Foto: VdK Oberschleißheim

Redet mit uns und nicht über uns!

19.10.2024 | Lokale Initiativen | 0 Kommentare

Gene­ra­tio­nen­dialog bei Kaffee und Kuchen im Planet ‘O’

Wenn ältere Menschen über junge Menschen reden, dann kann das recht unfreund­lich sein. Schon Sokrates, der ja als einer der weisesten Männer ever gilt, soll vor rund 2500 Jahren gesagt haben, die “heutige Jugend” tauge nichts, habe keine Manieren, sei faul und selbst­süchtig.

Falls er das wirk­lich so gesagt hat, war es nicht beson­ders weise von einem Mann, der den Dialog, also das Gespräch mitein­ander, zur höchsten philo­so­phi­schen Kunst­form entwi­ckelt hat. Dass jede “heutige Jugend” bei solchen Sprü­chen zornig wird, lässt sich nach­voll­ziehen. Man muss mitein­ander und nicht nur über­ein­ander reden, damit der Friede erhalten bleibt. Auch das lässt sich am Welt­ge­schehen jeder­zeit nach­voll­ziehen.

Der Einfluss von Ober­schleiß­heim auf das Welt­ge­schehen hält sich selbst­ver­ständ­lich in Grenzen, aber der Einfluss auf das Orts­ge­schehen und den Zusam­men­halt in der Gemeinde auch zwischen den Gene­ra­tionen liegt in den Händen von vielen enga­gierten Mitglie­dern der Gemeinde, von Vereinen und anderen Insti­tu­tionen. Dazu gehören auch Brigitte Scholle vom VdK und Deniz Dadli von der Jugend­frei­zeit­stätte Planet ‘O’. Sie laden regel­mäßig zum Gene­ra­tio­nen­café ein, zum Austausch von Meinungen und Erfah­rungen zwischen Jung und Alt, bei Kaffee und Kuchen im Planet ‘O’. Sie haben diese Treffen erfunden.

Am Samstag, dem 12.10.2024, fand wieder ein solches Gene­ra­tio­nen­café statt. Aus dem Gemein­derat nahmen Gaby Hohen­berger von den Grünen und Harald Müller, Zweiter Bürger­meister von der SPD, teil. Dass Gemein­de­rats­mit­glieder anwe­send waren, wurde sehr begrüßt. Ich war zum ersten Mal dabei und begeis­tert über die lebhafte Kommu­ni­ka­tion, die dort statt­ge­funden hat.

Nicht, weil alles Friede, Freude, Eier­ku­chen war: im Gegen­teil, wir Älteren waren in der Über­zahl, gerieten prompt in ein Streit­ge­spräch unter­ein­ander und handelten uns den Ordnungsruf ein, wir sollten mit den Jungen und nicht über sie reden. Gespräch heißt eben auch Streit­ge­spräch.

Unter der Mode­ra­tion von Deniz Dadli kamen viele Probleme zur Sprache, mit denen sich junge Menschen heute ange­sichts der Situa­tion in den Fami­lien und der Probleme in der Wirt­schaft herum­schlagen müssen.

Auch über Wahl­ver­halten, Enga­ge­ment in der Politik und die wach­sende Tole­ranz gegen­über Gewalt wurde heftig disku­tiert. Junge Menschen haben nicht mehr viel Inter­esse an Partei­ar­beit, inter­es­sieren sich mehr einzelne Sach­themen. Dass gerade die demo­kra­ti­schen Parteien sich noch erheb­lich mehr für Kinder und Jugend­liche einsetzen, aktiv auf sie zugehen und sich mit ihnen austau­schen müssen, darüber bestand auch in dieser Runde Einig­keit.

Dass die Jugend für unsere Zukunft steht, das ist eine Binsen­weis­heit. Wenn in Zeiten knapper Kassen dann ausge­rechnet bei Bildung und Jugend­ar­beit gespart wird, kommt das nicht gut an und ist auch einfach unklug. Der Hinweis, dass es noch viel schlim­mere Zeiten gab und dass man auch dankbar sein müsse für das, was man habe, ist da eher nicht ziel­füh­rend oder stim­mungs­för­dernd, selbst wenn er manchen von uns Älteren viel­leicht auf der Zunge liegt.

Andrea Wörle

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