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ORTSGESCHEHEN

Verkehr, das sind die anderen

1) Der bewährte Dreiklang in der Oberschleißheimer Verkehrspolitik besteht seit Jahrzehnten aus Klagen, Jammern und Fordern. Verdienst des aktuellen Gemeinderates ist es, in dieses Rezept noch als vierte Komponente das Streiten eingebracht zu haben. Erfolgreicher ist es dadurch nicht geworden...
2) Kurz zusammengefasst möchte Oberschleißheim bestens von der S-Bahn, der Nähe zu München und der Autobahnanbindung profitieren, Handel und Wandel sollen florieren; allerdings soll der Verkehr durch neue Umgehungsstraßen raus aus dem Ort, die Bahn unter der Erde verschwinden und all das sollen die jeweiligen Verursacher zahlen, Bund, Land, die Bahn. Dieses Konzept wird jeder im Ort unterschreiben! Ergänzend böte sich noch an, jedem Oberschleißheimer bei der Geburt eine Dauerkarte der Allianz-Arena zuzusichern und gebratene Hähnchen durch den Ort fliegen zu lassen.
3) Die Fixierung auf die Maximalforderungen aus dem Traumland hat dafür gesorgt, dass über lauter Resolutionen und Forderungen und Streit um Resolutionen und Forderungen und Empörung über Ablehnung von Forderungen - nichts geschehen ist, was die Gemeinde selbst verantworten hätte können. Schlagendstes Beispiel für die fortgesetzte Art von Verantwortungsverweigerung war der Bürgerentscheid zur Straßenunterführung: das Parteiengedöns weggelassen, wurde da nur darüber entschieden, das eine oder das andere zu fordern, Tunnel oder Unterführung, beim Staatlichen Bauamt, der Bahn AG und dem Verkehrsministerium. Geschehen wird im Zweifelsfall überhaupt nichts.
4) Seit zwanzig Jahren also fordert Oberschleißheim vehement den Bahntunnel, das Bürgerbegehren forderte die Straßenunterführung. Beiden Varianten gemein wäre als erster Effekt absolut sicher, dass nach der Entschärfung des enervierenden Nadelöhrs der Durchgangsverkehr massiv zunehmen würde. Wie soll das gelöst werden? Nun, dazu ist das Problem offenbar zu neu, darüber war noch kein fundierter Gedanke zu hören. Man wird dann gegebenenfalls über den Durchgangsverkehr jammern, eine Lösung fordern und über die richtige Ideallösung streiten.
5) Dass sich der Durchgangsverkehr auf Schleichwegen durch den Ort und seine Wohnviertel quält, ist nicht die Schuld der Bahnschranke in der Dachauer Straße, sondern der Brücke in der Mittenheimer Straße. Mit diesem Ungetüm wurde der Durchgangsverkehr in den Ort eingeladen, denn auch wenn die Schranke dicht ist, irgendwie kommt man dank der Bahnbrücke immer durch. Gäbe es diese Brücke nicht, müßte Oberschleißheim nicht Bürgerentscheide abhalten, um die Schranke loszuwerden, sondern regelmäßige Bittgänge veranstalten, die Schranke zu belassen. Eine bessere Verkehrsberuhigung, die nicht mal was kostet, wurde noch nirgends erfunden. Lasst die Schranke - und sprengt die Brücke!
6) Mal ganz provokant angenommen, selbst das sich stets für außergewöhnlich haltende Oberschleißheim müßte eine Prise Durchgangsverkehr erdulden als Preis dafür, in einer der wirtschaftlich privilegiertesten Regionen der Welt angesiedelt zu sein und weidlich davon zu profitieren; warum aber braucht es so viel hausgemachten Verkehr? Gibt es eine denkbare Ortslage, wo sich Radlfahren, zu Fuß gehen und öffentliche Verkehrsmittel mehr aufdrängen als in Oberschleißheim? Alles ist flach, der Ort ist kompakt, alle nicht am Ort machbaren Behördengänge und Dienstleistungen sind nahe und auf kürzestem Weg ist man in das öffentliche Verkehrsnetz einer Weltstadt eingebunden. Wer braucht da das Auto? Aber der ganze Ort ist nur für das Auto gebaut. Radeln wird bestenfalls geduldet (ein paar weiße Striche auf der B 471 sind ein mühsamer und hochpolitischer Erfolg!), der S-Bahnhof ist trostlos und unattraktiv. Warum hat die Gemeinde nicht längst den Radlverkehr gefördert durch neue Wege, Markierungen, Radlständer...? (Denn das könnte sie in eigener Zuständigkeit, ohne bei Hinz und Kunz zu fordern, fordern, fordern...) Warum wird nicht der öffentliche Verkehr forciert? Zehn Jahre Verhandlungen dauerte es, bis zu einer Buslinie eine zweite kam, auf Probe. Warum wagt man keine modernen, innovativen Verkehrskonzepte angesichts der geografischen Idealvorausstzungen? Dass sich an diesem Ort, in dieser Lage, die Bürgermeister von Schmid bis Ziegler auf Steuerkosten den dicken BMW als Dienstfahrzeug vor die Rathaustür stellen lassen, zeigt schlaglichtartig die Denke, von der die Ortsplanung zeugt.
7) Gerade hat der Gemeinderat beispielsweise entschieden, für teures Steuergeld Verkehrsinseln in Lustheim entfernen zu lassen, um den Verkehr dort zu verbessern. Da nicht aktenkundig wäre, dass diese Verkehrsinseln zu den natürlichen Gegebenheiten gehört hätten, um die herum Lustheim gewachsen ist, darf angenommen werden, dass der Gemeinderat früher auch einmal entschieden hat, für teures Steuergeld Verkehrsinseln in Lustheim anlegen zu lassen, um den Verkehr dort zu verbessern. Ebenso wird seit Jahren für Millionen Euro die Verkehrswegegestaltung in der Parksiedlung ausgebaut, die vor Jahren für Millionen D-Mark eingebaut wurde. Sieht das nach einem Plan aus, nach irgendeiner Idee, die von dieser Gemeinde verfolgt würde?
8) Straßen wurden mal dafür geschaffen, um Menschen zu verbinden. Nun ist es wahrscheinlich eher mühsam, aus der Feierabendstraße eine anheimelnde Flaniermeile zu machen - aber etwas bemühter könnte man ein innerörtliches Straßennetz schon in die Moderne übersetzen als es einfach zu ignorieren. Die beiden zentralen Verkehrsadern durch den Ort werden nur als Störung wahrgenommen und nirgends eine Chance oder Möglichkeit in ihnen gesehen. Eine Wahlkampfidee 2008, die Feierabendstraße als Hauptstraße Oberschleißheims auch mit dem geplanten Ortszentrum in Verbindung zu bringen, ist völlig in der Versenkung verschwunden. Oberschleißheim leht seine zentralen Straßen einfach ab - so effektiv, wie das Wetter abzulehnen.
9) Jede dieser Thesen ist vollkommen irrwitzig, nicht realisierbar, nicht finanzierbar, von Ortsunkenntnis geprägt, hamma noch nie so gmacht, und überhaupt, wo soll denn da die Müllabfuhr wenden. Schon klar. Besser und erfolgreicher war da eindeutig die Verkehrspolitik der Gemeinde der letzten Jahre.


(Hierzu sind Lesermails eingegangen.)


31.05.2009    |    Ihre Meinung dazu...    |    nach oben    |    zurück

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