Finanzen, Haushaltslöcher, Bauvorhaben, Bürgeranliegen
Vorspann aus der Redaktion: Weil ich aus gesundheitlichen Gründen länger pausieren musste, erfolgt meine Berichterstattung ziemlich spät. Danke für Ihr Verständnis und herzlichen Dank an dieser Stelle an das Team von schleissheimer-zeitung.de, Ingrid Lindbüchl und Rudolf Frankl, die meinen Ausfall vorbildlich und selbstlos kompensiert haben.
Bei der Oberschleißheimer Bürgerversammlung am 26.11.2025 war der Bürgersaal mehr oder weniger bis auf den letzten Stuhl gefüllt. Auf der Tagesordnung standen wie immer der Bericht des Bürgermeisters, eine Rede von Landrat Christoph Göbel und der Bericht von Polizei (Stefan Schraut) und Feuerwehr (Thomas Laser).
Die vollständige Präsentation finden Sie auf der Homepage der Gemeinde unter dem Stichwort Bürgerversammlung-2025. Polizei und Feuerwehr sind einen eigenen Bericht wert. Zu Beginn der Veranstaltung rief Bürgermeister Markus Böck noch zu einer Gedenkminute für das hochverdiente verstorbene Gemeindemitglied Rudolf Batzer auf.
Die schlechte Nachricht zuerst: Wegen sinkender Einnahmen und steigender Kosten gibt es für die Haushaltsplanung der Kommune 2026 derzeit noch ein Defizit von 3 Mio Euro. Dass da ein Problem ansteht (gelinde gesagt), hatte Markus Böck ja schon in einem offenen Brief mitgeteilt.
Das Defizit ergibt sich unter anderem aus erheblichen Gewerbesteuerrückzahlungen. Die Planung für diese Einnahmen war zu optimistisch. Die Kosten für Personal- und Sachaufwand sowie soziale Leistungen sind wie überall gestiegen. Seit Jahren gehen die Einnahmen der Kommunen im Vergleich zu den Ausgaben nach unten. Das ist alles hinlänglich bekannt.
Die Kreisumlage, die zur Finanzierung für den Landkreis (dazu die Pflegedienstleistungen des Bezirks) fällig wird, steigt ebenfalls (1/4 der Einnahmen). Landrat Göbel erläuterte in seinem Referat die Haushaltslage im Landkreis und zeigte auf, welches Volumen alleine die Pflichtaufgaben (Schulen, ÖPNV) inzwischen haben. Der Haushalt des Landkreises umfasst 1 Milliarde Euro, davon 600 Mio. für die Pflichtaufgaben. Für OSH steigen die Zahlungen von 10,4 auf 11,6 Mio Euro.
Die Haushaltsplanung für 2026 in Oberschleißheim hat begonnen. Damit befasst sich zunächst der Finanzausschuss und dann der Gemeinderat. Wie das 3‑Mio-Loch zu stopfen ist, wird sich zeigen. Die Beiträge aus dem staatlichen Sondervermögen alleine werden nicht helfen. Sie werden nach dem Königssteiner Schlüssel (Einwohnerzahl) verteilt und davon werden dann etwa 230.000 Euro in Oberschleißheim landen.
Sparmaßnahmen sind unvermeidlich, auch wenn das eine Nachricht sei, die keiner hören wolle. Markus Böck artikulierte Optimismus: “Wir werden auch diese Krise meistern.” Es sei gut gewirtschaftet worden. So habe die Gemeinde 2025 von dem bewilligten Kreditvolumen von 10,5 Mio de facto nur 2,3 Mio Euro aufgenommen.
Die guten Nachrichten: Damit befasste er sich natürlich erheblich lieber, noch dazu im Hinblick auf den anstehenden Kommunalwahlkampf.
Ausführlich stellte Böck die diversen Wohnungsbauvorhaben vom Quartier Mittenheim (50 % mietpreisgedämpft) über den Penny (Zugriff der Gemeinde auf 14 Wohnungen) bis zum Schäferanger (alles Eigentum) vor. Der Penny sei nun aus Oberschleißheim gar nicht mehr wegzudenken. Auch das Mitarbeiterhaus am Frauenfeld mit seinen 11 Wohnungen sei endlich fertig und werde schon bezogen (leider mehr als doppelt so teuer wie geplant). Die Spaten-Tochter Sedlmayer werde 2026 einen Bauantrag für 55 Wohnungen auf dem Gelände neben dem Penny stellen. Und der LMU-Campus eröffne sowieso jedes Jahr ein neues Gebäude.
Was den zusätzlichen PKW-Verkehr angeht, der ja unvermeidbar ist, so verlässt sich Böck auf eine rasche Umsetzung der geplanten Westumgehung (soll neuerdings im Verkehrswegeplan priorisiert sein). Hier steht auch noch ein weiteres Problem am Horizont. Der Allacher Tunnel soll ab 2030 saniert werden und ist dann für Jahre nur einspurig befahrbar. Deswegen werde staatlicherseits nun auch der Ausbau der A 92 (Autobahnkreuz) forciert.
Das neue Kinderhaus ( für 6 Gruppen mit insgesamt 110 Kindern) an der Prof.-Otto-Hupp-Str. sei wie geplant im September 2026 bezugsfertig und liege zudem bei den Kosten 1 Mio unter Plan. Es sei sehr erfreulich, dass kein Kind in OSH auf einen Kita-Platz warten müsse.
Derzeit seien 67 % der Gemeinde glasfaservenetzt. Bis Sommer 2026 sollen es 100 % sein.
Zwei große Projekte seien in Planung, für 2026 die Kommunale Wärmeplanung (Ansprechpartner 3. Bürgermeister Casimir Katz) und auch die Höhenfreimachung für den Bahnübergang, die im 2. Quartal 2026 den Bürgern vorgestellt werden soll. In beiden Fällen würden die Planungskosten der Gemeinde vollständig ersetzt.
Weitere gute Nachrichten: Ausbau der Ladesäulen, die “super” genutzt werden. 10 Wanderbäume angeschafft, die flexibel eingesetzt werden könne, zur Verbesserung des Gemeinde-Klimas.
Sehr erfreulich sei auch die Ernennung zur Fairtrade-Gemeinde, bei der diverse Betriebe, Gastronomie-Betriebe und auch Vereine (“faire” Bälle bei Phönix und TSV) mitmachen. Freiflächen-PV werde weiter ausgebaut.
Dass es in Oberschleißheim ab 2026 nun endlich eine Demenz-WG (für 10 Personen) gebe, sei ebenfalls ein großer Fortschritt, auf den lange hingearbeitet worden sei.
Zur langfristigen Weiterentwicklung der Gemeinde will sich Oberschleißheim am Strategieprogramm ISEK (Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept) beteiligen, das auch auf Bürgerbeteiligung setzt.
Markus Böck bedankte sich für das tolle Engagement in der Gemeindeverwaltung für die Vorbereitung der Präsentation (Doris Rohe, Christiane Gmoch und Larissa Mäder) und im Lenkungskreis Energie + Klima (ehrenamtlich). Ohne die großartige ehrenamtliche Unterstützung von Bürgerinnen und Bürgern sei vieles gar nicht möglich.
Notfallvorsorge: Auf ehrenamtlichen Engagement beruht auch die Notfall-Vorsorgeberatung Schleißheim (NVBS, kontakt@nvbs.info), die auf die aktualisierte, überall und auch im Internet verfügbare Neuausgabe der Broschüre “Vorsorgen für Krisen und Katastophen”, z. B. längerer Stromausfall, vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz hinwies, die sie durch sehr nützliche zusätzliche Tipps ergänzt hatte.
Bürgerwünsche: Im Anschluss an den offiziellen Teil meldeten sich noch einige Bürgerinnen und Bürger zu Wort, um auf Missstände oder wünschenswerte Verbesserungen hinzuweisen: das nach wie vor nicht besetzte Sozialamt, notwendige Parkverbote, Straßen, die derart zugeparkt sind, dass nicht mal das Laub geräumt werden kann, kein PV auf öffentlichen Gebäuden (Bauhof), Schneidearbeiten während der Brutzeit, Lärmschutz an der Bahn, “Wildbiesler”, weil es keine öffentliche Toilette gibt, Lautsprecherdurchsagen, die man in höheren Stockwerken nicht hört, die mit Graffiti zugeschmierte Radunterführung.
Andrea Wörle




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