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ORTSGESCHEHEN

Nutzt die Straßen intelligent - dann braucht es keine neuen

Seit Jahrzehnten gibt es für Verkehrsplanung in diesem Land nur ein Denkmuster: wir haben zu viel Verkehr - wir bauen eine neue Straße. Erstaunlich ist nur, dass in dieses Schema offenbar nie Erfahrungswerte eindringen.
Für Oberschleißheim wurden seit 1970 nicht weniger gebaut als:
eine komplette vierspurige Autobahn, die A92, als ortsumfahrende Parallele für den Nord-Südwest-Verkehr,
eine weitere komplette vierspurige Autobahn, die A99, als ortsumfahrende Parallele für den Ost-West-Verkehr
und schließlich wurde als ortsumfahrende Parallele für den Nord-Südost-Verkehr eine Bundesstraße, die B13, auf vier Spuren autobahnähnlich erweitert und außerhalb jeder Ortsbebauung gelegt.
Hat Oberschleißheim für seine Verkehrsproblematik wirklich zu wenig Straßen?
Natürlich hat jede dieser Straßen eine Entlastungswirkung für den Ort - aber die Verkehrsproblematik ist offenkundig geblieben. Dennoch beißen sich alle übergeordneten Behörden und das Rathaus weiter in dieses Muster fest. Zwei Autobahnen und eine vierspurige Bundesstraße in alle verfügbaren Himmelsrichtungen haben unsere Probleme nicht ausreichend gelindert - also bauen wir parallel zu den Autobahnen noch weitere neue Straßen: die beschlossene Umgehungsstraße für die Staatsstraße 2342 und eventuell die jetzt wieder diskutierte Umgehung für die B471.

Eine gedankliche Fahrt auf dieser möglichen Trasse der B471 neu zeigt doch den Irrwitz daran: ab Hochbrück führte sie auf der B13, um dann an der Anschlussstelle Neuherberg parallel zur A99 und A92 fortzuführen und an der Anschlussstelle Badersfeld wieder in die Trasse einzuschwenken. Das heißt, den kompletten Verlauf der möglichen Umgehungsstraße gibt es bereits mit vierspurigen Schnellstraßen und er ist mit Anschlussstellen ausreichend an alle möglichen Zu- und Abfahrten angebunden.
Das wiederum heißt, jeder könnte die Trasse bereits nutzen. Das Problem ist dann doch offenbar, dass es zu wenige tun. Und diese Frage gilt doch für alle Problemstellungen des Verkehrs in Oberschleißheim. Zu jeder denkbaren Verkehrsbeziehung des Durchgangsverkehrs gäbe es eine Alternative außerhalb des Ortes via A92, A99 und B13, die den Ort im Dreick umfassen. Warum werden die nicht ausreichend angenommen?

In einer Region, die sich ständig ihre Modernität und Innovation auf die Fahnen schreibt, müsste doch mindestens die vernünftige Lenkung und Leitung des Verkehrs das Minimalziel sein. Jeder Autofahrer, der von Hochbrück kommend Richtung Dachau, Unterschleißheim oder Feldmoching unterwegs ist und nicht direkt nach Oberschleißheim muss, bräuchte nicht durch Oberschleißheim fahren. Er könnte auf der B13 nach rechts oder links, Nord oder Süd, schwenken, erreichte so alle Zufahrten nach Unterschleißheim, könnte über die B13 direkt oder via A99 über Neuherberg nach München einfahren oder über A99/92 zur Anschlussstelle Badersfeld weiter Richtung Dachau.
Aber in Hochbrück öffnet sich vor ihm eine lange Gerade bis zum Horizont, die zu 98 Prozent auf die lange Sichtweite bestens ausgebaut und völlig frei befahrbar ist, und Verkehrsschilder, die ihm die Alternativen in irgendeiner Form auch nur nahelegen, gibt es nicht. Warum in aller Welt sollte dieser Autofahrer nicht durch Oberschleißheim fahren?
Weil er im Ort dann länger an der geschlossenen Bahnschranke wartet als ihn der Umweg kosten würde? Unser Autofahrer hat eine in etwa 50prozentige Chance, dass er einigermaßen gut durchkommt. Und die Erfahrungen mit der Psyche des Autofahrers - Selbstbeobachtung genügt - zeigen doch, dass er schon bei einer fünfprozentigen Wahrscheinlichkeit den geraden, kurzen, optisch einladenden Weg einschlagen würde.

Hat die Verkehrspolitik in und um Oberschleißheim irgendeinen erkennbaren Plan, den Verkehr zu lenken?
Es scheitert doch schon daran, dass der Gemeinderat bei jeder Detailfrage von der Schaltung einer Bedarfsampel bis zur Pflanzung von Straßenbäumen keine Linie in einer zentralen Frage hat: will man den Verkehr über Dachauer-/Freisinger und Sonnen-/Feierabendstraße erleichtern, um ihn flüssig zu halten, Staus zu entzerren und den Verkehr konfliktfrei abfließen zu lassen - oder will man den Verkehr erschweren, ihn zerhacken und behindern, um die Durchfahrt durch den Ort möglichst unattraktiv zu machen?
An dieser Frage müssten sich alle Maßnahmen im Ort orientieren, aber dazu müsste sich der Gemeinderat dieser Kernfrage überhaupt erstmal bewusst werden. Derzeit beisst sich bei jeder Debatte, jeder neuen Idee, die immer wieder gleiche Katze in immer wieder den gleichen Schwanz: Ist Verkehrserleichterung Vorteil oder Nachteil einer Idee, ist es schade, den Verkehr zu behindern oder eher gewollt?
Die Idee einer Verkehrslenkung sollte hier die Linie vorgeben, der sich dann alles unterordnet, die mögliche Linksabbiegspur an der Dachauer Straße ebenso wie die Frage Ampel oder Kreisel an der Birkhahnstraße, die Zahl der Ampeln entlang der Durchgangsstraße ebenso wie die Qualität der Fußgängerüberwege. 
Beide Denkweisen sind dabei zunächst legitim. Und beide haben ihre Pferdefüße. Fließt der Verkehr möglichst bequem ab, ist die Konsequenz, dass er genauso bequem zufließt. Und wird er zerhackt, um ihn unattraktiv zu machen, muss man mit stehendem Verkehr leben, als Anlieger und als selbst Betroffener.
Solange die Bahnschranke als "natürliches Hindernis" den Verkehr brutalstmöglich zerhackt, ist Oberschleißheim automatisch auf der zweiten Schiene. Konsequent wäre es daher, auf dieser Linie zu bleiben und zum Beispiel nicht mit einer Linksabbiegespur den Durchgangsverkehr auf der Dachauer Straße zu erleichtern; zum Beispiel auf der Feierabendstraße möglichst viele Ampeln zu pflanzen und die auch noch asynchron zu schalten.

Konsequent wäre es dann aber auch, die Alternativen besser zu bewerben. Warum stehen denn an der Kreuzung bei Hochbrück, am Kreisel bei Lustheim und an der Anschlusstelle Badersfeld keine Leitsysteme, an denen der Status der Bahnschranke und die Länge des Rückstaus angezeigt wird? Warum gibt es keine App aufs Navi, die das anzeigt? .
Könnte unser Autofahrer um 17:30 h in Hochbrück lesen, dass die Schranke um 17:32 h für sechs Minuten schließt und derzeit 800 Meter Stau sind, würde er sich vielleicht nach rechts auf die B13 verziehen und heute doch lieber über B13 und Münchner Ring nach Unterschleißheim fahren.

Der Verkehr ist da - wir alle verursachen ihn. Die Straßen sind auch alle da. Mehr Verkehrsbeziehungen als um Oberschleißheim erschlossen sind, gibt es nicht. Modern und innovativ wäre es, mit bestehendem Verkehr bestehende Straßen zu nutzen. Immer weiter neue Straße bauen - mein Gott, fällt Euch denn gar nichts anderes ein!

(hierzu sind Lesermails eingegangen)


19.02.2015    |    Ihre Meinung dazu...    |    nach oben    |    zurück

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