Straßenunterführung entlastet nur die Autobahnen

Der Verkehrsentwicklungsplan der Gemeinde hat der mit Bürgerentscheid favorisierten Straßenunterführung der Bundesstraße B471 unter die Bahn verheerende Zensuren erteilt. Unter zehn Optionen großflächiger Verkehrsplanungen von neuen Anschlussstellen an die Autobahn bis zur Tieferlegung der Bahn plus Kombinationen diverser Möglichkeiten erreicht die Straßenunterführung gerade mal Platz sieben.

Die Prognoseberechnung erwartet durch die Straßenunterführung zwar eine Verkehrsentlastung für die Feierabendstraße, aber dafür einen Zuwachs auf der B471 und auch der Veterinärstraße. Der Schleichverkehr durch die Wohnviertel werde entgegen der Versprechen im Bürgerentscheid eher zunehmen. Bizarrer Effekt: Entlastet würden durch auf Kosten einer Zunahme der Verkehrsbelastung im Ort die Autobahnen A92 und A99.

Für das Jahr 2035 werden auf der Freisinger Straße gut 18.000 Verkehrsbewegungen täglich prognostiziert – mit einer Straßenunterführung wären es über 20.000. Auf der Dachauer Straße wird in 15 Jahren mit 16.000 Fahrten gerechnet, mit Unterführung läge die Marke bei knapp 18.000.

Die Entlastung auf der Mittenheimer Straße wird mit 100 bis 200 angegeben, lediglich auf der Feierabendstraße wäre die Entlastung um etwa 3000 Fahrbewegungen täglich relevant.

In einer Gesamtschau aus den Teilaspekten Wirkung auf den Verkehr, Kosten, Realisierbarkeit Zeitlicher Horizont und Ökologie schnitt sogar die konkurrierende Tieferlegung der Bahn unter die Straße auf Rang sechs noch besser ab.

Die Grundlage aller Berechnungen ist die letzte öffentliche Planskizze des Staatlichen Bauamts für eine Straßenunterführung aus dem Jahr 2000. Eventuelle neue Planungsansätze müssten dann auch neu bewertet werden, heißt es in der Darstellung ausdrücklich. Allerdings könnte eine moderne Planung bestenfalls die Situierung der Unterführung verändern, an der Auswirkung auf die Verkehrsströme dürfte wenig veränderbar sein.

3 Lesermails

  1. Sehr geehrte Frau Kufer,

    natürlich kann jede/r Gutachten wie das jetzige Verkehrskonzept oder die seinerzeitigen Gutachten von Prof Kurzak für plausibel halten oder aber ihre Aussagekraft bezweifeln. Ich meine jedoch, sie sind eine gute und fachlich fundierte Ausgangsbasis für die weitere Planung unseres politischen Handelns.

    Zu Ihrer Aussage über Infoblätter der SPD: Es ist Aufgabe derartiger Publikationen, auch und gerade im Wahlkampf unterschiedliche Konzepte darzustellen und Unterschiede im für richtig gehaltenen Weg zu einer Verbesserung der Situation darzustellen. Dazu gehört auch die Benennung von Versäumnissen. Dies dient dazu, eine informierte Wahl zu erleichtern. Dies „Hetze auf unterstem Niveau“ zu nennen, ist für mich in keiner Weise nachvollziehbar.

  2. Sehr geehrte Frau Kufer,
    kaum taucht als Thema Straßenunterführung oder Bahn im Tunnel auf, werden die altbekannten Argumente aus den letzten 20 Jahren ausgetauscht. Für mich ganz schön langweilig und bringt uns keinen Schritt weiter. Im übrigen Planung (in Aussicht gestellt) ist noch keine Realisierung. Es fehlen auch noch die Untersuchungen der beteiligten Lastträger.
    Zu Ihren Fragen: Warum entlastet eine Unterführung, egal ob Straßenunterführung oder Bahn im Tunnel, die A 99 und A 92? Das Problem ist der Allacher Tunnel. Es vergeht mittlerweile kein Tag, an dem nicht die A99 verstopft ist. Navis zeigen als Alternative einen Weg durch Oberschleißheim an. Das ist der Grund, warum der Autofahrer die gut ausgebaute Autobahn verläßt. Darum, bei einer durchgängigen B 471 (egal ob Straßenunterführung oder BIT) wird der Verkehr in Oberschleißheim zunehmen. Darauf wurde in früheren Untersuchungen (2000 und früher) bereits hingewiesen. Ich vermisse bei den Ausführungen in der Presse über das Verkehrskonzept die bereits vor 20 Jahren geforderte Verlegung der B471 aus Oberschleißheim. Auch andere Kommunen entlang der Autobahn haben sich mit dem Thema Verlegung der B471 aus dem Ort beschäftigt. Warum können sich die Kommunen nicht zusammenschließen und das Thema gemeinsam verfolgen?
    Das Thema Straßenunterführung oder BIT wird uns sicher noch lange begleiten, solange es Verfechter für das eine und andere Thema gibt. Eigentlich steht es ja unentschieden. Beim ersten Bürgerbegehren hatte die BIT die Mehrheit und beim letzten Mal die Straßennunterführung. Wie wäre es mit einem Entscheidungsbegehren?

  3. Warum entlastet Oberschleißheim mit einer Unterführung die A99 und A92? Welcher Autofahrer verlässt schon eine mehrspurige, gut ausgebaute Autobahn, nur um durch die Oberschleißheimer Unterführung zu fahren? Was ist hier der Unterschied zur Bahn im Trog, ebenfalls mit dem Wegfall der Schranke? Warum nimmt bei einer Straßenunterführung der Schleichverkehr innerorts zu, wenn Fahrzeuge ohne Stau am Ortsrand durchfahren können. Viele Fragen und keine Antworten!
    Als Mitwirkende beim Verkehrskonzept kann ich keine „verheerenden Zensuren“ zu der Straßenunterführung feststellen. Offensichtlich entspricht aber die unterschiedliche Bewertung der Bahn im Trog und der Straßenunterführung nicht der Realität. Der angebliche Mehrverkehr bei der Straßenunterführung wird ja schon seit dem Bürgerbegehren 2019 von den Gegnern verbreitet, um die Entscheidung der Bürger zu manipulieren. Es ist völlig egal, ob Fahrzeuge über oder unter der Bahn fahren. Bei beiden Projekten entfällt die Schranke. Dass das Gutachterteam auf diese unlogische Schlussfolgerung nicht hingewiesen hat, verstehe ich nicht wirklich.
    Ebenso wenig nachvollziehbar ist, warum der 20 Jahre alte, total überdimensionierte Plan der Straßenunterführung in das Gutachten aufgenommen worden ist. Der Plan ist völlig irreführend und hat mit dem Verkehrskonzept 2020 absolut nichts zu tun, außer die Bürger wieder zu verunsichern. Das laut Gutachter kein anderer Plan vorgelegen hat, ist für mich kein aussagekräftiges Argument.
    Auf Platz 1 des Gutachtens steht, zusammen mit der WU, die Einführung von Tempo 30 in der Feierabendstraße. Das führt dann zum endgültigen Kollaps. Den Stau bei Tempo 30 will ich mir nicht vorstellen und die Gemeinde kann das sowieso nicht entscheiden. Von und nach Unterschleißheim werden laut Verkehrsgutachten 2017, von Professor Dr.-Ing. Harald Kurzak, in den nächsten Jahren täglich 24.600 Fahrzeuge fahren. Die prognostizierte Entlastung im Jahr 2035 um 3000 Fahrzeuge in der Feierabendstraße wird keinerlei Wirkung zeigen, so lange die Westumfahrung nicht fertig gestellt ist. Nach Fertigstellung der WU verbleiben immer noch 9800 Fahrzeuge täglich von Unterschleißheim in Richtung Oberschleißheim. Das ist allerdings der Stand von 2017.
    Bei der Unterschriftensammlung zum Bürgerbegehren waren die meisten Aussagen der Bürger: „Des wird ja sowieso nix. Da warten wir schon Jahrzehnte drauf.“ Wir, die Initiatoren und Mitglieder der Freien Wähler, haben innerhalb eines Jahres Zusagen zur unverzüglichen Planung der Unterführung und damit eine greifbare Entlastung im ersten Schritt erreicht. Zielorientiertes Handeln führt zum Erfolg und nicht, Infoblätter mit Hetze auf unterstem Niveau verteilen, wie die SPD das macht, um von eigenem Versagen abzulenken.

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