Verlässliche Informationen vor Ort - Ein Plädoyer für die Online-Lokalzeitungen Ushel.news und schleissheimer-zeitung.de
Ein Gastbeitrag von Peter Marwan
Soziale Medien sind heute für viele Menschen die erste Anlaufstelle, wenn sie sich informieren möchten – auch über Ereignisse in ihrer Stadt oder Gemeinde. Doch gerade dort verbreiten sich Gerüchte, Halbwahrheiten und ungeprüfte Behauptungen oft schneller als gesicherte Fakten.
Denn die Plattformen arbeiten mit Algorithmen und Algorithmen bevorzugen Aufmerksamkeit. Umso kontroverser die Aussage, umso mehr Reaktionen – und umso stärker wird der Beitrag anderen angezeigt. Ob die Aufregung gerechtfertigt ist, ob aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird oder ob es nicht einmal eine Mücke gibt, spielt dabei keine Rolle.
Dadurch werden Falschinformationen oft innerhalb weniger Stunden tausendfach geteilt und es entsteht ein verzerrtes Bild der Realität. Nun könnte man sagen, das ist halt ein Fehler in der Webstruktur dieser Plattformen. Das wäre aber zu einfach. Denn gerade Gruppen, die von Chaos, Angst, Wut und Empörung profitieren, nutzen diese Funktionsweise intensiv aus.
Und sie beschränken sich nicht auf Social Media. Zum Beispiel kann der Leserbrief eines „besorgten Bürgers“, der von unkritischen Lokalpublikation ohne Einordnung veröffentlicht wird, denselben Zweck erfüllen. Online ist das aber viel effektiver, schneller und findet in weitaus größerem Stil statt.
Häufige Manipulationstechniken einfach aufdecken
Weltweit sind dafür Donald Trump und die MAGA-Bewegung bekannt. In Europa wird oft Russland dafür verantwortlich gemacht – ob in Bezug auf die Ereignisse in der Ukraine oder innenpolitischen Ereignissen in Deutschland. Die Wissenschaftlerin Veronika Solopova von der TU Berlin hat als häufige Manipulationstechniken damit die Dekontextualisierung, bei der Texte oder Bilder in einen falschen Zusammenhang gesetzt werden, die Sündenbock-Methode sowie die Rufschädigung ausgemacht. Auf der Webseite „Check News in One Click“ kann man sich durch Eingabe eines Textes anzeigen lassen, welche Manipulationstechnik dabei zum Einsatz kommt.
Kürzlich hat das Zentrum für Digitalrechte und Demokratie aber eindrücklich festgestellt, dass Manipulation und Desinformation auch ganz gezielt auf lokaler Ebene produziert und verteilt werden. Denn ein Rechercheteam hatte investigativ Zugang zu einem Testzugang für ein Werkzeug, das die AfD ihren Gliederungen dieses Wochenende beim Parteitag in Erfurt stattfindenden vorstellen will.
Das Zentrum für Digitalrechte und Demokratie hat damit eine digitalpolitische und- rechtliche Bewertung erstellt. „Wir beobachten seit vielen Jahren, wie sich politische Kommunikation im Netz verändert – und welche Auswirkungen neue Gesetze auf die demokratische Öffentlichkeit haben. Ein Blick in dieses Tool ist für beides aufschlussreich“, teilte Markus Beckedahl, Gründer und Geschäftsführer des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie, diese Woche mit.
Social-Media-Betrieb mit Empörungsscore
Die untersuchte Software „Alternita Studio“ soll ihm zufolge den Social-Media-Betrieb der Parteigliederungen weitgehend automatisieren. „Schneller und öfter posten, mit weniger Leuten und einer vereinheitlichten Sprache, die polarisiert.“ Das könnten im kommenden Jahr sogar KI-Agenten komplett übernehmen.
Herzstück der Software ist ein Modul namens „Geistschreiber“. Beckedahl erklärt „Geistschreiber soll den Kreisverbänden und Parteifunktionären die Textarbeit abnehmen, ohne dass das nach außen deutlich wird. In dem Modul laufen im Viertelstundentakt die Nachrichten-Feeds von NIUS, Junge Freiheit, Apollo News, BILD Politik und n‑tv-Wirtschaft ein. Eine KI liest mit und vergibt für jede Meldung einen ‘Viralitätsscore’ von eins bis zehn, dazu eine Kurzzusammenfassung und mitunter gleich ein passendes Framing im Sinne der AfD-Programmatik. Was im ‘Viralitätsscore’ schlecht abschneidet, sortiert die Maschine aus.“
Der ‘Viralitätsscore’ sei in Wahrheit aber ein Empörungsscore und werde zur Redaktionsentscheidung. „Was nach oben kommt und weiterverarbeitet wird, hat eine KI offenbar nach einem einzigen Kriterium ausgewählt: möglichst viel Wut erzeugen und polarisieren. Die politische Vorauswahl ist getroffen, bevor es sich ein Mensch überhaupt anschaut“, kommentiert Beckedahl. „Das Ziel ist stets, im Schwarm der Accounts von Kommunal- bis Bundesebene größtmögliche Empörung zu erzeugen und Andersdenkende im Namen ‚der Meinungsfreiheit‘ anzugehen. Ein Werkzeug wie das KI-Kampagnentool senkt die Kosten dafür weiter und optimiert den Output.“
Ehrliche Nachrichten, Hintergründe und Informationen
Ushel.news und die schleissheimer-zeitung.de als Plattformen für Lokalinformationen verstehen sich nicht als Lautsprecher für Gerüchte, sondern als zuverlässige Informationsquelle. Ziel ist es, fundierte Nachrichten, Hintergründe und Termine aus unserer Stadt und aus unserer Gemeinde bereitzustellen – sachlich, nachvollziehbar und mit dem Blick auf das, was vor Ort wirklich wichtig ist. Wir recherchieren vor Ort, sprechen mit Beteiligten, prüfen Quellen und ordnen Ereignisse ein, bevor sie veröffentlicht werden.
Transparenz und Vertrauen stehen für uns an oberster Stelle. Und sie sind gerade bei Themen, die die Menschen unmittelbar betreffen, wie kommunale Entscheidungen, Vereinsleben, Veranstaltungen, Infrastruktur oder das gesellschaftliche Miteinander, besonders wichtig. Denn hier kann sich jeder selbst überzeugen, ob das, was behauptet wird, auch zutrifft.




Es hat schon etwas skurriles, einen solchen Artikel mit einem KI-Bild zu illustrieren. Erstellt von einem der Hauptproblemportale (aber immerhin mit entsprechender Quellenangabe).
Die Automatisierung von Meinungsmache ist etwas, das man kritisch beobachten muss. Auch größere Medienhäuser (z.B. Ippen) schreiben insbesondere lokal gerne irgendwas unkritisch ab bzw generieren die Inhalte gleich ganz per KI. Wenn die Informationsbasis dabei einseitig ist, dann werden auch die Artikeltendenzen entsprechend. Da zeigt aber auch ein Defizit in der Breite auf, mit aktuellen Medienentwicklungen mitzuhalten; einige Kreise können das schlicht nicht und finden daher in einigen Medien kaum statt. Das verstärkt die Echokammer natürlich zusätzlich und erfordert umso höhere Medienkompetenz, die allerdings nie systematisch entwickelt wurde.
Aber zur Wahrheit gehört auch, dass die Artikel von echten Redaktionen nicht zwangsläufig besser sind. Wenn es nicht ums Geldverdienen durch Klickmaximierung geht, bleibt immernoch die persönliche Meinung, die gerade im lokalen oft ungeniert durchkommt. Besonders, wenn lokal nur ein sehr dünnes Redaktionsnetzwerk großer Medien verfügbar ist (also im Grunde nur eine Einzelperson ihre Meinung darstellt) oder lokale Blogs und Hobbyzeitungen stark ideologiegetrieben betrieben werden.
Es bleibt nur, dass sich ein jeder einzelne eben damit auseinandersetzt, welche Artikel er von welcher Quelle mit welchen Beweggründen bekommt. Viele Leute wollen oder können das nicht, so bleibt halt die Meinungsbildung oft beim lautesten Schreihals.
Vielen Dank für diesen Artikel!
Die Desinformation, die organisierte Lüge wurde im Weltrisikobericht 2025 des Weltwirtschaftsforums erneut auf Platz eins der größten globalen Risiken gewählt. Die Desinformation ist die Lunte für all die anderen Katastrophen, sie macht sie wahrscheinlicher. In den von Tech-Oligarchen kontrollierten sozialen Medien wird KI zum Brandbeschleuniger für die Desinformation.
Das Geschäft der Desinformation betreiben die Kräfte, die die Demokratie zersetzen wollen. Der Abschied von den Fakten ist der Abschied von der Demokratie!
Wie können wir uns dagegen zur Wehr setzen? Genau, indem wir begreifen, was Social Media und KI mit uns machen können, indem wir bei Aufregern hinterfragen (z. B. alternative Quellen) und seriösen Journalismus nutzen. Ihr Artikel liefert dazu wertvollen Input, ganz konkret auch wie die AFD KI einsetzen will. Nochmal herzlichen Dank dafür!