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Auseinandersetzen mit Demenz

Auseinandersetzen mit Demenz

"Demenz geht jeden etwas an" ist das Motto, unter das Oberschleißheim sein Konzept für eine demenzfreundliche Gemeinde gestellt hat. Und jetzt soll jeder dazu was beisteuern können. In einer flächendeckenden Umfrage soll zum einen die tatsächliche Situation am Ort ermittelt werden, aber auch die Wünsche und Bedürfnisse betroffener Familien werden abgefragt und Ideen und Anregungen gesammelt.
"Die Voraussetzungen für das Leben von Menschen mit Demenz und deren Angehörige sollen so gestaltet werden, dass die Betroffenen nicht isoliert werden, sondern in unserer Gemeinschaft gut aufgehoben sind und begleitet möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung leben können", ist als Zielsetzung des Projekts auf den Fragebögen formuliert.
Die flächendeckende Umfrage solle als Initialzündung mit Breitenwirkung "sensibilisieren und mobilisieren", umreisst Georg Kalmer die Intention, der Vorsitzende des Kranken- und Altenpflegevereins, der die Konzeption federführend erstellt hatte und im Gemeindeauftrag auch umsetzt. Mit einer breiten Bürgerbeteiligung und der schrittweisen Umsetzung des Konzepts werde man für Oberschleißheim "schon eine Verbesserung der Verhältnisse erreichen", versichert er.
In dem zweiseitigen Bogen, der im Oktober den Gemeindenachrichten beiliegen wird, werden zunächst mal Zahlen der Betroffenheit abgefragt. Über Demenz gibt es keinerlei verlässliche Zahlenwerte, da die Erkrankung oft nicht so gesehen oder tabuisiert wird. Statistische Wahrscheinlichkeiten lassen für Oberschleißheim etwa 150 demenziell Erkrankte erwarten. Nach den ersten Eindrücken des Vereins, der seit 2013 eine Demenzbetreuung aufbaut, werde die Zahl aber drastisch höher liegen, erwartet Kalmer.
Neben der reinen Annäherung an eine Zahlengrundlage fragt die Erhebung des Vereins auch die Wünsche von betroffenen Angehörigen ab, etwa nach weiteren Hilfen oder Informationen. Parallel dazu wird ein zweiter Fragebogen an Ärzte, Pflegedienste und andere einschlägige Fachstellen verteilt, um auch deren Informationen und deren Sicht zu ermitteln und auch die diversen Ansätze am Ort zu vernetzen.
"Es ist wichtig, offen darüber zu reden", betont Bürgermeister Christian Kuchlbauer. "Erst wenn mal eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit Demenz erreicht ist, kommen wir weiter", erwartet Kalmer. Der Kranken- und Altenpflegeverein hat schon eine Demenzhilfe mit acht speziell geschulten ehrenamtlichen Kräften aufgebaut, die Nachbarschaftshilfe steht hinter neuen Angeboten wie einem Tanztee, der örtliche Seniorenpark der Arbeiterwohlfahrt betreibt zwei stationäre Wohngruppen für Demenz und ist nach Worten seiner Leiterin Jana Drews sehr aufgeschlossen, im Zuge des Konzepts "die Angebote zu erweitern und zu verbessern".
"Oberschleißheim ist hier wirklich sehr weit", freut sich der Bürgermeister. Unter den neun Gemeinden im Landkreis, die modellhaft mit Förderung des Landratsamtes in die Auseinandersetzung mit Demenz einstiegen, war Oberschleißheim sofort dabei und mit der Bewertung seines Konzepts auch an der Spitze. Mittlerweile hat sich ein Arbeitsausschuss zur Umsetzung konstituiert, dem Kalmer, sein Stellvertreter Peter Benthues und Christine Fichtl-Scholl für den Kranken- und Altenpflegeverein angehören, Jana Drews für den Seniorenpark, Irene Beck für die Nachbarschaftshilfe und Dritter Bürgermeister Hans Hirschfeld für den Gemeinderat. Motor des Projekts sei eindeutig Kalmer, würdigte Benthues, der sich die Betreuung von Demenz mit "großem persönlichen Engagement" zum Herzensanliegen gemacht habe.


28.09.2017    |    Ihre Meinung dazu...    |    nach oben    |    zurück

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