Erster Spatenstich für das Zentralgebäude und Richtfest für Anatomie und Pathologie
Wer die Baufortschritte auf dem neuen Campus der tierärztlichen Fakultät in Oberschleißheim beobachtet, möchte gar nicht glauben, dass es in Deutschland so etwas wie eine Baukrise gibt. Im Juli 2024 gab es den ersten Spatenstich für das neue Gebäude, in dem Pathologie und Anatomie gemeinsam unterkommen sollen, am 18. Februar 2025 wurde das Richtfest für den Rohbau gefeiert. Und am selben Tag fand auch der erste Spatenstich für das neue Zentralgebäude mit Bibliothek, Mensa, Hörsälen, Skill-Labs und Verwaltung statt.
Die neuen Gebäude seien nicht nur von wissenschaftlichem Standpunkt her auf höchstem Niveau in der Tiermedizin, sondern auch, was die Energieeffizienz angeht, mit regenerativer Energie aus dem Grundwasser und PV auf dem Dach. Die Synergie von Pathologie und Anatomie sei innovativ und zeige beispielhaft den führenden Status der größten tierärztlichen Fakultät in Deutschland und Europa. Der neue Campus der LMU in Oberschleißheim sei ein zentraler Beitrag zur Stärkung des Wissenschaftsstandorts Bayern, so konnte man erfahren. Bisher sei das Bauvorhaben unfallfrei, termingerecht und entsprechend dem Kostenplan vorangeschritten. Ab dem Jahr 2027 solle der Studienbetrieb im Wesentlichen in Oberschleißheim stattfinden.


Eine solche Gleichzeitigkeit von Spatenstich und Richtfest habe es bei so einem Bauvorhaben auch noch nie gegeben, meinte LMU-Präsident Prof. Bernd Huber bei seiner Begrüßung, die zugleich auch eine seiner letzten Amtshandlungen vor dem Ruhestand ist. Und so hatten sich für die “Two-in-one-Feier” gleich zwei bayerische Staatsminister eingefunden, um den Anlass zu würdigen: Wissenschaftsminister Markus Blume und Bauminister Christian Bernreiter, der die Festrede hielt.
Es gab zudem Ansprachen und Grußworte von Thomas Jenkel, dem Leiter des zuständigen Staatlichen Bauamtes, von Dr. Casimir Katz, dem 3. Bürgermeister der Gemeinde Oberschleißheim, der an diesem Tag für den erkrankten 1. Bürgermeister Markus Böck einsprang, und Prof. Reinhard Straubinger, dem Dekan der Tierärztlichen Fakultät.
Der Oberschleißheimer Gemeinderat war vertreten durch Irene Beck, Irene Bogdain und Dr. Fritz-Gerrit Kropp. Dazu kamen zahlreiche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Universität, der Planer, der Baufirmen, Bauarbeiter und Handwerker, die an dem Projekt beteiligt sind.
Die Außentemperatur war eher frostig, als sich alle zum ersten Spatenstich vor der Baugrube für das Zentralgebäude versammelten, aber die Laune war gut und die Sonne schien. Und Begleitmusik gab es auch von Florian Da Waitler, der mit seinem Akkordeon und in einer Kurzledernen (!) — Waitler sind wetterfest — die Veranstaltung begleitete.



Trotzdem waren alle froh, als man sich für den zweiten Teil der Reden in den neuen Rohbau begab. Dort gibt es ein Foyer mit eleganter Rotunde, das extra für die Veranstaltung mit mobilen Heizgeräten erwärmt wurde und in dem für den Richtschmaus aufgedeckt war. Eine Bar gab’s auch. Das Nahrungsangebot war handfest und traditionell, was Minister Bernreiter, der eher zur “Wurstfraktion” gehört, scherzhaft gegenüber Minister Blume hervorhob, mit der Behauptung, bei dessen Veranstaltungen gebe es auch mal Sellerie-Carpaccio.
Bevor man sich aber auf den Richtschmaus stürzen konnte, wurde noch das Richtfest gefeiert, wie es sich gehört, mit einem gereimten Richtspruch vom Zimmermann und einem Glas Schnaps, das am Ende zerschmettert wurde. Allerdings nicht auf dem Dach, sondern vor der Westseite des Gebäudes. Auf dem Dach hätten die Anwesenden auch nichts mitgekriegt. Aber man konnte zusehen, wie ein riesiger Kran die Richtkrone nach oben schweben ließ.


Hauptthema aller entsprechend euphorischen Reden war die planerische, organisatorische, bauliche und nicht zuletzt finanzielle Leistung (Gesamtinvestition 1 halbe Milliarde Euro), auf der das komplizierte Projekt basiert, und der Dank an die zahlreichen Beteiligten für die gute Kooperation. Dekan Straubinger erlaubte sich sogar einen kühnen Rückgriff auf die alten Römer. Selbstverständlich wurde auch die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde Oberschleißheim gelobt. Die gefällten Alleebäume an der Veterinärstraße kamen nicht zur Sprache.
3. Bürgermeister Casimir Katz wusste — insbesondere in seiner Eigenschaft als Bauingenieur — die angesprochenen Leistungen ebenfalls angemessen zu würdigen. Die Bayern hätten ja schon zu Zeiten der Wittelsbacher bewiesen, dass sie bauen können. Das könne man unter anderem in Oberschleißheim bewundern.
Aber er wies auch darauf hin, dass es in der Zusammenarbeit mit der Gemeinde noch Lücken gibt: Der Staat zahle ja für das Gelände keine Steuern an die Gemeinde, nicht mal Grundsteuer. Die Gemeinde müsse aber trotzdem die zusätzlichen infrastrukturellen Aufgaben, die mit dem neuen Campus einhergehen, stemmen. Nach wie vor sei die Nutzung des geplanten Gewerbegebiets an der B471, die auf einer Zielvereinbarung aus dem Jahr 2014 beruhe, noch nicht freigegeben und potentielle Investoren warteten darauf.
Nach meinen persönlichen Beobachtungen machen solche “kleinen” kommunalen Anliegen nicht viel Eindruck. Aber wer weiß — wir leben ja in Zeiten von “Zeitenwenden” -, vielleicht ändert sich das.
Andrea Wörle
Immer wieder schön, wie in Oberschleissheim Baufortschritte gefeiert werden — insbesondere wenn wir ausnahmsweise Unterschleißheim den Rang ablaufen und „Universitätsstadt“ pardon leider nur Universitäts-Standort werden.
Zurecht beklagt Andrea Wörle das eher taube Ohr der feiernden Prominenz für die eher „kleinen“ kommunalen Anliegen. So fällt halt auch die Unterbringung der vielen Studenten nicht in die Zuständigkeit des Wissenschaftsministers: von einem Studentenwohnheim ist weit und breit nichts zu hören …
Und die vielen Hilfskräfte, die über keine Professorengehälter verfügen, werden sicherlich bei dem neu entstehenden Wohnraum unterkommen? Die Preisliste der neuen Wohnungen macht mir da wenig Hoffnung und Hausmeister im Homeoffice sind mir noch nicht untergekommen.
„Feste feiern“ sollte man in diesen schwierigen Zeiten immer — nur die sich folgenden „kleinen“ Anliegen der Betroffenen sich auch zu eigen machen und an den Lösungen lange „feste arbeiten“ …