Lesermail zum Artikel „Ein Platz für die Menschen“

Nun hat es unsere Gemeinde wieder vollbracht, ihren Bürgern die Last von Mitwissen, Beteiligung und Entscheidungen zu ersparen. Ausschreibungskriterien ohne diese Störer, Finale hinter verschlossenen Türen im Juli, huldvolle Bekanntgabe an die Gemeinen via Presse und Facebook Ende September… ja geht’s noch?

Ich will den Entwurf nicht schmälern und kann es auch nicht, denn gestern, Sonntag, war dieser im Bürgerhaus leider nicht zu finden. Mir geht es aber um die grundsätzliche Bürgerbeteiligung, die bei solchen Vorhaben allüberall Usus ist – mit Ausnahme bei den Gutsherren in Oberschleißheim. Hier scheint sie hoffnungslos im Stau der Bahnschranke zu gefangen und wir hinken gegenüber unseren Nachbarn traurig zurück. Schon deprimierend, oder?

Zudem diese Beteiligung der klammen Gemeinde nichts kostet, nicht mal Zeit, wenn man das Konzept richtig anlegt. Aber die doofen, störenden Bürger werden sich nun hoffentlich vermehrt zu Wort melden.

Auch zum zweiten Punkt. Was einigen Fraktionen logisch erscheinen mag, dass nach der Namensgebung des Bürgerplatzes an die CSU via Entscheidung im Kämmerlein nun die Sozialdemokraten dran seien, zeugt von einer haarsträubenden demokratischen Einstellung: Fraktion first. Wohlgemerkt, Max Mannheimer war eine honorige Persönlichkeit durch und durch und ist über alle Zweifel erhaben. Ich hatte noch das Glück, ihn mehrfach bei Vorträgen und Gesprächen zu erleben. Es war kein Vergnügen; er hat mich tief beeindruckt. Geprägt durch seine Erfahrungen und Leiden war er ein sehr ernster Mensch, eine große Persönlichkeit, zurecht vielfach und hoch ausgezeichnet, dessen großes Vermächtnis es aber war und ist, die Schrecken der Gewaltherrschaft der NS-Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Ihm ging es dabei auch sehr explizit um Demokratie, und zwar um Basisdemokratie, und damit gegen Gutdünken. Ideal der Name des Max-Mannheimer-Platzes im fernen München mit dem Dokumentationszentrum Nationalsozialismus. Klasse auch die Namensgebung passender Bildungseinrichtungen, wie bspw. in Dachau. Dass er aber nun zurechtgebogen Namensgeber für einen bunten, wuseligen Platz mit Prosit und Hirtenbrunnen werden soll? Ich weiß nun wirklich nicht.

Allein schon das Procedere dazu wäre ihm mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zutiefst zuwider gewesen. Auch das sollte man bedenken.

Nur gut, dass der Bürger m/w/d in Oberschleißheim nicht interessiert, werte Bürgermeister und Räte.

Heinrich Stadelmaier

Ein Lesermail

  1. Ich kann dem Lesermail von Heinrich Stadelmaier nur voll zustimmen. Unter Bürgerbeteiligung stelle ich was anderes vor.

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