Leserbrief von Thomas Neumann
Seit vielen Jahren war der Isarkanal, der durch Lustheim fließt, ein kleines Juwel – ein echtes Paradies für Anwohner, Sommerfrischler und Angler gleichermaßen. Die Menschen sprangen vergnügt ins kühle Wasser, Angler harrten geduldig im Schatten der Büsche auf den ersehnten Fang, und das Bootfahren der Kinder sorgte für eine heitere Kulisse. Ein kleines, fast idyllisches Szenario, das sich die Lustheimer durch liebevolle Pflege erhalten hatten. So mähte mancher seinen Rasen zum Wasser hin, pflanzte ein paar Sträucher oder baute gar kleine Stege. Es war fast so, als würden die Anwohner Freude daran haben, ihre Umwelt zu verschönern – naiv, könnte man sagen.
Doch dann kam die große Erkenntnis: Diese charmante, gewachsene Ufergestaltung passte so gar nicht in das Konzept der „Schlosskonformität“. Schließlich kann ja nicht jeder daherkommen und einfach etwas Schönes erschaffen! Vor ein paar Jahren wurde bereits zaghaft darüber diskutiert, dass die Grünflächen nicht dem erhabenen Anspruch des Schlossensembles entsprachen – doch jetzt hat man Nägel mit Köpfen gemacht.
Im Namen der „Renaturierung“ – was für ein wunderbares Wort! – wurde dem wilden Treiben der Lustheimer endlich ein Ende gesetzt. Kein liebevoll gepflegtes Ufer mehr, keine schattigen Büsche für Tiere oder Angler, keine Stege, kein Platz für gemütliche Plaudereien am Wasser. Stattdessen: kahlgeschlagene Böschungen, sorgsam aus dem Boden ragende Baumstumpfreste und ein Anblick, der an eine gut gesicherte Schutzzone erinnert. Fast erwartet man, dass irgendwo ein Schild mit „Betreten verboten – Lebensgefahr“ auftaucht.
Der Boden ist nun schön aufgeraut, die Pflanzen sorgfältig zerfetzt – der neue Look könnte als moderne Interpretation eines Minenfelds durchgehen. Die Natur wird sich sicher bedanken, ebenso die Tiere, die einst im Schutz der Sträucher am Wasser lebten. Und auch die Angler werden sich freuen, denn ab jetzt dürfen sie ihren Sonnenschirm mitbringen – schließlich muss man ja flexibel sein.
Ob es eine kluge Entscheidung war, die komplette Begrünung zu entfernen? Nun, das steht natürlich nicht in meinem Ermessen. Aber eines kann ich mit Sicherheit sagen: Der verantwortliche Entscheider war mit Sicherheit weder ein besonderer Feingeist noch ein liebevoller Landschaftsarchitekt.
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