Lesermail zum „Fahrradklima-Test“

Der ADFC (Allg. Deutscher Fahrrad Club) veranstaltet alle 2 Jahre eine Umfrage zum fahrradfreundlichen Klima von Städten und Gemeinden. Insgesamt wurden 1024 Städte und Gemeinden bewertet.

Im Rahmen des Fahrradklimatests 2020 nahmen die Bürger*innen Oberschleißheims die Möglichkeit wahr, ihre Einschätzung zur aktuellen Radverkehrslage abzugeben.

Unser Ort belegte mit einer Note von 3,6  Platz 106 von 418 Gemeinden in der Gruppengröße von unter 20000 Einwohnern. Dies bedeutet seit 2012 keine Verbesserung der Beurteilung.

Der  Ortsverband und die Gemeinderatsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen Oberschleißheim haben sich die Ergebnisse für das Jahr 2020 angeschaut und ziehen folgende Schlüsse:

Der Bericht zeigt, dass der große Handlungsbedarf beim Thema Rad bei den Bürgerinnen und Bürgern angekommen ist. Wir fordern nun, dass die Gemeinde konsequent die Kriterien der „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern e.V.“ umsetzt, um in zwei Jahren deutliche Verbesserungen vorweisen zu können. Schließlich wurde der Gemeinde dieses Jahr das Siegel „Fahrradfreundliche Kommune“ verliehen.

Zuerst könnten z. B. einige der leichter zu lösenden Mängel wie Ausschilderungen an Baustellen, fehlender Winterdienst und schlechte Ampelschaltungen verbessert werden. Die schwierigeren Probleme wie fehlende Radwege und Sicherheit im Radverkehr können und müssen dann langfristig angegangen werden.

Viele Radwege in der Gemeinde sind zu eng, die Teerdecken der Radwege entsprechen großteils einem gefährlichen „Flickerlteppich“. Häufig kommt es auch wegen der fehlenden Breite zu Konflikten mit Fußgängern.

Die Radwegeverbindung nach Garching entspricht in keinster Weise den Anforderungen, hier ist das Straßenbauamt zuständig, endlich eine Verbesserung zu veranlassen. Ähnliches gilt auch für die Radwegeerschließung der LMU.

Die Note 3,6 ohne Verbesserung seit 2012 im Fahrradklimatest ist für uns als Oberschleißheimer Grüne nicht akzeptabel.

Der Radwegebeauftragte der Gemeinde, Casimir Katz, hat hervorragende Planungsarbeit im Vorfeld geleistet, leider findet sich das meiste nur in schönen Zeichnungen, kaum etwas ist umgesetzt. Hier sind alle Gemeinderätinnen und Gemeinderäte und die Verwaltung aufgefordert, entsprechend zu handeln.

Insbesondere sollte dabei die starke Fokussierung auf das Auto kritisch hinterfragt werden. Nur so kann man das Rad als klimafreundliches Verkehrsmittel wirksam fördern.

Wir Grüne bedanken uns bei allen 82 Teilnehmer*innen aus unserer Gemeinde für ihr Engagement und bleiben an dem Thema dran.

Christoph Münster, Sprecher des Ortsverbands

Ein Lesermail

  1. Sehr geehrter Herr Katz, sehr geehrter Herr Münster, sehr geehrte Mitwirkende am Radwegkonzept!

    Das Ergebnis mit einer 3,6 interpretiere ich als eine Bewertung mit sehr viel Luft nach oben, auch wenn die Gemeinde nur knapp die Gruppe ersten 25 % der bewerteten Gemeinden verpasst hat.

    Wie Herr Münster richtig formuliert hat, sind die Radwege im Ort eine unübersichtlicher „Flickerlteppich“. Ich frage mich doch, ob es für den gesamten Ort ein Wegekonzept gibt und auf welchen Zielen dieses basiert?

    Man liest immer mal wieder, dass über die Einrichtung einer neuen „Fahrradstraße“ oder den (Neu-)Bau einer weiteren Fahrradspur auch auf der anderen Seite diskutiert wird. Für beide Vorschläge gibt es im Ort Beispiele, wo das meiner Meinung nach nicht funktioniert. Die Fahrradstraße „Am Margarethenanger“ ist mehr einer der Schleichwege, um die Kreuzungsampel an der B471/Sonnenstraße und den Ampelstau in der Prof.-Hupp-Str. zu umfahren. Entlastung auf Dauer nicht absehbar, eher ist mit einer Verstärkung zu rechnen.

    Wie sinnvoll richtungsgebundene Radwege beiderseits einer Straße sind, zeigt das Beispiel der unübersichtlichen Radwegführung entlang der Feierabendstraße. Wer in Nord-Süd-Richtung unterwegs ist, muss an der Ampelkreuzung auf die rechte Fahrbahnseite wechseln, um sich dann dort den breiten Gehsteig mit Fußgängern, rangierenden und nicht selten auf dem Gehsteig parkenden/haltenden Autos zu teilen, während gegenüber (neben der Brückenrampe) meist gähnende Leere herrscht. Die Regelung ist in gewisser Weise schon sinnvoll, da ja 300 m weiter nach der Autowerkstatt ein Nadelöhr beginnt. Allerdings gibt’s eben davor eine Rad-/Fußgängerampel, die ebenso zum Queren der Feierabendstraße genutzt werden kann.

    Dazu kommt auch noch, dass in diesem Bereich die Radwegführung nur durch 2 blaue Verkehrszeichen geregelt wird. (In Nord-Süd-Richtung zwischen Kreuzung am Bahnhof und Autowerkstatt regelt ein auf 4,5 m Höhe hängendes blaues „Fußwegzeichen“ (Verkehrszeichen 239) und das Rechtsfahrgebot den Verkehrsfluß.) Die vielfache verkehrswidrige Nutzung auch Ortsansässiger zwischen Kreuzung am Bahnhof und Autowerkstatt ist sicherlich ein Indiz, dass hier z. B. durch klare und schnell erkennbare Beschilderung und Bodenmarkierungen nachgebessert werden kann. Ich beziehe mich hier auch explizit auf die Punkte 3.3 (5), 5.5.5.2.

    Desweiteren möchte ich anregen, nicht nur auf die Durchgängigkeit im Sinne von Existenz zusammenhängender Radwege zu achten, sondern auch auf eine gewisse Nutzerfreundlichkeit zu achten. Die Nutzung des Fahrrads als echte Alternative zum Auto ist – gerade innerorts – meines Erachtens nur dann gegeben, wenn auch der Aspekt der Zeitersparnis unter jederzeit leicht erkennbarer Einhaltung der Verkehrs- und Wegregelungen möglich ist. Eine häufige Querung von Straßen durch Wechseln der Straßenseite, verbunden mit Wartezeiten an Ampeln, oder eine hochfrequentierte Mehrfachnutzung durch verschiedene Verkehrsteilnehmer sollte, wo möglich, immer vermieden werden.

    Mit freundlichen und der Hoffnung auf pragmatische Verbesserungen verbundenen Grüßen!
    A. Bauer

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