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ORTSGESCHEHEN

Kraft aus der Erinnerung

Kraft aus der Erinnerung

Drei Schlösser prägen Oberschleißheim, mit denen der Ort in exquisiter Optik prunken kann. Und doch werden die allfälligen Postkarten aus den 1970er Jahren dominiert von - Impressionen aus der Parksiedlung, neben denen den Schlössern nur eine Randerscheinung zugestanden wurde. Was muss Oberschleißheim damals stolz gewesen sein auf seine mindestens bayernweit einzigartige Mustersiedlung.
Neben den Postkarten, ein Foto aus dieser Parksiedlung: Auf dem riesigen Spielplatz in dem weitläufigen Park spielen selig Scharen von kleinen Kindern. An den Balkonen ringsum helle Blumen im Sonnenlicht, aufgespannte Sonnenschirme bilden zusätzliche Farbtupfer. Junge Mütter schieben schmunzelnd ihre Kinderwägen an den Sandkästen vorbei. Was für eine Idylle!
Der Blick auf die Siedlung ist ein grundlegend anderer geworden über die Jahrzehnte. Mit einem neuen Projekt will das Quartiersmanagement der „Sozialen Stadt“ diese andere Atmosphäre, die einst die Parksiedlung ausmachte, wieder in Erinnerung rufen. In privaten Fotografien und vor allem mit ganz persönlichen Erinnerungen soll eine atmosphärische Geschichte der Siedlung entwickelt werden. Jeden letzten Donnerstag im Monat trifft sich künftig im Quartiersladen ein „Erzählcafé“, in dem sich langjährige Bewohner der Parksiedlung an die nunmehr 50jährige Geschichte des Quartiers erinnern können – an ihre Geschichte.
„Die Bevölkerung war damals sehr gespalten“, erinnerte sich zur Eröffnung des Projekts am Donnerstag im Quartiersladen "Wir" eine Zeitzeugin, Bürgermeisterin Elisabeth Ziegler, beim Bau der Parksiedlung an die 18 Jahre jung. Auf den flachen Feldern am westlichen Ortsrand, die bis zum Horizont reichten, habe sie als Kind Drachen steigen lassen. Dass hier dann regelrechte Wolkenkratzer – jedenfalls in Dorfdimension - aufgepflanzt wurden, sei „alles etwas ungewöhnlich für Schleißheim“ gewesen.
Der seinerzeitigen Wohnungsnot aber war nur mit derartig radikalen Lösungen beizukommen. Und mit ihrem zutiefst sozialen Ansatz, familiengerechten Wohnraum zu erschwinglichen Preisen anzubieten, war eine derartige Siedlung auch geeignet, Renommee für eine Gemeinde einzulegen. „Ich glaube“, sagt die Bürgermeisterin heute, „dass die Menschen, die damals hier herzogen, sich sehr, sehr wohl gefühlt haben“.
Selbst aus den Widrigkeiten entsprangen wundervolle Erinnerungen. Die jahrelange Baugrube von der Größe eines halben Dorfes, aus der die drei gigantischen Wohnblöcke am Stutenanger erwachsen sollten – ein Traum für die Kinder: „Im Winter sind wir hier Schlittschuh gefahren“, schwärmt die Bürgermeisterin, „und an den Rändern sind die Kleinen Schlitten gefahren“.
Die Probleme mit der Mustersiedlung begannen auch sehr früh, wesentlich verursacht durch den damaligen Bauträger. Ein Landtagsabgeordneter fand nach einer Besichtigung der Siedlung auf Beschwerde von Mietern „Ausdrücke wie Sauerei am Platze“. So wie die Bewohner der Parksiedlung über die blanke Wiese zum alten Bahnhof pilgerten, um zu ihren Arbeitsplätzen nach München zu gelangen, so waren sie auch auf die viel zu klein dimensionierte Versorgung im alten Ortsteil von Schleißheim angewiesen. „Es war ganz schwierig, dass man zu Lebensmitteln kam“, schilderte Ziegler.
Erst allmählich wuchs um die Wohnungen auch eine Infrastruktur. Irmi Hödl, auch zu Gast bei der Ausstellung, verkaufte über 30 Jahre in der Parksiedlung Kleider und dazugehörigen Bedarf vom Reißverschluss bis zum Fingerhut. Der „Rappen“, ein isolierter Flachbau als Gaststätte, entwickelte sich zum „Kommunikationszentrum schlechthin“, wie die Bürgermeisterin attestierte, auch die Alt-Schleißheimer kamen in das Wirtshaus in die Parksiedlung.
Gut 40 Jahre später war die einstige Mustersiedlung zu einem der sozialen Brennpunkte im gesamten Landkreis München abgesunken, die meisten Wohnblöcke und ihr Umfeld regelrecht verwahrlost. Mit dem Städtebauförderprojekt „Soziale Stadt“ soll nun die Trendwende gelingen. „Das Quartiersmanagement hat es geschafft, Strukturen aufzubrechen“, lobte die Bürgermeisterin. Ein Projekt wie jetzt das Erzählcafé, das dokumentiert werden und in eine Publikation münden soll, soll dazu beitragen, die Parksiedlung wieder anders sehen zu können.
Und so schlug Ziegler auch den Bogen vom Erstbezug 1963 zur „Sozialen Stadt“ exakt 50 Jahre später: „Die Anfangsjahre waren sehr spannend – und jetzt ist's auch wieder spannend.“


28.03.2014    |    Ihre Meinung dazu...    |    nach oben    |    zurück

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