Ortsnachrichten gehen am Ort vorbei

Ein neues Gesicht haben seit der Januar-Ausgabe die Gemeindenachrichten. Ein anderer Verlag hat die Herausgabe übernommen. Dadurch haben sich die Rahmenbedingungen für potentielle Inserenten drastisch verändert. Der Gewerbeverband sieht es für die örtlichen Kleinbetriebe nun nicht mehr als interessant an.

Die Ortsnachrichten werden nun von der „Landkreis Anzeiger GmbH“ in Unterschleißheim herausgegeben, die auch den „Lohhofer und Landkreis-Anzeiger“ erstellt. Durch das neue Geschäftsmodell gibt es Kombi-Preise für beide Hefte. Damit sind Inserate insbesondere für Unterschleißheimer Betriebe interessant, die auch bereits den Löwenanteil in den ersten beiden Ausgaben stellen.

Betriebe, die an dieser zeitlichen und räumlichen Kombination interessiert sind, fahren damit günstig – aber die Einzelbuchungen aus Oberschleißheim für Oberschleißheim haben sich deutlich verteuert. „Was hat das noch mit Oberschleißheimer Ortsnachrichten zu tun?“, wundert sich Walter Klar, der Vorsitzende des Gewerbeverbandes.

Der Gewerbeverband hatte im alten Ortsnachrichtenblatt zuletzt regelmäßig für Werbeaktionen ganze Seiten gebucht, um den Mitgliedsbetrieben günstige Auftritte zu ermöglichen. Die Preise für eine derartige Seite hätten sich nun verdrei- bis vervierfacht, schildert Klar: „Damit können wir unseren Kleingewerbetreibenden keine vernünftigen Angebote mehr bieten.“ Ein Werbeforum für Betriebe aus Nachbarorten abzugeben, sei aber „nicht der Sinn von Ortsnachrichten“.

Der Übergang der Ortsnachrichten vom „Münchner Nordrundschau Verlag“ mit Sitz in München zur „Landkreis Anzeiger GmbH“ in Unterschleißheim sei von den miteinander verzahnten Verlagen ohne Zutun der Gemeinde vereinbart worden, schildert Bürgermeister Christian Kuchlbauer. Dem Rathaus sei der Wechsel bloß mitgeteilt worden.

Für die Gemeinde hätten sich die Konditionen nicht verändert. 1400 Euro zahlt das Rathaus monatlich zu jeder Ausgabe, wie bisher. Im neuen Modell gibt es dafür nun sogar 24 Seiten für jede Ausgabe, bisher waren es 16. Der Gewerbeverband habe mit dem neuen Verlag bereits verhandelt, schildert Klar, aber ohne befriedigende Ergebnisse. Bei der Hauptversammlung des Verbands im März werde man die Mitgliedsbetriebe „informieren, dass sich Werbung dort für die wenigsten lohnt“.

Für den Gewerbeverband ist der Vorgang „einer von vielen Fällen, wo Situationen geschaffen werden, ohne das Gewerbe anzusprechen“. Die Finanzierung werde dann aber von den Gewerbetreibenden erwartet.

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