Generationendialog bei Kaffee und Kuchen im Planet ‘O’
Wenn ältere Menschen über junge Menschen reden, dann kann das recht unfreundlich sein. Schon Sokrates, der ja als einer der weisesten Männer ever gilt, soll vor rund 2500 Jahren gesagt haben, die “heutige Jugend” tauge nichts, habe keine Manieren, sei faul und selbstsüchtig.
Falls er das wirklich so gesagt hat, war es nicht besonders weise von einem Mann, der den Dialog, also das Gespräch miteinander, zur höchsten philosophischen Kunstform entwickelt hat. Dass jede “heutige Jugend” bei solchen Sprüchen zornig wird, lässt sich nachvollziehen. Man muss miteinander und nicht nur übereinander reden, damit der Friede erhalten bleibt. Auch das lässt sich am Weltgeschehen jederzeit nachvollziehen.
Der Einfluss von Oberschleißheim auf das Weltgeschehen hält sich selbstverständlich in Grenzen, aber der Einfluss auf das Ortsgeschehen und den Zusammenhalt in der Gemeinde auch zwischen den Generationen liegt in den Händen von vielen engagierten Mitgliedern der Gemeinde, von Vereinen und anderen Institutionen. Dazu gehören auch Brigitte Scholle vom VdK und Deniz Dadli von der Jugendfreizeitstätte Planet ‘O’. Sie laden regelmäßig zum Generationencafé ein, zum Austausch von Meinungen und Erfahrungen zwischen Jung und Alt, bei Kaffee und Kuchen im Planet ‘O’. Sie haben diese Treffen erfunden.
Am Samstag, dem 12.10.2024, fand wieder ein solches Generationencafé statt. Aus dem Gemeinderat nahmen Gaby Hohenberger von den Grünen und Harald Müller, Zweiter Bürgermeister von der SPD, teil. Dass Gemeinderatsmitglieder anwesend waren, wurde sehr begrüßt. Ich war zum ersten Mal dabei und begeistert über die lebhafte Kommunikation, die dort stattgefunden hat.
Nicht, weil alles Friede, Freude, Eierkuchen war: im Gegenteil, wir Älteren waren in der Überzahl, gerieten prompt in ein Streitgespräch untereinander und handelten uns den Ordnungsruf ein, wir sollten mit den Jungen und nicht über sie reden. Gespräch heißt eben auch Streitgespräch.
Unter der Moderation von Deniz Dadli kamen viele Probleme zur Sprache, mit denen sich junge Menschen heute angesichts der Situation in den Familien und der Probleme in der Wirtschaft herumschlagen müssen.
Auch über Wahlverhalten, Engagement in der Politik und die wachsende Toleranz gegenüber Gewalt wurde heftig diskutiert. Junge Menschen haben nicht mehr viel Interesse an Parteiarbeit, interessieren sich mehr einzelne Sachthemen. Dass gerade die demokratischen Parteien sich noch erheblich mehr für Kinder und Jugendliche einsetzen, aktiv auf sie zugehen und sich mit ihnen austauschen müssen, darüber bestand auch in dieser Runde Einigkeit.
Dass die Jugend für unsere Zukunft steht, das ist eine Binsenweisheit. Wenn in Zeiten knapper Kassen dann ausgerechnet bei Bildung und Jugendarbeit gespart wird, kommt das nicht gut an und ist auch einfach unklug. Der Hinweis, dass es noch viel schlimmere Zeiten gab und dass man auch dankbar sein müsse für das, was man habe, ist da eher nicht zielführend oder stimmungsfördernd, selbst wenn er manchen von uns Älteren vielleicht auf der Zunge liegt.
Andrea Wörle
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