Herzog Wilhelm V. von Bayern (1548-1626)

Kunst­mäzen und Glau­bens­ei­ferer: Zum 400. Todestag von Herzog Wilhelm V. von Bayern (1548–1626)

06.02.2026 | Schlösser & Museen | 0 Kommentare

Wilhelm V., “der Fromme”, starb in Schleiß­heim im Alter von 77 Jahren

Herzog Wilhelm V. von Bayern war ein bedeu­tender Förderer von Kunst und Archi­tektur, der die Resi­denz München und die Burg Traus­nitz in Landshut maßgeb­lich baulich prägte und den Grund­stein für Schleiß­heim als herzog­liche Resi­denz legte. Aus Anlass des 400. Todes­tages am 7. Februar 1626 erin­nert die Baye­ri­sche Schlös­ser­ver­wal­tung an den baye­ri­schen Herzog.

Geboren wurde Wilhelm V. als Sohn des Kunst und Musik liebenden Herzogs Albrecht V. und der Habs­burger Kaiser­tochter Anna von Öster­reich. Bereits im Alter von 19 Jahren wurde der junge baye­ri­sche Erbprinz 1568 poli­tisch vorteil­haft vermählt. Die Renais­sance-Fest­lich­keiten seiner Hoch­zeit mit der loth­rin­gi­schen Prin­zessin Renata in München fanden inter­na­tio­nale Beach­tung. Bis heute rufen die Glocken­spiel-Figuren des Münchner Rathauses diese präch­tige Hoch­zeit täglich in Erin­ne­rung.

Das junge Erbprin­zen­paar etablierte am gemein­samen Wohn­sitz, der Burg Traus­nitz in Landshut, einen glän­zenden Musenhof. Dieser verän­derte das Aussehen der Burg nach­haltig im Geiste der italie­ni­schen Renais­sance. Davon künden – trotz der Verluste des verhee­renden Burg­brandes von 1961 – der „Italie­ni­sche Anbau“ und die berühmte Narren­treppe, die Szenen aus der Commedia dell’arte zeigt. Der Bilder­zy­klus der Treppe gilt als früheste male­ri­sche und einzige monu­men­tale Umset­zung dieses frivolen, italie­ni­schen Steg­reif­thea­ters, das beson­ders promi­nent anläss­lich der Münchner Hoch­zeit des Paares aufge­führt worden war.

Im Oktober 1579 trat Wilhelm die Nach­folge seines verstor­benen Vaters Albrecht V. als Herzog an. Auch in München ließ der neue Herzog die in Landshut erprobten Künstler arbeiten und baute den ererbten Regie­rungs­sitz zu einer modernen Schloss­an­lage aus. Wilhelm verlieh dem inno­va­tiven Samm­lungs­ge­bäude seines Vaters, dem Anti­qua­rium, seine heutige Gestalt. Unter der Feder­füh­rung seines Kunst­in­ten­danten Fried­rich Sustris ließ er es in einen prächtig deko­rierten Fest­saal im spät­ba­ro­cken Stil des Manie­rismus umge­stalten. Direkt daneben wurde in der Art italie­ni­scher Villen­bauten der intime Grot­tenhof mit einem mytho­lo­gi­schen Bild­pro­gramm voll poli­ti­scher Anspie­lungen errichtet, in dessen angren­zenden Flügeln sich die neuen herzog­li­chen Wohn­räume erstreckten. Wilhelm V. berief auch den in Florenz ausge­bil­deten Nieder­länder Hubert Gerhard und dessen Kollegen Carlo di Cesare del Palagio nach München. Sie schmückten die Gärten und Fassaden mit monu­men­talen Bron­ze­skulp­turen, die in dieser Art dies­seits der Alpen kaum bekannt waren. Die Origi­nale können heute in den Bron­ze­sälen des Resi­denz­mu­seums besich­tigt werden.

Der Herr­scher war nicht nur welt­li­chen Genüssen zuge­wandt: Schon früh widmete sich der immer wieder von Anfällen schwerer „Melan­choley“ geplagte Wittels­ba­cher poli­tisch und künst­le­risch seinem Seelen­heil. Hiervon zeugen bis heute nicht zuletzt der präch­tige Reli­qui­en­schatz in der Resi­denz München oder die berühmte, juwe­len­ver­zierte St. Georg­sta­tu­ette in der Schatz­kammer. Als enga­gierter und macht­voller Unter­stützer der katho­li­schen Gegen­re­for­ma­tion förderte Wilhelm V. die Jesui­ten­mis­sion in Bayern und errich­tete dem Orden die präch­tige und hoch­mo­derne Micha­els­kirche im Zentrum seiner Resi­denz­stadt. Im „Kölner Krieg“ von 1583 bis 1588 sicherte er das einfluss­reiche Kölner Fürst­erz­bistum für die katho­li­sche Partei und instal­lierte dort seinen jüngeren Bruder Ernst als geist­li­chen Kurfürsten, dem bis Mitte des 18. Jahr­hun­derts fünf weitere Wittels­ba­cher Prinzen als Erzbi­schöfe folgen sollten.

Nicht verwun­der­lich, dass dieses viel­fäl­tige poli­ti­sche und kultu­relle Enga­ge­ment Wilhelms V. sich als sehr kost­spielig erwies: Nach­haltig über­an­strengte der Herzog seine und Bayerns Ressourcen. Gewal­tige Projekte wie das figu­ren­reiche Bron­ze­grabmal, das er sich und seiner Gemahlin in St. Michael errichten lassen wollte, blieben unvoll­endet. Den Staats­bank­rott vor Augen, gedrängt von seinen Räten und geplagt von Depres­sionen sowie reli­giösen Skru­peln entschied sich Wilhelm V. in den 1590er Jahren dazu, seinem Sohn Maxi­mi­lian I. noch zu Lebzeiten schritt­weise die Regie­rungs­ver­ant­wor­tung zu über­tragen. Am 15. Oktober 1597 erfolgte schließ­lich die formelle Abdan­kung. Der resi­gnierte Herzog zog sich in seinen klos­ter­ähn­li­chen Alters­wohn­sitz neben der Jesui­ten­kirche zurück, in die weit­läu­fige Wilhel­mi­ni­sche Festung, die später auch Maxburg genannt wurde.

Wohl noch eindrück­li­cher verweist die Grün­dung Schleiß­heims auf die Hinwen­dung Wilhelms V., der den Beinamen „der Fromme“ trägt, zur reli­giösen Kontem­pla­tion: Bereits ab 1595 erwarb er in Schleiß­heim mehrere Klausen und Kapellen, die mit Wasser­künsten, Figu­ren­au­to­maten und Glocken­spielen ausge­stattet wurden. Nach seiner Abdan­kung ließ er ab 1598 ein schlichtes Herren­haus errichten, das sein Sohn später durch einen aufwen­di­geren Neubau ersetzte. Wilhelm V. starb in Schleiß­heim im Alter von 77 Jahren.

Im heutigen „Alten Schloss“ Schleiß­heim erin­nert die Wilhelms-Kapelle an den Alt-Herzog, der nach seiner Resi­gna­tion bis zu seinem Tod noch drei Jahr­zehnte im Hinter­grund der Landes­po­litik und in der Kunst­för­de­rung präsent blieb. Seit 2025 ist die Wilhelm­ska­pelle wieder mit dem origi­nalen, aufwändig restau­rierten Altar­ge­mälde von Peter Candid ausge­stattet, das den Hl. Wilhelm von Mala­valle in Anbe­tung der Gottes­mutter zeigt.

Links zu den Schlös­sern Wilhelms V.:
Baye­ri­sche Schlös­ser­ver­wal­tung | Schlösser | Burg Traus­nitz
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Pres­se­stelle der Baye­ri­schen Schlös­ser­ver­wal­tung

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