Bedingt einsatzbereit

„Die Feuerwehren der Gemeinde Oberschleißheim sind nicht ausreichend leistungsfähig“ – das ist der Schlüsselsatz in der um zwei Jahre verspäteten Fortschreibung des Feuerwehrbedarfsplans, der nun der Gemeinde eine neue kostenträchtige Baustelle eröffnet.

Zentrales Problem ist das Verkehrshindernis der Bahnschranke für die Fahrt der Feuerwehrleute zum Gerätehaus einerseits und zum Einsatz andererseits.

Die Einhaltung der Hilfsfrist von zehn Minuten wird von den Feuerwehren Oberschleißheim und Badersfeld laut der Auswertung nur in 48 Prozent der Alarmierungen erreicht; als tolerabel gelten Werte um die 80 Prozent. Für ein anstehendes neues Wohnquartier in Mittenheim wäre die Einsatzsicherheit bei unveränderten Rahmenbedingungen katastrophal.

Während der technischen Ausstattung der Feuerwehren die 66 Seiten starke Analyse „sehr guten Stand“ attestiert, wird „im Hinblick auf die Personalverfügbarkeit in entsprechender Zeit dringender Handlungsbedarf“ angemahnt.

Der Bedarfsplan empfiehlt als zentrale Maßnahme ein neues Feuerwehrhaus oder zumindest eine Dependance westlich der Bahnlinie. Insbesondere das Fahrzeug mit der Drehleiter müsse zwingend einen neuen Standort zentraler im Ort erhalten.

Die im Raum stehende Sanierung des Feuerwehrhauses an der Freisinger Straße könne vergessen werden, da damit nur der unhaltbare Zustand zementiert werde.

„Ein neues Feuerwehrhaus würde sportlich für uns“, sagte Bürgermeister Markus Böck im Gemeinderat angesichts der Finanznot der Gemeinde; aktuelle Neubauprojekte von Feuerwehrhäusern im Landkreis sind auf jeweils über 20 Millionen Euro taxiert, und das vor der Baupreis-Explosion durch den Krieg in der Ukraine.

Gleichwohl forderte das Gremium unverzügliche Reaktionen auf den Bedarfsplan ein. „Das wirkt für mich bedrohlich“, sagte Ingrid Lindbüchl und regte einen Workshop zur weiteren Handlungsstrategie an, wie ihn der Gemeinderat bei der Planung der Kinderbetreuungseinrichtungen schon zweimal durchgeführt hatte. Auch Stefan Vohburger forderte, „dringendst Maßnahmen zu erarbeiten“.

Als flankierende Maßnahmen regt der Bedarfsplan etwa an, am bestehenden Feuerwehrhaus Möglichkeiten für mobiles Arbeiten von Feuerwehrkräften zu ermöglichen. Dieses „home office“ beim Gerätehaus würde zumindest die Zeit von der Alarmierung bis zum Ausrücken drastisch reduzieren. Auch die Aufstockung auf eine zweite hauptamtliche Kraft wird empfohlen.

In größerem Rahmen müssten Zweckverbände oder Zusammenschlüsse angedacht werden, um die Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen zu optimieren. Das Neubaugebiet Mittenheim etwa wäre von der Feuerwehr Unterschleißheim ungleich effektiver zu erreichen als von den Oberschleißheimer Kollegen.

Thomas Laser ergänzte als gravierendes Problem, dass die Feuerwehr immer wieder Kräfte verliere, weil es am Ort faktisch keinen freien Wohnraum gebe. Bei ihrem eigenen Wohnungsbauprojekt am Frauenfeld oder bei Belegungsrechten in Neubaugebieten müsse die Gemeinde die Feuerwehr stark gewichten, forderte er.

Mit rund 400 Einsätzen im Schnitt jährlich müssen die Feuerwehren Oberschleißheim und Badersfeld anhand der Bevölkerungszahl ein weit überdurchschnittliches Einsatzaufkommen bewältigen. Hauptgrund sind die zahlreichen Einsätze auf den Autobahnen um den Ort und das „First-Responder-System“.

Mit dem fortschreitenden Ausbau der Tierärztlichen Fakultät der Universität München auf dem Veterinäranger werden sich die Einsatzzahlen weiter erhöhen, mahnt der Bedarfsplan.

Ein Lesermail

  1. Ein Bericht, der gefällt!

    Aber zuallererst ein ehrlicher Dank an unsere Feuerwehr mit ihrem guten Ausbildungs- und Gerätestand. Da steckt Planungsvermögen, Wille und viel Herzblut dahinter. Großer Respekt.

    Ganz anders im Folgenden, denn da wird’s typisch ober-schleißheimerisch. Verhalten, leise, ja fast schon ehrwürdig, hinter vorgehaltener Hand, spricht man das Verkehrshindernis der Gemeinde an, den Bahnübergang. Dieser Böse hemmt nämlich die Anfahrt bei Alarmierung und die Fahrt zum Einsatz.

    Nun erwartet der geneigte Bürger die Schlussfolgerung: Der muss doch weg! Weit gefehlt, eine solche kommt nicht.

    Der Übergang besteht offensichtlich unwiderruflich. Um dem Bund Kosten für eine Unterführung zu ersparen und dessen Angebot dankend zurückzuhalten, denkt man stattdessen an ein zweites Feuerwehrhaus im Osten der Gemeinde, samt Fuhrpark und Personal. Kostenträger des zwanzig- oder eher dreißig-Millionenprojekts: eine wohlhabende, uns bekannte Gemeinde. Aua.

    Doch halt! Da fällt mir ja glatt die Autobahnraststätte Frankenwald am ehemaligen Grenzübergang Rudolphstein ein. Die Lösung wäre eine *Brückenfeuerwehr* über den Gleisstrang. Mit schönem breitem Übergang, sodass man den von der Feuerwehrküche oder auch verpachtet bewirtschaften kann. (Aufzug und Radweg natürlich nicht vergessen, denn Schleißheim samt Feuerwehrler fahren allesamt Radl.)

    Den Stau zum Einsatz überwindet man weiterhin mittels Blaulicht und Martinshorn; geht doch. Insgesamt ein echtes win-win-Projekt der Superlative, mit dem zugleich die historische Schranke erhalten werden könnte. Prosit!

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