wer weiß, ob die Planung Bestand hat und nicht nur ein Lippenbekenntnis ist.

    2.) somit die Erschließung des Gewerbegebietes über das Kleeblatt fraglich. Für mich nur ein Wunschdenken, aber keine konkreten Fakten.

    3.) für mich wird der Landschaftsschutz mit Füßen getreten. Es gibt andere Möglichkeiten, ein Gewerbegebiet zu kreieren. Aber da sprechen persönliche Betroffenheiten dagegen.

    4.) eine Realisierung dieses Gewerbegebietes für mich fraglich.

    5.) ein Gewerbegebiet südlich das Campus zu Zeiten von Altbürgermeisterin Ziegler bereits geplant worden. …und haben wir es? …wurde es umgesetzt? Hier wäre eine Realisierung ohne Einschränkung möglich.

    6.) es fragwürdig und bedenklich, wenn ich ohne konkrete Genehmigungen einen Entwickler beauftrage. Kann es sein, dass die Gemeinde in Geld schwimmt…? Konventionalausgaben?

  3. Schön, dass wir ein neues Gewerbegebiet bekommen.

    Schön, dass wir ein „Kleeblatt“ und eine 6-spurige Autobahn bekommen.

    Schön, dass wir eine „Umgehungsstraße“ mit einem davor gelagerten kleinen „Kleeblatt“ bekommen.

    Schön, wenn wir noch einen Tunnel für die B471 bekommen.

    Von den Planern wird ja „bestmöglich auf alle Belange Rücksicht genommen“ = die gesetzlich festgelegten Richtwerte werden nicht überschritten. Der Verkehr wird zwar weiter zunehmen (alles zur Meidung des Allacher Tunnels wird genutzt werden), es wird also ein „bisserl“ lauter vor allem im Ertlgebiet werden – was rechnerisch wie bei der Autobahn nach Mühldorf ja erträglich ist (vor vielen Jahren gab’s mal ein Fensterförderprogramm – Ingenieure haben am Stutenanger auf der rechten Seite eine höhere Lärmimmision ermittelt und damit Förderfähigkeit errechnet als auf der linken Seite).

    Und wenn die Staatsstraße nicht bis Neuherberg verlängert wird und der Tunnel kommt, werden Laster und weiterer Lieferverkehr ab Lustheim den Berglwald bewundernd, an Altschleissheim vorbeifahrend, noch einen letzten Blick aufs Schloss erhaschend, in den Tunnel ungebremst Richtung Dachau ziehen.

    Und die Veterinärstraße wird – anders als uns verkauft – nicht dem ÖPNV dienen, sondern dem Lieferverkehr fürs Gewerbegebiet dienen.

    Ich bin nicht grundsätzlich gegen ein Gewerbegebiet oder Überlegungen, wie verlagere ich Verkehr. Aber es sollte schon eine Komplettlösung her, die die Belange von uns betroffenen Bürgern nicht nur „berücksichtigt“ sondern alle (!) möglichst schützt – also kein Tunnel (den die Verkehrsplanung des Gewerbegebietes gar nicht berücksichtigt!), eine Verlängerung der Staatsstraße bis Neuherberg, Emissionsschutz über gesetzliche Werte hinaus (z.B. Geschwindigkeitsbegrenzungen) statt Immissionsschutz wie Lärmschutzfenster, komplettes und kontrolliertes Durchfahrverbot für Laster, engmaschige Kontrolle, dass im Gewerbegebiet angesiedelte Betriebe den Vorgaben entsprechen…

    Ökologisch gesehen haben wir die Wahl zwischen Erhalt eines Naturschutzgebietes oder ortsnaher Ansiedlung für den Campus notwendiger Betriebe – und Dauerdurchfahrt/Dauerstau über die B471 oder einem verkehrsberuhigten Oberschleißheim. Aber bitte nicht auf Kosten der westlichen Wohngebiete!

    Uns Einzelmaßnahmen im Vorfeld stückweise zu präsentieren (Ausbau Veterinärstraße ist ein Muss wegen des ÖPNV), fügt sich nahtlos in den Stil der „großen Politik“ ein.

  4. Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist,
    werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.

    Weisssagung der Cree

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