Fotos: privat

Auf dem Tier­me­dizin-Campus der LMU in Ober­schleiß­heim werden weitere Baufort­schritte gefeiert

19.02.2025 | Schule & Universität | 1 Kommentar

Erster Spaten­stich für das Zentral­ge­bäude und Richt­fest für Anatomie und Patho­logie

Wer die Baufort­schritte auf dem neuen Campus der tier­ärzt­li­chen Fakultät in Ober­schleiß­heim beob­achtet, möchte gar nicht glauben, dass es in Deutsch­land so etwas wie eine Baukrise gibt. Im Juli 2024 gab es den ersten Spaten­stich für das neue Gebäude, in dem Patho­logie und Anatomie gemeinsam unter­kommen sollen, am 18. Februar 2025 wurde das Richt­fest für den Rohbau gefeiert. Und am selben Tag fand auch der erste Spaten­stich für das neue Zentral­ge­bäude mit Biblio­thek, Mensa, Hörsälen, Skill-Labs und Verwal­tung statt.

Die neuen Gebäude seien nicht nur von wissen­schaft­li­chem Stand­punkt her auf höchstem Niveau in der Tier­me­dizin, sondern auch, was die Ener­gie­ef­fi­zienz angeht, mit rege­ne­ra­tiver Energie aus dem Grund­wasser und PV auf dem Dach. Die Synergie von Patho­logie und Anatomie sei inno­vativ und zeige beispiel­haft den führenden Status der größten tier­ärzt­li­chen Fakultät in Deutsch­land und Europa. Der neue Campus der LMU in Ober­schleiß­heim sei ein zentraler Beitrag zur Stär­kung des Wissen­schafts­stand­orts Bayern, so konnte man erfahren. Bisher sei das Bauvor­haben unfall­frei, termin­ge­recht und entspre­chend dem Kosten­plan voran­ge­schritten. Ab dem Jahr 2027 solle der Studi­en­be­trieb im Wesent­li­chen in Ober­schleiß­heim statt­finden.

Eine solche Gleich­zei­tig­keit von Spaten­stich und Richt­fest habe es bei so einem Bauvor­haben auch noch nie gegeben, meinte LMU-Präsi­dent Prof. Bernd Huber bei seiner Begrü­ßung, die zugleich auch eine seiner letzten Amts­hand­lungen vor dem Ruhe­stand ist. Und so hatten sich für die “Two-in-one-Feier” gleich zwei baye­ri­sche Staats­mi­nister einge­funden, um den Anlass zu würdigen: Wissen­schafts­mi­nister Markus Blume und Baumi­nister Chris­tian Bern­reiter, der die Fest­rede hielt.

Es gab zudem Anspra­chen und Gruß­worte von Thomas Jenkel, dem Leiter des zustän­digen Staat­li­chen Bauamtes, von Dr. Casimir Katz, dem 3. Bürger­meister der Gemeinde Ober­schleiß­heim, der an diesem Tag für den erkrankten 1. Bürger­meister Markus Böck einsprang, und Prof. Rein­hard Strau­binger, dem Dekan der Tier­ärzt­li­chen Fakultät.

Der Ober­schleiß­heimer Gemein­derat war vertreten durch Irene Beck, Irene Bogdain und Dr. Fritz-Gerrit Kropp. Dazu kamen zahl­reiche Mitar­beiter und Mitar­bei­te­rinnen der Univer­sität, der Planer, der Baufirmen, Bauar­beiter und Hand­werker, die an dem Projekt betei­ligt sind.

Die Außen­tem­pe­ratur war eher frostig, als sich alle zum ersten Spaten­stich vor der Baugrube für das Zentral­ge­bäude versam­melten, aber die Laune war gut und die Sonne schien. Und Begleit­musik gab es auch von Florian Da Waitler, der mit seinem Akkor­deon und in einer Kurz­le­dernen (!) — Waitler sind wetter­fest — die Veran­stal­tung beglei­tete.

Trotzdem waren alle froh, als man sich für den zweiten Teil der Reden in den neuen Rohbau begab. Dort gibt es ein Foyer mit eleganter Rotunde, das extra für die Veran­stal­tung mit mobilen Heiz­ge­räten erwärmt wurde und in dem für den Richt­schmaus aufge­deckt war. Eine Bar gab’s auch. Das Nahrungs­an­gebot war hand­fest und tradi­tio­nell, was Minister Bern­reiter, der eher zur “Wurst­frak­tion” gehört, scherz­haft gegen­über Minister Blume hervorhob, mit der Behaup­tung, bei dessen Veran­stal­tungen gebe es auch mal Sellerie-Carpaccio.

Bevor man sich aber auf den Richt­schmaus stürzen konnte, wurde noch das Richt­fest gefeiert, wie es sich gehört, mit einem gereimten Richt­spruch vom Zimmer­mann und einem Glas Schnaps, das am Ende zerschmet­tert wurde. Aller­dings nicht auf dem Dach, sondern vor der West­seite des Gebäudes. Auf dem Dach hätten die Anwe­senden auch nichts mitge­kriegt. Aber man konnte zusehen, wie ein riesiger Kran die Richt­krone nach oben schweben ließ.

Haupt­thema aller entspre­chend eupho­ri­schen Reden war die plane­ri­sche, orga­ni­sa­to­ri­sche, bauliche und nicht zuletzt finan­zi­elle Leis­tung (Gesamt­in­ves­ti­tion 1 halbe Milli­arde Euro), auf der das kompli­zierte Projekt basiert, und der Dank an die zahl­rei­chen Betei­ligten für die gute Koope­ra­tion. Dekan Strau­binger erlaubte sich sogar einen kühnen Rück­griff auf die alten Römer. Selbst­ver­ständ­lich wurde auch die gute Zusam­men­ar­beit mit der Gemeinde Ober­schleiß­heim gelobt. Die gefällten Allee­bäume an der Vete­ri­närstraße kamen nicht zur Sprache.

3. Bürger­meister Casimir Katz wusste — insbe­son­dere in seiner Eigen­schaft als Bauin­ge­nieur — die ange­spro­chenen Leis­tungen eben­falls ange­messen zu würdigen. Die Bayern hätten ja schon zu Zeiten der Wittels­ba­cher bewiesen, dass sie bauen können. Das könne man unter anderem in Ober­schleiß­heim bewun­dern.

Aber er wies auch darauf hin, dass es in der Zusam­men­ar­beit mit der Gemeinde noch Lücken gibt: Der Staat zahle ja für das Gelände keine Steuern an die Gemeinde, nicht mal Grund­steuer. Die Gemeinde müsse aber trotzdem die zusätz­li­chen infra­struk­tu­rellen Aufgaben, die mit dem neuen Campus einher­gehen, stemmen. Nach wie vor sei die Nutzung des geplanten Gewer­be­ge­biets an der B471, die auf einer Ziel­ver­ein­ba­rung aus dem Jahr 2014 beruhe, noch nicht frei­ge­geben und poten­ti­elle Inves­toren warteten darauf.

Nach meinen persön­li­chen Beob­ach­tungen machen solche “kleinen” kommu­nalen Anliegen nicht viel Eindruck. Aber wer weiß — wir leben ja in Zeiten von “Zeiten­wenden” -, viel­leicht ändert sich das.

Andrea Wörle

Beitrag teilen:

1 Kommentar

  1. Immer wieder schön, wie in Ober­schleiss­heim Baufort­schritte gefeiert werden — insbe­son­dere wenn wir ausnahms­weise Unter­schleiß­heim den Rang ablaufen und „Univer­si­täts­stadt“ pardon leider nur Univer­si­täts-Standort werden.

    Zurecht beklagt Andrea Wörle das eher taube Ohr der feiernden Promi­nenz für die eher „kleinen“ kommu­nalen Anliegen. So fällt halt auch die Unter­brin­gung der vielen Studenten nicht in die Zustän­dig­keit des Wissen­schafts­mi­nis­ters: von einem Studen­ten­wohn­heim ist weit und breit nichts zu hören …

    Und die vielen Hilfs­kräfte, die über keine Profes­so­ren­ge­hälter verfügen, werden sicher­lich bei dem neu entste­henden Wohn­raum unter­kommen? Die Preis­liste der neuen Wohnungen macht mir da wenig Hoff­nung und Haus­meister im Home­of­fice sind mir noch nicht unter­ge­kommen.

    „Feste feiern“ sollte man in diesen schwie­rigen Zeiten immer — nur die sich folgenden „kleinen“ Anliegen der Betrof­fenen sich auch zu eigen machen und an den Lösungen lange „feste arbeiten“ …

    Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert