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Aus der Bürger­ver­samm­lung 2025 in Ober­schleiß­heim

08.12.2025 | Aktuelles | 0 Kommentare

Finanzen, Haus­halts­lö­cher, Bauvor­haben, Bürger­an­liegen

Vorspann aus der Redak­tion: Weil ich aus gesund­heit­li­chen Gründen länger pausieren musste, erfolgt meine Bericht­erstat­tung ziem­lich spät. Danke für Ihr Verständnis und herz­li­chen Dank an dieser Stelle an das Team von schleissheimer-zeitung.de, Ingrid Lind­büchl und Rudolf Frankl, die meinen Ausfall vorbild­lich und selbstlos kompen­siert haben.

Bei der Ober­schleiß­heimer Bürger­ver­samm­lung am 26.11.2025 war der Bürger­saal mehr oder weniger bis auf den letzten Stuhl gefüllt. Auf der Tages­ord­nung standen wie immer der Bericht des Bürger­meis­ters, eine Rede von Landrat Chris­toph Göbel und der Bericht von Polizei (Stefan Schraut) und Feuer­wehr (Thomas Laser).

Die voll­stän­dige Präsen­ta­tion finden Sie auf der Home­page der Gemeinde unter dem Stich­wort Bürger­ver­samm­lung-2025. Polizei und Feuer­wehr sind einen eigenen Bericht wert. Zu Beginn der Veran­stal­tung rief Bürger­meister Markus Böck noch zu einer Gedenk­mi­nute für das hoch­ver­diente verstor­bene Gemein­de­mit­glied Rudolf Batzer auf.

Die schlechte Nach­richt zuerst: Wegen sinkender Einnahmen und stei­gender Kosten gibt es für die Haus­halts­pla­nung der Kommune 2026 derzeit noch ein Defizit von 3 Mio Euro. Dass da ein Problem ansteht (gelinde gesagt), hatte Markus Böck ja schon in einem offenen Brief mitge­teilt.

Das Defizit ergibt sich unter anderem aus erheb­li­chen Gewer­be­steu­er­rück­zah­lungen. Die Planung für diese Einnahmen war zu opti­mis­tisch. Die Kosten für Personal- und Sach­auf­wand sowie soziale Leis­tungen sind wie überall gestiegen. Seit Jahren gehen die Einnahmen der Kommunen im Vergleich zu den Ausgaben nach unten. Das ist alles hinläng­lich bekannt.

Die Kreis­um­lage, die zur Finan­zie­rung für den Land­kreis (dazu die Pfle­ge­dienst­leis­tungen des Bezirks) fällig wird, steigt eben­falls (1/4 der Einnahmen). Landrat Göbel erläu­terte in seinem Referat die Haus­halts­lage im Land­kreis und zeigte auf, welches Volumen alleine die Pflicht­auf­gaben (Schulen, ÖPNV) inzwi­schen haben. Der Haus­halt des Land­kreises umfasst 1 Milli­arde Euro, davon 600 Mio. für die Pflicht­auf­gaben. Für OSH steigen die Zahlungen von 10,4 auf 11,6 Mio Euro.

Die Haus­halts­pla­nung für 2026 in Ober­schleiß­heim hat begonnen. Damit befasst sich zunächst der Finanz­aus­schuss und dann der Gemein­derat. Wie das 3‑Mio-Loch zu stopfen ist, wird sich zeigen. Die Beiträge aus dem staat­li­chen Sonder­ver­mögen alleine werden nicht helfen. Sie werden nach dem Königs­steiner Schlüssel (Einwoh­ner­zahl) verteilt und davon werden dann etwa 230.000 Euro in Ober­schleiß­heim landen.

Spar­maß­nahmen sind unver­meid­lich, auch wenn das eine Nach­richt sei, die keiner hören wolle. Markus Böck arti­ku­lierte Opti­mismus: “Wir werden auch diese Krise meis­tern.” Es sei gut gewirt­schaftet worden. So habe die Gemeinde 2025 von dem bewil­ligten Kredit­vo­lumen von 10,5 Mio de facto nur 2,3 Mio Euro aufge­nommen.

Die guten Nach­richten: Damit befasste er sich natür­lich erheb­lich lieber, noch dazu im Hinblick auf den anste­henden Kommu­nal­wahl­kampf.

Ausführ­lich stellte Böck die diversen Wohnungs­bau­vor­haben vom Quar­tier Mitten­heim (50 % miet­preis­ge­dämpft) über den Penny (Zugriff der Gemeinde auf 14 Wohnungen) bis zum Schä­fer­anger (alles Eigentum) vor. Der Penny sei nun aus Ober­schleiß­heim gar nicht mehr wegzu­denken. Auch das Mitar­bei­ter­haus am Frau­en­feld mit seinen 11 Wohnungen sei endlich fertig und werde schon bezogen (leider mehr als doppelt so teuer wie geplant). Die Spaten-Tochter Sedl­mayer werde 2026 einen Bauan­trag für 55 Wohnungen auf dem Gelände neben dem Penny stellen. Und der LMU-Campus eröffne sowieso jedes Jahr ein neues Gebäude.

Was den zusätz­li­chen PKW-Verkehr angeht, der ja unver­meidbar ist, so verlässt sich Böck auf eine rasche Umset­zung der geplanten West­um­ge­hung (soll neuer­dings im Verkehrs­we­ge­plan prio­ri­siert sein). Hier steht auch noch ein weiteres Problem am Hori­zont. Der Alla­cher Tunnel soll ab 2030 saniert werden und ist dann für Jahre nur einspurig befahrbar. Deswegen werde staat­li­cher­seits nun auch der Ausbau der A 92 (Auto­bahn­kreuz) forciert.

Das neue Kinder­haus ( für 6 Gruppen mit insge­samt 110 Kindern) an der Prof.-Otto-Hupp-Str. sei wie geplant im September 2026 bezugs­fertig und liege zudem bei den Kosten 1 Mio unter Plan. Es sei sehr erfreu­lich, dass kein Kind in OSH auf einen Kita-Platz warten müsse.

Derzeit seien 67 % der Gemeinde glas­fa­ser­ven­etzt. Bis Sommer 2026 sollen es 100 % sein.

Zwei große Projekte seien in Planung, für 2026 die Kommu­nale Wärme­pla­nung (Ansprech­partner 3. Bürger­meister Casimir Katz) und auch die Höhen­frei­ma­chung für den Bahn­über­gang, die im 2. Quartal 2026 den Bürgern vorge­stellt werden soll. In beiden Fällen würden die Planungs­kosten der Gemeinde voll­ständig ersetzt.

Weitere gute Nach­richten: Ausbau der Lade­säulen, die “super” genutzt werden. 10 Wander­bäume ange­schafft, die flexibel einge­setzt werden könne, zur Verbes­se­rung des Gemeinde-Klimas.

Sehr erfreu­lich sei auch die Ernen­nung zur Fair­trade-Gemeinde, bei der diverse Betriebe, Gastro­nomie-Betriebe und auch Vereine (“faire” Bälle bei Phönix und TSV) mitma­chen. Frei­flä­chen-PV werde weiter ausge­baut.

Dass es in Ober­schleiß­heim ab 2026 nun endlich eine Demenz-WG (für 10 Personen) gebe, sei eben­falls ein großer Fort­schritt, auf den lange hinge­ar­beitet worden sei.

Zur lang­fris­tigen Weiter­ent­wick­lung der Gemeinde will sich Ober­schleiß­heim am Stra­te­gie­pro­gramm ISEK (Inte­griertes städ­te­bau­li­ches Entwick­lungs­kon­zept) betei­ligen, das auch auf Bürger­be­tei­li­gung setzt.

Markus Böck bedankte sich für das tolle Enga­ge­ment in der Gemein­de­ver­wal­tung für die Vorbe­rei­tung der Präsen­ta­tion (Doris Rohe, Chris­tiane Gmoch und Larissa Mäder) und im Lenkungs­kreis Energie + Klima (ehren­amt­lich). Ohne die groß­ar­tige ehren­amt­liche Unter­stüt­zung von Bürge­rinnen und Bürgern sei vieles gar nicht möglich.

Notfall­vor­sorge: Auf ehren­amt­li­chen Enga­ge­ment beruht auch die Notfall-Vorsor­ge­be­ra­tung Schleiß­heim (NVBS, kontakt@nvbs.info), die auf die aktua­li­sierte, überall und auch im Internet verfüg­bare Neuaus­gabe der Broschüre “Vorsorgen für Krisen und Kata­sto­phen”, z. B. längerer Strom­aus­fall, vom Bundesamt für Bevöl­ke­rungs­schutz hinwies, die sie durch sehr nütz­liche zusätz­liche Tipps ergänzt hatte.

Bürger­wün­sche: Im Anschluss an den offi­zi­ellen Teil meldeten sich noch einige Bürge­rinnen und Bürger zu Wort, um auf Miss­stände oder wünschens­werte Verbes­se­rungen hinzu­weisen: das nach wie vor nicht besetzte Sozi­alamt, notwen­dige Park­ver­bote, Straßen, die derart zuge­parkt sind, dass nicht mal das Laub geräumt werden kann, kein PV auf öffent­li­chen Gebäuden (Bauhof), Schnei­de­ar­beiten während der Brut­zeit, Lärm­schutz an der Bahn, “Wild­biesler”, weil es keine öffent­liche Toilette gibt, Laut­spre­cher­durch­sagen, die man in höheren Stock­werken nicht hört, die mit Graf­fiti zuge­schmierte Radun­ter­füh­rung.

Andrea Wörle

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