Lesermail zum Artikel „Luftfilter wissenschaftlich gecheckt“

Lieber Herr Wander,

auch ich hatte die Sendung im ZDF gesehen und hatte dann bei unserer Task-Force „Luftreinigungsgeräte für Klassenzimmer“ darauf hingewiesen. Diese Variante wurde sofort als „Unfug“ abgetan, die angeblich gigantische Wärmeverluste zur Folge habe…

Herr Frank Helleis, Physiker am Max Planck-Institut in Mainz, hat dieses kostengünstige Experiment zusammen mit seiner Frau, die Lehrerein ist, in deren Klassenzimmer vom Sommer bis zum jetzigen Zeitpunkt durchgetestet und augenscheinlich sehr gute, messbare Ergebnisse erzielt – so gute, dass es im „Spiegel“ steht und das ZDF eine Reportage darüber gemacht hat. Der Physiker Frank Helleis ist Gruppenleitung für Instrumentenentwicklung und Elektronik am Max-Planck-Institut in Mainz und entwickelt normalerwiese hochkomplexe Geräte, die unter anderem Aerosole messen. Er ist also kein Hobbybastler.

Ich bin dankbar für alles, was in unserer Gemeinde unternommen wird, um die Situation in den Klassenzimmern und den Gruppenräumen der Kitas zu verbessern, aber die Fördergelder für professionelle Luftfiltergeräte sind bei langem nicht ausreichend für die Vielzahl der Kitaräume und Klassenzimmer.

Die Art, zu denken, von Frank Helleis ist genau richtig: Wir wissen, dass die Aerosole, die Menschen in unterschiedlichen Mengen abgeben – gegebenenfalls auch mit ansteckenden Viren – als „ideal luftgetragen“ gelten, „in der Regel sehr lange in der Raumluft verweilen und mit der Luftströmung nahezu überall im Raum verteilt werden.“ Daher ist es überaus sinnvoll, die Anstrengungen dorthin zu richten, z. B. in einem Kindergartengruppenraum von vorgeschriebenen 50 qm mit 25 Kindern plus zwei Erwachsenen darin, die dort in die Luft andauernd abgegebenen Aerosole (durch Schreien, Niesen Husten, Rennen usw…) postwendend abzusaugen und nach draußen zu befördern.

Zugegeben, der Wärmeverlust ist ein Kritikpunkt, aber aus meiner täglichen Erfahrung mit Stoßlüften alle 25 Minuten in so einem hochfrequentierten Raum darf ich behaupten, dass wir uns jetzt schon den A…abfrieren…und der Winter kommt erst noch!

Meine Bitte also: Nicht gleich solche Ideen als Unfug abtun, sondern vielleicht wirklich ausprobieren. Bei insgesamt 23+ Kita-Gruppenräumen am Ort gäbe es genügend Versuchsfelder. Wenn die Staatsregierung über die Sommerzeit geschlafen hat und sich jetzt erstaunt die Augen reibt, dass die Infektionszahlen nicht nach unten gehen wollen, dann müssen die Menschen eben nach dem Motto „Not macht erfinderisch“ handeln.

Ich würde mein Klassenzimmer im Schulkindergaten sofort als Versuchsraum zur Verfügung stellen.

Alles ist besser als der jetzige Zustand, denn die Kitas sind angehalten, Regelbetrieb zu fahren.

Ingrid Lindbüchl, Gemeinderätin (Grüne)

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